Frisch angekommen in einer offensichtlich ja doch eher dauerhaften Beziehung kannst Du relativ mittelfristig die ersten Anzeichen dafür sehen, dass Du für Dich durchaus zufrieden mit der Situation bist. Jetzt ist es nun leider nicht so, dass sich so etwas ausnahmslos in aufregenden gemeinsamen Parties, abenteuerlichen Hobbies, durchzechten Wochenenden oder wilden Nächten der Begierde äußert, sondern hier und da auch gerne mal in der etwas – sagen wir “ruhigeren” Variante.
Statt der gemeinsamen Fahrradtour wird hier mal zusammen Lasagne gekocht, statt des Samstages in der Kletterhalle wird da mal auf dem Sofa Süßkram geknabbert, dort im Kino ein Eimerchen Käse-Nachos verdrückt oder zum Frühstück ausnahmsweise mal aus Spaß beim goldenen M eingekehrt. Des Abends gibt’s natürlich auch nicht mehr die Stulle auf die Hand, sondern den Klick zu Hallo-Pizza oder dem örtlichen Woher-auch-immer-Asiaten mit den neckischen Glückskeksen – und jetzt passiert es: Du musst einfach nur noch die Augen schließen, sie gaaaanz langsam wieder öffnen und schon erlebst Du innerhalb eines sanften Wimpernschlages, wie Du einfach so um grobe ACHT Kilo schwerer wieder zu Dir kommst. *ZACK*. Für Dich als MANN ist das jetzt nicht so das allergrößte Problem: nicht nur, dass Du eh überall schlanke Frauen mit eher kugelbäuchigen oder speckberingten Männern siehst, nein, Du bist inzwischen in einem Alter angekommen, in dem es auch bei Deinen Jungs cooler ist, einen Waschbärbauch zu tragen, als sich die kostbare Lebenszeit in miefigen Fitness-Studios um die Ohren zu hauen. Motto: “Separates the men from the boys”.
Die Frau sieht das jetzt nicht GANZ so locker wie Du.
Nichts ahnend liegst Du ziemlich sportlich auf der Couch herum und trainierst gerade Deine Augen in der Disziplin des 4-DVD-Staffeln-am-Stück-Schauens, als plötzlich ein paar flinke Fingerchen an Dein Kinn greifen (!) und ein wenig brutal (!!) daran ziehen.
Er: “WAS?”
Sie: “Nichts.”
Er: “WAS ist da??”
Sie: “Nichts.”
Er: “Schatz – Du sagst mir sofort was da ist!!”
Sie: “Nihiiiiiiichts. Also – naja… ich hab nur gedacht, dass das irgendwie… rundlicher aussieht?”
Du bist noch VÖLLIG verstört, stotterst chaotisch vor Dich hin, bist entsetzt und verwirrt, als Dich einer der eben erwähnten Finger plötzlich in die Seite piekst…
Sie: “Da auch.”
Er: “D… da? WAS da auch? WIE da auch??”
Sie: “Etwas mehr.”
Schock. Alarm. Armageddon. Der jüngste Tag. Genau ab JETZT erstellst Du Trainingspläne, suchst neue Lauf-Routen, bestellst Sportkleidung und wälzt Fitnessprogramme, grübelst über die Liegestütze am Morgen und die Sit-Ups am Abend. Der Plan steht: spätestens in 8 Wochen wird die kleine Pummelfee schon sehen, was “rundlich” ist. DU jedenfalls ganz sicher nicht mehr. Aus die Maus, Nikolaus. Wäre doch gelacht. Die paar popeligen Trainings-Einheiten hast Du auch mit 20 schon locker-flockig aus der Hüfte geschossen, und das ist ja nun auch nicht soooo lange her.
“Lange her!” – das ist es auch, was Du denkst, als Du beim Aufwärm-Training in der Sportschule nach 7 Minuten auf dem Boden liegst, während Dir ein besorgter Trainer und zwei der anderen Anfänger ein wenig Luft zufächern und Dir schmunzelnd eine kurze Auszeit verschreiben, damit Du zumindest die nächsten 83 Minuten noch lebend überstehst. Dein Plan zerfällt, Deine Aussicht auf Erfolg sinkt in Sekunden in sich zusammen und verkriecht sich irgendwo im nächsten Loch. Die Klappe fällt. Deinem Weibchen erzählst Du natülich nur in Ansätzen vom doch eher suboptimalen Trainingsverlauf, hörst Dir ausdauernd die lustigen Witzchen über Dich und Deinen Zustand an, lässt Dich wieder mal beraten, was denn in zahllosen Klatschblättchen für jemanden wie Dich empfohlen wird und willigst bereitwillig ein, erstmal gemeinsam eine kleine Diät zu machen, bevor es weitergeht.
