Archive for July, 2008
Die gemeine Feld- und Wiesenfrau ist ja eher etwas kleinlich, wenn Du sie ein paar Tage nicht gesehen hast und Dir nicht sofort auffällt, dass sie neuerdings statt 5 cm breiten Augenbrauen nun tatsächlich 4,9 cm breite Augenbrauen hat, weil sie sich absolut sicher war, dass ihr das nicht nur um ein Vielfaches besser steht, sondern weil es NATÜRLICH jedem sofort positiv auffallen müßte.
Wie funktioniert das unter Frauen? Haben sie geheime Mimik- oder Gestikzeichen, um sich gegenseitig solche völlig unbemerkbaren Details zu signalisieren und darauf aufmerksam zu machen? Selbst wenn Freundin A ihre beste Freundin B etwa 7 Jahre nicht gesehen hat und sie sich rein zufällig in der Stadt begegnen (im Dunkeln auf dem Fahrrad, ziemlich schnell UND mit Sonnenbrillen) und bloß winkend aneinander vorbeifahren, wird man sich am Abend überall in der Stadt anhören müssen: “Habe heute A. in der Stadt gesehen. Sie hat neuerdings den Fingernagel des kleinen Fingers der rechten Hand mit Klarlack lackiert”. Genauso läufts.
Ich liege also am Wochenende endlich bei meiner ersehnten Traumfrau auf dem Sofa rum und frage mich schon eine kleine Weile, warum mich diese großen Kulleraugen immer wieder so fragend ansehen und sich der kleine Kopf immer wieder so fragend auf die Seite legt.
SIE: “Fällt Dir was auf?”
Ich: “Hmmmm… hmmm…. gib mir nen Tip?”
SIE: “Maaaaann – ich habe mir doch die Haare gefärbt! Das SIEHT man doch!”
Ich: “Ach – JAAA! Natürlich! Das… ähm… sieht man??”
SIE: “Guck doch mal hier! Das ist doch eine ganz andere Farbe?”
Ich überlege kurz, wie ich jetzt argumentiere…
SIE: “Baby, das mußt Du doch sehen?”
Ich: “Welche Haarfarbe hattest Du vorher?
SIE: “Dunkelbraun.”
Ich: “Hm. Und welche ist DAS jetzt?”
SIE: “Dunkelbraun.”
Ich: “Ääääääh??? Wie jetzt?
SIE: “Das ist aber ein anderes Dunkelbraun!”
Ach ja. Stimmt. Ich hatte ja die “Nuancen” vergessen. Diese süßen, kleinen Unterschiede, deren Gegenwart von uns Männern allzugerne einfach übersehen wird. Die NUANCEN sinds.
Soso. *amKopfkratz*
“Lass uns gleich weiterschreiben, ich bin mal eben 20 Min im Bad.”
“Wieso, was machst du denn?”
“Haare färben”
“Ok”
Bis dahin noch ziemlich unspannend. Lustig wurde es dann einen Tag später, als ER endlich zu Hause war und wir auf der Couch gelegen und rumgesäuselt haben. Super Zeitpunkt für ein Kompliment. Kam aber nicht von alleine, also nachgeholfen:
“Gefällt dir die Farbe eigentlich?”
“Welche Farbe?”
“Ähm.. Meine Haare? Die, die ich gestern Abend gefärbt habe, wegen denen ich dir die ganze Zeit nicht schreiben konnte?”
“Oh.. Warte mal, ich gucke”
“ICH LIEGE DIREKT VOR DIR UNTER DER LAMPE!!!”
“Jaaa!! Ähm, ja äh… Dings… Sieht schön aus…?”
“Du siehst es gar nicht, oder?”
“Doch, die sind so…”
“Dunkelbraun. Waren sie vorher auch schon, jetzt sind sie aber dunkler. Glänzender. Und schöner. So ein Braun gibts im richtigen Leben nicht.”
“Ah ja, ok.. Stimmt, sie sind dunkelbraun.”
