Archive for May, 2008
Ich habe dem nicht wirklich viel entgegen zu setzen. Mein Schicksal ist es, eine Frau zu sein und ständig links und rechts zu verwechseln. Im Gegensatz zu IHM merke ich das aber sehr schnell und da das in der Regel im Auto passiert, ist der Schaden überschaubar. Nicht so wie im Urlaub, als wir auf sein von Geburt an eingebautes Navigationssystem mit Nachfrage-Blocker gehört und uns natürlich verlaufen haben! Mit Flipflops, gefühlte 50 KM, nach Shopping und Essen, immer und immer wieder mein vorsichtiges Nachfragen – hier schon nach gefühlten 49 KM:
“Und du bist dir GANZ sicher, dass wir nicht vorhin hätten abbiegen müssen…? Da ganz vorhin?”
“Aaaach, Schätzelein – lass Chico mal machen, ich weiß GANZ GENAU, dass wir hier richtig sind! Zur Orientierung reicht die Flagge da oben, kann man vom Pool aus sehen..”
“Gut, aber die steht auf dem höchsten Berg, die sieht man aus jeder Himmelsrichtung..”
“Ich hab das schon im Griff, Süße..”
“Hmm.. Ok. Und das da vorne ist nicht zufällig unser Hotel, von dem wir uns schon wieder immer weiter weg bewegen?”
“Nein, wie kommst du denn darauf?”
“Weil unser Hotel das letzte Hotel vor dem Berg ist!!”
Gut, was soll´s – ich wollte eh etwas Bewegung haben und neue Flipflops brauchte ich auch vor dem Tagesmarsch schon.
“Du mußt da vorne rechts abbiegen!” sagt SIE – und zeigt dabei eindeutig nach links…
Ich (irritiert): “Wohin denn nun?”
SIE (dreht sich kurz nach links, dann wieder nach rechts, grübelt dabei): “Ähm – DA hin!”
(Ich hatte Glück – von Essen nach Köln geht es fast nur geradeaus…”)
Gartenbesitzertypologie – gerade für jemanden, der keinen Garten hat, ist das mehr als spannend. Frau guckt sich vier Fotos an, entscheidet spontan für den Garten, den sie am schönsten findet und liest anschließend einige gleich große Absätze: Beschreibung, Tipps zur Gestaltung und (wichtigwichtig) zu wem es passt. Ich glaube da waren noch zwei, aber ich hab nur noch die drei im Kopf. Schmalspur-Psychotest ohne Psychoanalyse, kein tiefgehendes Blabla, sondern klare Statements wie: “für Hippies”, “für Spirituelle” oder “für Puristen”. Oder so ähnlich, hab die Zeitschrift nicht mehr.
Und wie Frauen dann so sind, wird logischerweise einmal kurz der Abgleich gemacht: “guck mal und rate, welcher meinen Geschmack trifft”. Dass das Ergebnis eine 40-minütige Dauerbefeuerung voller Hypothesen, Vermutungen und Glaskugelbeschwörungen wird, war nicht klar. Zuerst zeigte er seinen Favoriten, dann tippte er relativ zielsicher mit Ausschlussverfahren (“Nee, da hast du zu viel Arbeit, nicht dein Ding…”) auf “meinen”: geradlinig, puristisch, minimalistisch, fast cool. Ist ja Gott sei Dank alles Geschmacksache. Und ich mag es genau so. Für einen hoffnungslosen Romantiker, wie er es ist, sicherlich nicht die Wunschvorstellung, aber es ging ja auch nicht darum, das Teil ad hoc nachzubauen.
In einem Ton, der irgendwo zwischen hysterisch und beleidigt angesiedelt war, kam erst das gesamte Repertoire an Contras in Bezug auf meinen Garten, den er als kalte Betonwüsten-Lounge mit einzelnen Bambusstäben und Kunstrasen betrachtet, im Anschluss daran die Vorzüge blutsaugender Zecken, ekelhafter Spinnen (erwähnte ich schon, dass ER panische Angst davor hat?) auf einer Wiese voller unkontrolliert wachsenen Blumen (nicht schwer zu erraten, dass ER den Hippiegarten wollte) und dann fing er plötzlich an, die kindlich-neugierigen Dialoge zwischen ihm und seinem Erstgeborenen nachzuspielen. Den Auszug findet man in seinem Post vor diesem hier.