Und dann piekst Du zurück. Ohne Gnade, ohne Erbarmen – bis sie beim Hausfrauen-Yoga morgens in der Turnhalle neben sechs 45jährigen beim Steppen in sich zusammenfällt und Ihr beide nun endlich wisst: ab auf die Couch, eine riesige Pizza bestellen und zum Nachtisch ein fantastisches Eis. Und ne Runde pieksen.
Wenn frau irgendwann mal an sich runtersieht, oder den Blick in einen Spiegel wirft, fällt ihr auf, was sich in einem Beziehungsleben alles so verändert hat: in erster Linie der eigene Körper. Im Singlemodus noch rank und schlank und vollkommen problemlos immer wieder die ein, zwei Kilo zum Traumgewicht heruntergehungert, weggesportelt und/oder -gefeiert, ist ein Beziehungs- oder Ehekörper irgendwann träge und aus der Form geraten. Es wäre dann auch sehr einfach, sich einzugestehen, dass man sich eventuell etwas hat gehen lassen, sowas will man sich aber auch nicht eingestehen, selbst wenn man weiß, dass es so ist. Klingt ja auch irgendwie unschön. Es ist auch nicht dieses Gehenlassen, welches man in irgendwelchen Boulevard-TV-Formaten bestaunen kann, sondern einfach die Bequemlichkeit, die ein solches Leben mitbringt.
Für Sport ist keine Zeit, gefeiert wird aufgrund fehlender Jagdinstinkte nicht mehr, abendliches Dinner-Cancelling wird gecancelt, weil man ja jemanden zu versorgen hat. Die Durchschnitts-Singlefrau kommt auf 2 Mahlzeiten am Tag (also die, die Frühstück braucht), ab und zu (sprich ca. 2, 3x die Woche, je nach Date-Terminplanung) auch auf 3. Die Ehefrau kommt bei anständiger Maßregelung auf mindestens 3 Mahlzeiten am Tag, die letzte besonders üppig und garniert mit einem süffig-süßen Dessert, das ganze ungefähr 5x die Woche, am Wochenende können es durch diverse Zwischenmahlzeiten auch schon mal grob 8 Mahlzeiten sein. Es wird nichts weggeschmissen, irgendwer isst den Rest immer und ungefähr 10 Monate später wiegt man zwischen 5 und 15 Kilo mehr. Egal ob Mann oder Frau.
Dem Mann fällt sowas meistens erst dann auf, wenn er aus der Versenkung auftaucht und seine Jungs trifft, die ihn dann fragen, ob die Frau gut kochen kann. Der Frau fällt es oft schon viel früher auf, sie ist aber aufgrund der neu auferlegten Essgewohnheiten viel zu sehr damit beschäftigt, ihn dafür verantwortlich zu machen, als selber was zu tun. Den Zeitpunkt haben wir nun überschritten.
Wenn Kosenamen wie “Fetty”, “Moppel”, “Mopsi” oder “Seekuh” irgendwann ganz selbstverständlich über die Lippen gehen und nicht nur äußerst selten mal spaßeshalber in eine Diskussion eingeworfen werden, die Augen verdreht werden, weil wieder ein Pudding geopfert wird und eben dieser Pudding mit bösartigsten Sprüchen wie “naja, wenn du meinst, du könntest dir das noch leisten” für sich gewonnen werden soll, ist die Zeit für ein vollkommen übertrieben groß angelegtes Sportprogramm, diverse Diätversuche und regelmäßige Aufsuche der im Badezimmer angesiedelten Waage gekommen.