Zugegebenermaßen ist es vielleicht etwas zu viel verlangt, von einem Mann zu erwarten, zwei verschiedene Dunkelbrauntöne zu differenzieren. Wenn ich aber keine 24 Stunden vorher noch lang und breit erzählt habe, dass ich mir die Haare “jetzt mal eben färben” werde und IHM dazu auch noch Fotos mit der fast schwarzen Pampe auf dem Kopf rüberskype, sollte zumindest ein HöflichkeitsKOMMENTAR (über ein Kompliment spreche ich ja schon gar nicht mehr) drin sein. Selbst wenn die Farbabweichung kaum auffällig ist. Sonst kann er es ja auch.
Eine Party stand an. Nicht irgendeine, sondern eine, bei der ich mich auch noch an für mich und meinen Geschmack ziemlich schwierige Restriktionen halten musste. Alles eine Farbe und die ist auch noch grundsätzlich sehr selten in meinem Schrank vertreten. Noch dazu war der Partybesuch ein halboffizieller Auftritt, was die Sache per sé nicht einfacher gemacht hat. Neben frustrierten Bestandsaufnahmen gehörten auch tägliche Torschusspanikeinkäufe zu meinen Aktivitäten der letzten Tage.
So kam ich nun mit einem Koffer voller Eventualitäten bei IHM an und wollte vorsortieren, es ist nicht gut, zu viel dabei zu haben – stiftet nur Verwirrung und macht die finale Auswahl direkt vor der Party zu einer Qual. Ich leerte den Koffer also aus um ihn wieder einzuräumen und dachte, ich könnte ihn mit einbeziehen. Zufällig fiel dabei sein Blick auf ein Paar Schuhe, das offensichtlich neu und das daran hängende Preisschild leider zu groß war, als dass ich es schnell und unauffällig hätte verstecken können. Nachdem ich hier zerknirscht den doch recht frischen Kauf gestehen musste, wollte ich ihm ein Oberteil zeigen – dummerweise wieder eins mit Preisschild.
Ich finde, dass es vollkommen egal ist, ob ich zigtausend Klamotten habe oder nicht. Zum einen kann ich das ganze Zeug ja innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen wieder zurück geben, zum anderen war genau sowas bis jetzt nun mal noch nicht dabei und es ist ja nicht so, als ob es schlecht würde.
Genauso wie die Killerfastnacktefüßesandalettenmit7cmabsatzundgebundenemfesselriemen von Céline, die ich ihm voller Stolz und mit einem – wie ich finde tollen Plan – noch vor die Nase hielt:
“Guck mal, sind die nicht schön?” (Natürlich sind sie schön, die Frage war rhetorisch)
“Ja, aber die sind braun..”
“Stimmt. Hab sie auch noch nie getragen, aber die sind auch zu besonders für die Party. Baby, die trage ich, wenn wir zusammen raus gehen. Gut?”
“Äh, ja klar danke – aber du hast sie noch NIE angezogen?”
Naiv wie ich bin, dachte ich, er würde wahrscheinlich ziemlich schnell darüber lachen – war aber nicht so. Hab ich festgestellt, als ich ihm die Sohle gezeigt und munter weitererzählt habe:
“Nein, guck – ganz neu.”
“Ja, ich sehe es! Wann hast du sie dir gekauft?”
“Vor zwei Jahren. Waren runtergesetzt, von 700 Dollar auf 150. Sind allerdings ein bisschen klein”
“Du kaufst dir vor ZWEI Jahren ein paar Schuhe aus wenig Leder für 700 Dollar, die dir auch noch ZU KLEIN sind und trägst sie NICHT?
“Sie sind nicht wirklich zu klein, fallen größer aus und wenn ich sie eingetragen habe, gehts auch. Guck!”