Gut, ich erwähnte ja bereits, dass es nicht darum ging, auf direktem Wege anschließend zu einem GaLa-Planer zu fahren und alles nachzubauen, aber dass in dem Garten auch Gras war und ich nicht geplant hatte, exakt das gleiche Ding nachzubauen (selbst wenn wir direkt im Anschluss zu einem GaLa-Planer gefahren wären), hätte ihm auch klar sein können. Aber was soll´s, noch haben wir keinen Garten, müssen erst einmal das Projekt EINE Wohnung in Angriff nehmen und bis dahin lache ich mich gerne weiterhin über sein komödiantisches Talent kaputt – lustig wars nämlich wirklich. Also mal abgesehen davon, dass mein wie ich finde sehr guter Geschmack wieder einmal gnadenlos ins Lächerliche gezogen wurde. Zu seinem Glück gerade so weit, dass ich noch damit leben kann.
SIE liest ja gern Frauenzeitschriften. Gut, die bekommt sie kostenlos, weil sie bei so nem Verlag arbeitet und hat daher auch eine gute Entschuldigung. Manchmal frage ich mich allerdings, was diese Frauenmagazine sich eigentlich dabei denken, wenn sie den jungen Damen da draußen ihre Ideen auftischen.
Schatzi und ich planen gerne unsere gemeinsame Zukunft – und ein nicht ganz unwichtiger Teil ist da natürlich das “zusammen wohnen”. Bis hierhin klingt das ja auch noch recht einfach. Geht es aber ins Detail, scheinen sich Mann und Frau in den Einzelheiten eines gemeinsamen Domizils dann doch in gewissen Punkten nicht unerheblich zu unterscheiden – womit wir wieder bei besagtem Frauenmagazin ankommen, welches der weiblichen Welt in der aktuellen Ausgabe die Grundlagen der Gartengestaltung vorstellt.
Ein Garten wäre toll – unser Hund könnte darin herumtollen, könnte durch die bunten Blumen verschiedenster Art hüpfen, die bunten Schmetterlinge würden glücklich um meine Ohren säuseln während ich in meiner Hängematte liege und ein gutes Buch lese, eine Vielzahl an frischen Düften könnte in meiner Nase kribbeln und das Gezwitscher von pussierlichen und neugierigen kleinen Vögelchen würde die gemeinsamen Sommertage zu einem real gewordenen Traum werden lassen.
So KÖNNTE es sein.
Allerdings kommt an dieser Stelle Prinzesschen’s Vorstellung eines – ähm, nennen wir es “Mode-Gartens” ins Spiel. Das Damen-Magazin zeigt das Bild eines Aloe-Vera-Entspannungs-Lounge-Budda-Bar-Grüns: Terrakotta-farbene, überdimensionale Steinplatten ersetzen eine frische Sommerwiese, ein schmaler Streifen Grün (offensichtlich mit der Nagelschere geschnitten) zieht sich an den Seiten vorbei. Selbst die wenigen Grasshalme wirken ängstlich und eingeschüchtert von der wenigen puristischen Sagrotan-Garteneinrichtung. Hier und da steckt ein Stück Bambus in der Erde: Reste einer untergegangenen Kultur?
Bereits jetzt male ich mir aus, wie mich mein zukünftiger Nachwuchs mit Fragen löchern wird – hier die Top 10:
1. “Papaaaaa – was sind Blumen???”
2. “Papiiii – Wie sieht Grass aus?”
3. “Papa, wieso habe ich so dicke Hornhaut unter den Füßen?”
4. “Papa, wofür brauchen Menschen eine Nase im Gesicht?”
5. ” Papi – was ist GRÜN???”
6. “Papa – darf ich zwischen den Bonsai-Bäumen verstecken spielen?”
7. “Papaaa… wieso hat der Hubschrauber unseren Garten mit dem Flughafen verwechselt?”
8. “Papa, warum haben wir NIE Besuch???”
9. “Papa – was ist eigentlich Natur???”
10. “Papiiii – wieso habe ich mir schon 3 Mal den Arm gebrochen?”
Nunja, die meisten Fragen beantworten sich von selbst. Im Grunde frage ich mich eigentlich nur, wie das erst im Interieur wird, wenn wir schon da draußen so unterschiedliche Vorstellungen von Entspannung im Grünen haben …?
Ach was soll’s – und wenn wir in ner Berliner Platte wohnen: hauptsache, es liegen keine 400km mehr zwischen uns!
Um unmissverständlich Sachen aus dem Weg zu räumen, muss man manchmal schon etwas drastischer sein. Das hat nicht zwangsläufig immer was mit dem Privatkram zu tun, ER und ich arbeiten gerade zumindest für eine kurze Zeit zusammen und da habe ICH nun mal das Sagen. Nicht weil ich auf meine höchstpersönliche Emanzipation bestehe, sondern weil das in der Natur der Dinge liegt. Und da muss ich hin und wieder schon mal erfahrungsgemäß klar stellen, wer Chef ist.
Ich bin also – eigentlich – fertig mit meinen Ausführungen und höre dann soetwas wie:
“Jaja, klappt schon – mal gucken”
“Bitte was? Hey, ich muss dich nicht daran erinnern, oder? Regierung und so?”
“Jahaa, ich weiiihiiiß – du bist die Legislative, ich die Exekutive und ich brauche auch keinen freien Willen mehr.”
“Ähm, also um genau zu sein hast du Recht und das klappt doch auch in diesem Fall ganz gut ohne freien Willen, oder findest du nicht? Den kann ich dir hierbei nicht zugestehen, sorry. Und unsere gemeinsame Legislaturperiode in diesem Projekt soll doch auch etwas länger sein, oder nicht?”
“Ja nee, ist schon klar, meine Regierung halt. Was soll´s, ich lass mich dann halt unterwerfen.”
“Das geht nicht anders jetzt hier, hallo?”
“Ok, du hast Recht.”
“Ich habe immer Recht, Darling..”
Das ist ja nicht global auf alle Bereiche des Lebens bezogen, aber da ich nun mal in dieser Arbeitsbeziehung in der Tat die bin, die am längeren Hebel sitzt, habe ich auch immer Recht. So einfach ist das. Und im Gegensatz zu IHM hat das weder was mit gestörter Wahrnehmung, noch mit irgendwelchen Möchtegern-Manipulationen zu tun! Letzere kommen heute Abend. ;-)
Das nenne ich eine klare Ansage. Nicht, dass man(n) ja nicht ohnehin vorher schon weiß, worauf man(n) sich einlässt, aber ein kleiner und feiner Seitenhieb von IHR um gelegentliche Erinnerungslücken wieder aufzufüllen bleibt einfach nicht aus…
SIE: “Du brauchst wirklich keinen eigenen Willen mehr. ICH bin die Legislative, DU bist die Exekutive. Hoffen wir auf eine verdammt lange Legislatur-Periode.”
ER: “Aber… aber – wir leben doch in einer Demokratie und haben ein Recht zur freien Meinungsäußerung? Wahlrecht? Menschenrecht?”
SIE: “NEIN. Das hier nennt man Diktatur. Du bist mir untergeben und dabei bleibt es. Du mußt nur tun, was ich sage und mir IMMER Recht geben.”
Er: “Okeee…”
(Nur für die Männer da draußen: natürlich wissen wir, wie das Spiel funktioniert: wir manipulieren SIE einfach dahingehend, dass sie und genau DAS befehlen, was WIR eigentlich wollen. Is’ klar, oder?!)