Da wird sich hochmotiviert neues Equipment gekauft, bei Kursen angemeldet, schon mal vorsichtshalber der Startplatz beim Marathon gesichert (“Das ist für die Motivation!”) und Sportarten an die Oberfläche gezogen, die man eigentlich nur aus dem Sportfernsehen kennt. Gilt in unserem Fall teilweise für beides, aber wenn Monsieur plötzlich anuft und mitteilt, in der benachbarten Kampfkunstschule könne man HEUTE! DIREKT! in den KARATE-ANFÄNGERKURS! einsteigen, wird man schon etwas misstrauisch. Natürlich könnte sein Ehrgeiz durch meine diversen VHS-Kurse, zu denen ich mich neuerdings morgens vor der Arbeit prügle, geweckt worden sein. Die Tatsache allerdings, dass bis auf das eine Probetraining in der Karateschule bisher außer großen Worten noch nichts passiert ist, zeigt mir, dass der Geist da doch ein wenig stärker war, als der Körper. Das wäre ja eigentlich auch nicht das, was er eigentlich wolle, er wolle lieber wieder laufen gehen, schließlich wohne er ja jetzt quasi wieder neben seiner alten Laufstrecke und das Karate-Training helfe bei den Marathon-Vorbereitungen ja auch nicht. Gut, seine spontane Abneigung, die genauso schnell kam, wie die sponate Begeisterung eine Woche vorher, könnte auch damit zu tun haben, dass er schon beim megaheftigen Hardcore-Aufwärmtraining fast kollabiert ist und noch an diesem Abend seine Ernährung umstellen, mit dem Rauchen aufhören und zusätzlich noch jeden Tag mindestens 5 Stunden Ausdauertraining jedweder Couleur machen wollte.
Fairerweise muss ich dazu sagen, dass es mir bei meinem ersten Bodypower-Kurs ähnlich ging und ich 36 Stunden nach meiner ersten Stunde auf einem Pferd nach 8 Jahren “Pause”, trotz eines ausgedehnten Rheumabades nicht in der Lage war, mich ohne jammern und stöhnen zu bewegen. Aber immerhin hab ich schon drei Sportarten hinter mich gebracht, die vierte und fünfte kommen in den nächsten 7 Tagen dazu und die sechste in ca. 2-3 Wochen. Außerdem will ich jetzt ein Pony.
Männer sind ja von Haus aus immer sehr kritisch gegenüber der exzessiven Kosmetik-Probierwut ihrer Frauen. Das kann sich auf höchst unterschiedliche Art und Weise äußern; die einen meckern, die anderen belehren, wieder andere ignorieren. Meiner belehrt in erster Linie und verdreht die Augen. Das würde ja alles nichts bringen, er hätte ja ne Bekannte, die bei Penaten arbeite, die ihm versichert habe, dass das alles totaler Humbug sei, ob man sich nun Creme für 80 oder für 3 € ins Gesicht schmieren würde, undsoweiterundsofort. Ja natürlich, denke ich mir dann immer, wohlwissend, dass ich gar keine Creme für 80 € im Schrank stehen habe und nach Lust, Laune und Hautbild trotzdem weiter wechseln und ausprobieren werde.
Soll er doch weiter Wasser, Seife und gar nichts benutzen und sich weiterhin fragen, wieso er im Winter so ein unangenehmes Gefühl im Gesicht hat, welches aber ganz sicher nichts mit der Kälte oder der Heizungsluft zu tun hat – eine Wintergrippe ist im Anmarsch, jawohl. Ich kaufe mir meine Sachen einfach immer dann, wenn er gerade nicht da ist und wenn wir doch zufällig zusammen in der Stadt sind, parke ich ihn einfach vor dem Einzelhandel meiner Wahl, drücke ihm den Hund in die eine, ein Eis in die andere Hand und versuche, die hilfreichen, besonders clevere Oberlehrer-Ratschläge nach dem Kauf einfach an mir abprallen zu lassen.
Seit einiger Zeit passieren jedoch merkwürdige Sachen. Kürzlich ist mir zum Beispiel etwas aufgefallen, ich konnte allerdings nicht sagen, was genau. Etwas war anders im Badezimmer. Ich hab es wahrgenommen, aber nur aus dem Augenwinkel. Kurzzeitig war ich versucht, zu glauben, er hätte irgendwas von mir weggetan, es versteckt oder weggeschmissen, nur um mal zu testen, ob es mir überhaupt auffällt. Da meine Serie aber komplett und ohne nennenswerte Veränderungen genau da stand, wo sie immer steht, habe ich es für eine Halluzination gehalten und bin nicht weiter drauf eingegangen. An einem Morgen bin ich schlaftrunken ins Bad, in dem ich Monsieur wider Erwarten vorfand und mir war, als hätte er sich erschrocken, als ich rein kam. Ich hätte schwören können, er hatte meine Augencreme in der Hand, es sah aber irgendwie auch so aus, als ob er einfach nur aufräumen würde und meine Müdigkeit nahm mir dann etwas von meiner Sicherheit.
Als ich meinen Gatten dann beim letzten Drogeriemarktbesuch vom netterweise mittig im Laden aufgestellten Männerparkplatz (Stuhl neben Wasserautomat) abholen wollte, war erstaunlicherweise zumindest nicht MEIN Mann an Ort und Stelle aufzufinden. Leicht genervt bin ich also in Richtung Rasierklingen, wo ich ihn dann doch am ehesten vermutet hätte – doch auch dort keine Spur von ihm. Panik. Kurzzeitig überlegte ich, meinen Kleinen aurufen zu lassen, als ich seine Mütze auf der anderen Seite hinter einem Regal aufblitzen sah. Ha! Beim Haarzeugs also! Wer nun denkt, ich hätte richtig gelegen, liegt wiederrum falsch. Eine Art optische Täuschung war schuld daran, dass er von weit weg doch größer wirkte, als er tatsächlich ist und je näher ich seinem Kopf kam, desto kleiner wurde er. Er stand also ein Regal weiter. Dort, wo Hautpflegeprodukte standen, für Männer natürlich. Mit einer Anti-Falten-Creme in der einen und einem Augengel in der anderen Hand. Für Männer, natürlich.
Ich: “Schatz, was hast du da?”
Er: “Wie jetzt, wo?”
Ich: “Da, in deiner Hand.”
Er: “Ach soo, DAS! Wollte mir den Mist nur mal anschauen, son Zeugs.”
Ich: “Okay. Ich hab alles, sollen wir gehen?”
Er: “Hmm.. Ja. Guck mal, das soll Falten glätten, lustig, oder?”
Ich: “Ja, irre lustig.”
Er: “Und das soll sogar die Haut einfärben, verrückt, sowas.”
Ich: “Ja, das ist verrückt. Selbstbräuner, wer darauf wohl gekommen ist.. Kommst du?”
Er: “Ja, aber guck mal hier – das sind zwei verschiedene Sachen in einer Flasche, warum ist das so?”
Ich: “Das sind zwei unterschiedliche Sachen mit unterschiedlichen Wirkstoffen, die man aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nicht in eine Flasche tun soll.”
Er: “Aaahh, die eine erfrischt, die andere glättet.”
Ich: “Ist ja nicht wahr. Willst du haben?”
Er: “NeinNeinNein, sowas brauch ich nicht. Ich will in Würde altern.”
Ich: “Gut, und warum hast du das Augengel jetzt in den Korb geworfen?”
Er: “Ich dachte, du bräuchtest das!”
Ich: “Nein, ich brauche nur Scheuermilch, Augencreme hab ich noch. Und ich benutze prinzipiell nichts, wo “men” drauf steht.”
Er: “Achso.”
Ich: “Willst du es dann nicht lieber wieder rausnehmen?”
Er: “Willst du es nicht mal ausprobieren?”
Spätestens jetzt dürfte jeder hier mitlesenden Frau, der schon mal was ähnliches passiert ist, klar sein, was in diesem Moment in mir vorgegangen ist. Wenn man nicht weiß, ob man verwirrt, ängstlich oder belustigt sein soll, fängt man schon mal einfach so an, hysterisch zu lachen. Und spätestens hier ist klar, dass wir die Augencreme gekauft haben. Und das passende Waschgel (“Das erfrischt die Haut, cool, oder?”), die Feuchtigkeitspflege und die Anti Age-Pflege.
Meine Flaschen sind jetzt von einer bemerkenswert umfangreichen Hautpflegeserie for men in eine sehr enge Ecke gedrängt worden. Und vor kurzem habe ich mit ihm zusammen im Bad gestanden und gestaunt, als ich gesehen habe, dass er nicht Produkt A morgens und Produkt B abends benutzt, sondern sich einfach gnadenlos alles nacheinander ins Gesicht schmiert.
“Ich werde ja auch nicht jünger, irgendwas muss ich ja machen.”
Die winzige Bad-Veränderung, die ich nur am Rande mitbekomme habe, war übrigens, wie ich nach investigativer Recherche und mit Naher-Osten-Verhörmethoden herausgefunden habe, eine Pflegeprobe, die er aus einer meiner Zeitschriften herausgerissen und so unauffällig wie möglich hinter meiner elektrischen Zahnbürste versteckt hat. Noch Fragen?
Mädchen sind komisch. Sie behaupten ohne Unterlass steif und fest, dass es im Großen und Ganzen relativ überlebenswichtig sei, sich morgens, mittags und auch abends Crèmes in der Preisklasse einer Münchener Eigentumswohnung ins Gesicht zu schmieren, weil sie ganz genau nur deswegen so frisch, jung und dynamisch aussehen, wie sie es denn nunmal tun. Ohne diese Crème hätten sie LÄNGST Fältchen, ohne jene wäre die Haut viel zu unrein und ohne die Vierfach-Kombi mit Schmiergelpapier-Effekt würde man sie ja ohnehin überhaupt niemals wiedererkennen können. Gottseidank gibt es da draußen Forscher, die in ihrer jahrelangen Arbeit tatsächlich Mittelchen erfunden haben, Dank derer unsere weiblichen Pendants zwar Unsummen liquider Mittel in die Pharma-Industrie pumpen, die aber genau deshalb das Wunder ewiger Jugend und Unschuldigkeit erschaffen haben. Hallelujah.
Etwa 23 unterschiedliche Tuben, Fläschchen, Ampullen, Stiftchen und Döschen füllen also nun unsere Ablageflächen im Bad, Crèmes, Puder, Pasten, Pinsel und Quasten reihen sich ordentlich aufgereiht im hübschen Regal, füllen des Liebchens Handtaschen, erfüllen die Türfächer der Autos, besetzen Nacht-Tischchen und schlummern in Reiseköfferchen. So kenne ich es, so habe ich es akzeptiert. Zwar weine ich noch immer jedes Mal an der Kasse ob der putzigwinzigklitzekleinen Döschen für 83,00 EUR, aber wir wollen einfach nicht mehr drüber diskutieren, nicht mehr argumentieren, nicht mehr richtigstellen: für SIE liegt es natürlich NICHT am fehlenden Schlaf, an der Flasche Wodka vom Wochenende, am blauen Dunst oder an mangelnden Vitaminen – nein! Die böse Mutter Natur ist es, die die zarten Püppchengesichter der ewigen Schönheit schon in so jungen Jahren in harten Stein zu meißeln versucht…
Sie: “Schatz warte – hier ist Kiehl’s hier muss ich mal kurz rein…”
Ich: “Aber wieso denn das schon wieder?”
Sie: “Ich brauche eine neue Gesichtscrème.”
Ich: “Du hast doch schon total viele Gesichtscrèmes?!”
Sie: “Die sind aber nicht gut.”
Ich: “Wieso? Was machen die?”
Sie: “Die sind nicht gut.”
Ich: “Ja aber WIE-SO sind die nicht gut?”
Sie: “Mahaaann, die funktionieren nicht!”
Ich: “Wie, die funktionieren nicht? Wie sollen die denn funktionieren? Die sollen doch nur crèmen?”
Sie: “Schatz, magst Du nicht bitte draußen warten?”
Na super. Weil die Oma es vor knappen 30 Jahren nicht lassen konnte, den kleinen Schreihälsen den alten Schmink- und Frisurkopf vom Dachboden zum Spielen auszupacken müssen WIR also nun mit kleinen Shopping-Tütchen in irgendeiner Fußgängerzone doof in die Gegend gucken und kleine Pröbchen für den Mann einpacken, mit denen wir von so ziemlich keinem unserer besten Freunde irgendwo gesehen werden wollen.
Sie: “Schatz guck mal hier.”
Ich: “Wo? Was?”
Sie: “Hier, mein Gesicht!”
Ich: “Ja, das ist Dein Gesicht.”
Sie: “Siehst Du das denn nicht?”
Ich: “Was? Das ist Dein Gesicht!”
Sie: “Ja aber das sieht total unrein aus! TOTAL unrein!”
Ich: “Hmm. Also…ich… neee?”
Sie: “Doch. Tut es. Du siehst das nicht. Ich vertrage meine Crème nicht.”
Ich: “Du siehst nicht anders aus als sonst.”
Sie: “Du bist blind. Ich brauche wirklich eine andere Crème. Ich vertrage die nicht. Du verstehst es nicht.”
Amos Bronson Alcott (1799 – 1888) sagte einst: “Es ist besser, für etwas zu kämpfen, als gegen etwas.” Nun, im Grunde ist es mir eher relativ egal, wen oder was dieser Mensch damit denn nun meinte, weil ich dieses Zitat grad eben erst gegoogelt habe… aber als Mann hast Du nur eine Wahl: Segregation oder Assimilation, den ewigen, nie enden wollenden Kampf der Überzeugung gegen die Übermacht weiblicher Sturheit, oder die Anpassung, den Wandel, den Wechsel der Fronten: seit letzter Woche habe ich eine Tagescrème von Balea. Aber die gefällt mir nicht, ich habe das Gefühl sie spannt. Ich merke das. Nun habe ich eine zweite Crème, extra für Männer, mit doppeltem Effekt, da kommen eine blaue und eine weiße Crème gleichzeitig raus, wofür weiß ich nicht. Und ein Gel, für die Augenringe. Und ne Handcrème.
Mir persönlich liegt ja das doch eher schwofige “Krrrrrreuzberger Nächte sind lang – trallallallalaaa….” in den Ohren, wenn ich mich abends bettfertig mache und mich mental darauf einnorde, mal wieder eine Nacht schlafzimmerliches Beziehungsdrama vor mir zu haben. Während bereits einige Männer der deutschen Comedy-Szene ausführlich darüber aufklären, dass das nächtliche Zubettgeh- und Schlafverhalten geschlechtsreifer Paare durchaus auch seine Schattenseiten haben mag, erlebt meine Wenigkeit eben jenes in aller Härte, in aller Abgeklärtheit und voller Brutalität am eigenen Leibe.
Phase I: Das Zubettgehen
Der freie Feld- und Wiesenmann stellt es sich eigentlich recht simpel vor: eben noch ins Bad huschen, flink das Schlafshirt übergeworfen, die Socken gekonnt im 180-Grad-Bogen von der Matraze aus im Lampenschirm drapiert, das Kissen zurechtgeknüllt und – Augen zu. Denkt er. Währenddessen scheint nämlich der weibliche Gegenpart genau diese Phase des Tages doch eher dazu zu nutzen, sämtliche Synapsen noch einmal auf genetisch einprogrammierte Hochtouren zu bringen: urplötzlich verlangt es nämlich genau JETZT nach genau jenem der 23 hauseigenen Labellos, der höchstwahrscheinlich und dummerweise noch im Auto liegt, das Glas Wasser auf dem Nachttisch muss UNBEDINGT das mit dem Kirscharoma aus der Abstellkammer nebenan sein, das Ladekabel vom Telefon hat man aus Versehen noch im Wohnzimmer liegen und die Handcrème aus dem Bad bräuchte man nur eben schnell auch noch mal. Ich liege da, totmüde, der Körper einem Wachkoma gleich, während es um mich herum hektisch wird. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp, Tapptapptapp. Dann endlich die Bettdecke, Madame wickelt sich (!) in ihre 2,40 m (!) breite Bettdecke ein, umzingelt von 4 (!) Kopfkissen (“Die brauch’ ich alle zum schlafen!“) und benötigt nur noch 62 verschiedene Probeschlafstellungen, bis endlich Ruhe einkehrt. Ich seufze.
Phase II: Das Einschlafen
Sie: “Schaaaaaaatz“?
Ich: “Hm?”
Sie: “Ich kann nicht schlafen.”
Ich: “Hm.”
Sie: “Ich habe so viele Gedanken im Kopf”
Ich: “Ach?”
Sie: “Ja.”
Pause.
Sie: “Schatz?”
Ich: “Hmmm?”
Sie: “Bringst Du mir was mit?”
Ich: “Ich… ich bin doch gar nicht weg???”
Sie: “Ich meine aus der Küche.”
Ich: “Aber ich LIEGE doch hier?”
Sie: “Ich will einen Löffel Honig.”
Ich: “JETZT?”
Sie: “Hmm. Ja. Das beruhigt mich.”