Ich habe sie angezogen und ihm gezeigt, aber das hat irgendwie auch nicht geholfen. Er hat nur fassungslos auf meinen Fuß gestarrt, nicht aus Begeisterung, sondern eben aus Fassungslosigkeit. Gut, er ist ein Mann. Für ihn existieren reine Lustkäufe nicht und das blanke Unverständnis in Bezug auf Schuhe, die auch ERSTMAL nur im Schrank stehend toll aussehen und mir gute Laune machen, wird durch die schonungslose Offenlegung von nackten Zahlen logischerweise auch nicht besser. Ist ja nicht so als ob ich sie nie hätte anziehen wollen. Aber er ist ja lernfähig und empfindet es mittlerweile wenigstens als halbsympathischen Prinzessinnen-Tick und nicht mehr als totalen Dachschaden meinerseits. Glaube ich.
Wenn Frauen planen eine Party zu besuchen, dann wissen wir Jungs ja mittlerweile durchaus schon womit wir zu rechnen haben. Für gewöhnlich dauert der Umkleideprozess die ein oder andere halbe bis ganze Stunde, wandelt sich von enthusiastischem Tanzen vor dem Spiegel in depressive Schreikrämpfe und endet in hysterischem Weinen.
Muss aber nicht so sein, zumindest nicht mit dieser Frau. Der Spruch “Ich hab nix anzuziehen” KANN eigentlich gar nicht Anwendung finden, denn Prinzessin hat ein eigenes Zimmer für ihre Kleidung. Dieser begehbare Umkleideraum ist sicherlich der Traum vieler Frauen, auch wenn grob 70 Paare Schuhe immer noch nicht ihren Platz finden und meine Aufgabe – nämlich weitere Schuhregale aufzubauen – noch nicht erledigt ist.
Das Ganze hilft ihr natürlich nicht sehr viel weiter, wenn sie mich in meinem Domizil besucht und darauf angewiesen ist, für ihr Wochenende eine kleine Vorauswahl an Mitbringseln zu treffen. Zwar sind bereits einige Schubladen und Schrankfächer mit Utensilien und Kleidung direkt annektiert worden, doch es wäre töricht zu glauben, dass dies ausreichen würde.
Dieses Wochenende war es mal wieder so weit, Schatzi ist zu besuch.
SIE: “Ich weiß nicht, was ich anziehen soll!”
Ich: “Süße, Du hast doch einen ganzen Koffer mit für 2 Tage!!”
SIE: “Ja, aber trotzdem!!!”
Sie öffnet den Koffer.
Ich: “Süße?”
SIE: “Hm?”
Ich:: “Was sind das für Schuhe, sind die neu?”
SIE: “Neeeeeeee….”
Ich: “Du, da sind aber noch die Preisschilder dran?”
SIE: “Oh.”
Ich: “Hast Du schon wieder neue Schuhe gekauft?”
SIE: *Blick zu Boden*
- Stille -
Ich: “An dem Shirt ist ja auch noch ein Preisschild dran??”
SIE: “Maaaan – lass mich!”
Ich lasse sie also und wir gehen ins Wohnzimmer – wo NOCH EINE Tasche steht.
SIE: “Guck mal, diese Schuhe sind auch toll!”
Ich: “Sind die auch neu?”
SIE: “Nee, die hab ich schon 2 Jahre. Hatte ich aber noch nie an.”
Ich: “Du hast die schon ZWEI Jahre??? Und noch NIE getragen?”
SIE: “Jaaaa – die waren doch RUN-TER-GE-SETZT!!!”
Ich: “Achso dann.”
SIE: “Ja. Und die sind mir 2 Nummern zu klein.”
Ich: *SPRACHLOS*
SIE: “Aber wenn ich ein bißchen drücke, dann komme ich rein. Guck!!”
Ich: *immernoch sprachlos*
SIE: “Die will ich tragen, wenn wir zusammen rausgehen!”
Ahso. Ich glaub ich freu mich schon darauf, sie Huckepack nach Hause zu tragen und in ihren Wandschrank zu sperren.



