Archive for September, 2008
Ich glaube es war irgendwann Mitte August, als Madame zum ersten Mal kreischend durch die Wohnung sprang und mir ein bitterliches, erbärmlich leidendes “Mir ist soooo kalt” um die Ohren wirbelte – und als ich mich genauso zum ersten Mal wunderte, ob denn wohl die ihr mitgegebenen Wärme- und Kälterezeptoren ganz eventuell einen Defekt im Schaltkreis haben würden. Hatten sie natürlich nicht, denn in eben jener letzten Augustwoche wurde per höchst-majestätischem Beschluss die gute Sommerbettwäsche dann auch direkt gegen die Arktis-Ausstattung getauscht. Während ICH fortan Nacht für Nacht wach wurde und sofort zum Fieber-Thermometer griff, weil mich die Schweißausbrüche eigentlich umgehend an ernstzunehmende Krankheiten denken ließen, durfte und darf ich seitdem allmorgendlich ein wimmerndes, frierendes und zusammengekauertes Häuflein Frostköttel neben mir erleben.
Ich würde es nicht unbedingt mit “Terror” vergleichen, was ich von nun an erleb(t)e, aber das Starten der Heizungsanlage ab August unter – sagen wir “Gewächshaus-Bedingungen” fördert nicht unbedingt mein allgemeines Wohlbefinden. Madame wundert sich ja, warum in ihrer Wohnung eben solche Pflanzen besonders gut gedeihen, die normalerweise nur in subtropischen Verhältnissen ein Zuhause finden. Nun – ICH weiß warum. Aus dem gleichen Grund nämlich, wegen dem ich täglich eigentlich mehr Wasser trinken müßte, als ich es damals auf Kuba getan habe oder wegen dem hier drin wahrscheinlich demnächst Handteller-große Schmetterlinge oder irgendwelche bunten Echsen ihr neues Heim finden werden. Auch die auffällig großen Spinnentiere hier in der Gegend dürften ihre kräftige Statur wohl der heimischen Heizungsanlage zu verdanken haben – wir sind ja Tierfreunde, so ist das ja nicht.
Also denn – ich geh mir dann mal eben eine neue Badehose kaufen, die brauche ich hier nämlich von nun an täglich wenn ich mich zuhause aufhalte – denn die Temperaturen bringen ein 1A Urlaubsflair. Genau deshalb werde ich gleich die Liege im Wohnzimmer aufbauen, mir einen frischen Cocktail mixen, ein wenig Salsa-Musik einspielen und ein gutes Buch lesen. Wenn mich wer sucht: ich bin auf dem Sonnendeck.
Es ist kalt. Der Sommer ist vorbei, nachts könnte man meinen, der Herbst wäre übersprungen worden – so eine Wohnung kühlt schneller aus, als man gucken kann. Ich bin eine Frau und insbesondere was die Zimmertemperatur betrifft besonders leidensfähig. Kalt ist doof, ungemütlich und ätzend, frieren macht keinen Spaß. Mir ist schon klar, dass der Mann per sé ja eine Heizung ist und von seinem Körper offenbar für zu viel Wärme mit Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und krankhaftem Unwohlsein bestraft wird. Allerdings habe ich noch niemals gehört, dass jemand in seiner Wohnung an Heizungswärme gestorben sei, erfroren aber wohl schon.
Nun wohnen wir ja zusammen und ich kann nicht mehr alleine entscheiden, ob ich mein Geld zum Fenster raushauen und die Heizung auf Hochtouren laufen lassen (und mich wohl fühlen) will oder nicht. Dieses Geld verheize ich nebenbei bemerkt gerne, an sowas spart man nicht so sehr, dass man sich davon beeinträchtigt fühlen muss. Dass das im realen Winter, so mit Temperaturen um die -10 Grad nachts ein richtiges Problem werden kann, zeichnet sich jetzt schon ein wenig ab:
“Meine Güte, ist das kalt hier!! Ich mach mal die Heizung an..”
“Abends??”
“Ja klar, ich will ja nachts nicht frieren!”
“Aber man heizt abends nicht, dann kann man nicht schlafen!”
“Ich will die ganze Wohnung aufwärmen, nicht aufheizen – und so gesehen braucht man es dann tagsüber ja auch nicht zu tun, weil man ja nicht da ist! Also brauche ich im Prinzip gar keine Heizung?!”
“Hmpf. Aber 18 Grad sind vollkommen ausreichend, wärmer macht man es nicht.”
“Im Schlafzimmer vielleicht!”
“Nein, 18 Grad reichen überall!”
Öhm.. Also ICH für meinen Teil friere mir bei 18 Grad auch unter meiner Decke den A**** ab, muss mich komplett unter eben diese Decke zurückziehen, damit nicht Teile meines Körpers raushängen und ich Teilerfrierungen erleide. Ja, auch jetzt schon, wir haben hier aber auch schon nur 5-8 Grad in der Nacht. Und ich finde es auch eher nicht so kuschelig, wenn ich in meinem Bett meinen eigenen Atem sehen kann – wie es denn bald passieren wird. Und in voller Montur, einschließlich Winterjacke abends auf der Couch zu sitzen.. Ach nee, da hab ich ja noch ne Decke, keine Wolldecke, sondern eine DAUNENDECKE. Soweit ich weiß, liegt die Wohlfühl-Zimmertemperatur auch bei ungefähr 20-22 Grad, je nach dem..
Wir werden sehen.