Phase III: Das Durchschlafen
Unser Bett bietet uns eine Liegefläche in einer Breite von EINMETERACHTZIG. von diesen EINMETERACHTZIG stehen uns zum Zeitpunkt des Einschlafens jedem tatsächlich genau die Hälfte zu – fair wie wir ja als gleichberechtigtes Paar sind. Leider kann ich nicht genau einschätzen ab wann und zu welcher Schlafphase sich dieses Verhältnis zugunsten des Weibchens verschiebt, aber ab so ungefähr 02:00 Uhr nachts werde ich zum ersten Mal wach, weil ich auf einer Breite von – sind wir mal großzügig – 23 ZENTIMETERN am Bettrand liege und mich mit einer Hand auf dem Fußboden abstütze, um nicht komplett aufs schicke Laminat zu knallen. Frau hingegen liegt quer über das Bett verteilt da und schlummert – wahrscheinlich mit vielen kleinen Gedanken im Kopf – lustig vor sich hin.
Phase IV: Das Aufwachen
Frauen haben – rein biologisch betrachtet – eine Blase von der Größe einer Erdnuss. Zumindest gefühlt. Es ist ungefähr 04:12 Uhr, als ich das erste Mal davon geweckt werde, dass *tapptapptapp, klick, pssssssssssss, shwoooooosh*! die LETZTE Phase der Nachtruhe ohne weitere Komplikationen sein Ende nimmt. Von jetzt an heißt es: alle 45 Minuten ein Besuch bei Villeroy & Boch, und zwar durchgehend bis 08:15. Nur zur Klarstellung: das sind SECHS Mal. In genau dieser Zeit, also etwa 4 Stunden, hat die Frau – statt zu schlafen – die Einkäufe für die nächsten 4 Samstage durchgeplant, 2 Urlaube im Kopf komplett durchgebucht, die ToDo-Listen der nächsten 3 Meetings im Büro durchsortiert und 67 Kleiderkombinationen für den aktuell anstehenden Tag durchgeprüft – nicht zu vergessen die verschiedenen Möglichkeiten, diese durch passendes Schuhwerk zu ergänzen, während das Männchen in den gleichen 4 Stunden die Brüste von Angelina Jolie mit einem Kugelschreiber signiert.
Phase V: Die Nach-Schlaf-Phase
Sie: “Hast Du schlechte Laune?”
Ich: “Hmmm.”
Sie: “Warum sprichst Du denn so wenig?”
Ich: “Kaffee.”
Sie: “Boah, ich hab wieder sooooooo schlecht geschlafen, ich versteh’ das gar nicht.”
Ich: “Ach.”
Sie: “Ja. Ich muss mal mit meinem Arzt drüber sprechen, das geht so nicht weiter.”
Ich: “Hm.”
Sie: “Boah, Du bist morgens UN-AUS-STEH-LICH. Ich fahr jetzt zur Arbeit.”
Und ich fahr jetzt mal zur Apotheke, Hallo-Wach-Tabletten kaufen.
Der allabendliche Zubettgang sieht in der Regel so aus: Man zieht sich um, wahlweise werde ich vom Liebsten ins Bett getragen oder zumindest dorthin begleitet, indem er meine Hand in seiner einen Hand hält und mich mit der anderen Hand sanft vor sich herschiebt, er schlägt mir die Decke zurück, legt meine Kissen so zurecht, dass ich mich einfach hineinsinken lassen kann, gibt mir noch einen Kuss auf die Stirn, wünscht mir süße Träume und ich falle in den wohlverdienten Tiefschlaf. Fast.
Tatsächlich muss Monsieur ziemlich regelmäßig von mir von der Couch geprügelt werden, nachdem ich vorher im 10-Minuten-Takt mehr als unglaubwürdig versichert bekomme, er sei noch nicht eingeschlafen, er würde nachdenken, nur kurz die Augen zu machen, nein, noch nicht rüber, man dürfe ja wohl mal 2 Minuten dösen. Die ersten zwei, drei Male finde ich es noch lustig, ihn mit der “Schläfst du schon?!”-Frage aus dem Delirium zu reißen, irgendwann wird es aber auch langweilig und anstrengend, da mein Körper beim ständigen Anblick dieser kurzzeitigen und harmlosen Leblosigkeit ebenfalls das Recht auf eine Pause einfordert.
Interessanterweise kann ich bis zum Zeitpunkt des Umzugs ins Schlafzimmer unser 5.1-Heimkinosystem mit “Saving Private Ryan” beglücken und den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufdrehen, eine 60-minütige Telko mit meiner besten Freundin, die ich zu dem Zeitpunkt schon mindestens 6 Monate nicht mehr gesehen habe, führen, der Hund kann imaginäre Einbrecher anbellen, die Nachbarn klingeln, weil sie ein Paket für uns abgeben wollen: er hört nichts. Vielleicht tut er auch nur so, man weiß es nicht. Aber abgesehen von “Sollen wir nicht rüber gehen?” reagiert er auf nichts. Vielleicht noch auf das Rascheln einer Toffifee-Verpackung, aber ansonsten auf nichts.
Einmal im Schlafgemach angekommen, werden die übrig gebliebenen Klamotten, die auf dem Weg dorthin nicht schon einfach dort, wo sie sich zum Zeitpunkt des Ablegens befanden, auf den Boden geknallt, die Jeans immer zuerst mit der Gürtelschnalle auf das Laminat. Immer. Von dort aus fällt Monsieur nur noch der Länge nach ins Bett, dreht sich ohne ein Wort weg und fängt sofort an zu schnarchen. Ein Schelm, wer da vermutet, dass sofort die REM-Phase einsetzt, denn wenn mir dann einfällt, dass ich noch etwas brauche, was sich aber nicht in greifbarer Nähe befindet, sprich mich dazu zwingt, aufzustehen, wird das selbstverständlich mit einem lauten, vorwurfsvollen Ausatmen quittiert. Zugegebenermaßen denke ich zu einer Uhrzeit, kurz bevor die Nacht am kältesten ist, nicht immer an alles, es kann also durchaus schon mal sein, dass ich das Ganze noch einmal wiederhole und dann versuche, mich abzulegen. Zu diesem Zeitpunkt hat Monsieur aber schon einen Arm auf mein Kissen geworfen und um ihn nicht zu wecken, versuche ich mich irgendwie drumherum zu drapieren, was auch schon mal etwas länger dauern kann. Unnötig zu erwähnen, dass nach spätestens 20 Sekunden Bettdecken- und Kissenanordnung der Gatte aus dem Schlaf schreckt, mich mit großen Augen anschreit und genervt “BOAH BABY, WIE LANGE DAUERT DAS DENN NOCH?!?” schnauft.
Irgendwann, wenn wir noch kurz darüber diskutiert haben, ob ich, die noch nicht einschlafen kann, den Fernseher anmachen, eine Einschlaf-App starten oder lesen darf, kann oder soll, ist Ruhe. Nicht ohne mich mit schlechtem Gewissen zurück zu lassen, weil der Herr ja eh immer so schlecht einschläft, weil ich so einen Stress mache, egal ob direkt (Wasserflasche holen) oder indirekt (externe Einschlafhilfen). Klar. Ich bin zu diesem Zeitpunkt zwar die, die mit tellergroß aufgerissenen Augen an die Decke starrt und versucht, nach Möglichkeit mit extremst flacher (will sagen kaum vorhandener) Atmung und minimalsten Bewegungen einzuschlafen, aber gut. Er hat Einschlafprobleme. MEIN Vonzehnbisfünfzehnuhr-Tiefschlaf ist nicht mehr existent, ich schlafe oft schlecht ein und fast nie durch. Die Gründe fürs Wachwerden zu der Uhrzeit, in der die Nacht am kältesten und dunkelsten ist, sind mannigfaltig, ein nicht seltener Grund ist jedoch die Schnarcherei des Herren an meiner rechten Seite. Oder der Kampf um die gemeinsame Riesen-Bettdecke, die ich mittlerweile für mich alleine beanspruche, er hat nun eine eigene. Bettdecke ist geregelt, Schnarchen wird einfach weggelogen, dafür wird wieder besonders vorwurfvoll geatmet, wenn ich wieder ins Bett komme. WENN ich wieder ins Bett komme, ich hab mir in der letzten Zeit angewöhnt, beim ersten Wachwerden mit Sack und Pack ins Wohnzimmer zu ziehen, damit mein verzweifelter Lidschlag beim Versuch, wieder einzuschlafen, Monsieur nicht um seinen Schlaf bringt.
Am Morgen muss ich dann zusehen, wie ich klar komme, wenn ich nach dieser besonders schönen Form der Erholung topfit im Büro Gewehr bei Fuß stehen muss. Nachdem ich mir sagen lassen darf, dass ich als Bettgefährtin ziemlich anstrengend bin. Aber für den Liebsten kein Problem, ich fahre dann nämlich ins Büro und er kann sich nochmal ein Stündchen hinlegen.






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