Es ist soweit. Endlich. Die Sehnsucht unter der Woche ist zu groß, die Fahrerei nervt, unsere Autos drohen zu Staub zu zerfallen und überhaupt ist zu zweit alles viel besser als alleine, mit 350 KM Distanz dazwischen und wahlweise Skype, Handy oder Rauchzeichen als Kommunikationsmittel. Nach längerem Hin- und Herüberlegen wer am besten seinen Job aufgibt (wobei das für MICH ja eigentlich nie ein Thema war ;-)) und umzieht (was nach derartig vielen Umzügen, wie ich sie in der letzten Zeit gehabt habe für mich auch kein Thema mehr war), haben wir uns dann entschieden. Dummerweise (oder zum Glück?) lebe ich in einem komplett ausgestatteten Haushalt, dessen Erscheinung jetzt nicht unbedingt abstoßend auf einen Mann wirkt, hier ist also alles komplett. Sprich ER muss leider seine ganzen Möbel abstoßen und aufgrund der nicht vorhandenen Themen hier hin ziehen. Leider ist natürlich relativ – für mich kein Stück, für ihn vielleicht schon, in erster Linie aber (hoffentlich) nur wegen der großen Liebe zu seiner Stadt und der Tatsache, dass seine Möbel relativ neu gekauft sind.
Klamottentechnisch betrachtet bin ich durch und durch Frau. Meine Wohnung hat 3.5 Zimmer, eins davon – ursprünglich als Büro gedacht – ist ein Ankleidezimmer. Die architektonische Bauweise meiner Wohnung (Dachgeschoss, Schrägen) lässt einen größeren Kleiderschrank nirgendwo zu, ein Kinderzimmer ist nicht nötig, mein voll ausgestattetes Büro befindet sich in 3 KM Luftlinie Richtung Nordosten von hier, also parke ich in diesem Mini-Raum meine Klamotten. Und da der Raum nicht groß ist und im Prinzip auch nur eine Wand zur Verfügung hat, ist es nichts weiter als eine Wand, an der meine Sachen aufgehängt sind. Da sollen jetzt aber auch SEINE Klamotten hin.
Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung, wohin mit meinem ganzen Zeug, außer wirklich großzügig auszusortieren und den ganzen Krempel bei ebay zu verkaufen. Oder zur Müllkippe zu bringen. Das geht aber in 90% der Fälle gar nicht. Eigentlich hab ich auch keine Lust mehr, Kleidungsstücke zu sammeln. Ich habe nur auch überhaupt keine Lust, den ganzen Kram zu fotografieren, auszumessen und in stundenlanger Kleinstarbeit bei ebay hochzuladen. Noch weniger Lust habe ich, Fragen zu beantworten, Zahlungseingänge zu kontrollieren und dauernd zur Post zu rennen. Und so ein bisschen hänge ich ja auch an den ganzen Sachen.
Er kriegt einfach ein Schubladenfach aus einem zu einem Schuhregal zweckentfremdeten Bücherregal ab, so viele Sachen hat er ja nicht. Eine Kommode hat er ja schon und er hat schließlich auch gesagt, dass er in dieses Fach seine Hosen reinlegen könne. Dann braucht er auch keine Hosenaufhängung mehr und kann stattdessen dort eine Kleiderstange anbauen, an die er seinen Kram hängt. Und wenn alles so aufgeht, wie ich es berechnet habe, muss ich gar nicht so viel aussortieren. ;-)
Es ist soweit. SIE und ICH, wir ziehen zusammen. Klar, wir haben uns das gut überlegt, wir wollen es – also tun wir’s auch. Im Kopf war die ganze Sache ja nicht nur schon x-Mal durchdacht und durchexerziert, sondern auch völlig simpel: ER verkauft all seine Möbel, packt den ganzen Rest in ein paar Kartons und schleppt den Kram zu IHR in ihre Wohnung, die genug Lebensraum für Zwei bieten dürfte. Die gesagt-getan-Strategie zeigte dieses Wochenende allerdings recht deutlich: in unserem Alter ist Möbel schleppen, Möbel wegwerfen, Möbel neu kaufen und Möbel aufbauen definitv nichts, was sich mal soeben nebenbei erledigen lässt.
Für mich selbst war natürlich die spannende Frage, wie ihre Majestät denn wohl den Platz schaffen würde, der mir dann zukünftig zustehen würde. Irgendwo unter knapp 70 Paar Schuhen, 30 Handtaschen und wirklich unzähligen Kleidern, Oberteilen, Jacken, Hosen und Accessoires müßte ich dann doch auch irgendwo ein kleines Schublädchen bekommen, in das ich mich quetschen dürfte…?
ICH: Wo kommen denn meine Sachen dann hin?
SIE: Du kannst da hinten rechts ja noch einen Hosenaufhänger packen.
ICH: Da hinten, in der Ecke?
SIE: Jaaaaa, ich schiebe meine Sachen dann nach links.
ICH: Links ist aber doch voll?
SIE: Nee, das mache ich dann leer.
ICH: Wohin denn?
SIE: Na hier, in das Regal!
ICH: Das Regal ist aber doch voll?
SIE: Jaaaa, aber das kommt dann ja in die Kommode.
ICH: Hmm… aber die ist doch auch voll?
SIE: Ja, aber das, das packe ich dann in die Kästen.
ICH: Aber – …??? (Ich kratze mich fragend am Kopf…)
SIE: Wiiirklich, das verkaufe ich ALLES bei Ebay!!!
*Nachtrag: Und just während ich das hier schreibe, trudelt es per Skype ein:



