Archive for February, 2009
Manchmal kommt es, wie es kommen muss. Es ist halt nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, auch bei uns nicht. In der Regel läuft das so, dass wir uns anzicken, vorwurfsvoll Luft aus der Lunge drücken, laut werden – dabei dürfen wir aber nur so wenig Augenkontakt haben, wie möglich. Im falschen Moment ins Gesicht des Streitpartners geblickt, wird nämlich nur besonders schnell deutlich, wie affig das alles gerade ist und man muss grinsen. Es wird wird zwar gerne und krampfhaft unterdrückt, was allerdings nicht von besonders viel Erfolg gekrönt ist. Dieses verkniffene Grinsen führt dazu, dass das Gegenüber anfangen muss zu lachen und dann.. Dann ist der ganze Driss wieder vorbei und alles ist gut. Das zeigt dann wiederum, dass der Grund nur allzu lächerlich ist – wenn der Streit wirklich Substanz hätte, könnte man ihn nicht weglächeln.
Manchmal ist es hilfreich, sich beim Einstieg ins Bett zu streiten. Sämtliche Weglächel-Mechanismen können im wahrsten Sinne des Wortes ausgeschaltet werden: Licht aus, dann sieht man nicht mehr, ob irgendjemand lächelt, grinst oder Grimassen zieht. Ab und zu will man ja auch sauer sein und nicht versehentlich das Eis brechen. Wenn man dann aber hört, wie die Decke vom Bett gerissen und der Sparringpartner von den eigenen Füßen trotzig in Richtung Wohnzimmer, ergo auf die Couch getragen wird, hilft das nur bedingt beim eigenen Spannungsabbau. Normalerweise lenkt dann nach spätestens 5 Minuten jemand ein und alles wird gut, man kann gemeinsam einschlafen und das hilft ja beim Herunterfahren des Blutdrucks ungemein.
Dummerweise war ich gestern zu sauer und zu müde. Also hab ich ihn gehen und drüben schlafen lassen. Ist mir auch erst morgens aufgefallen, als ich über die gesamte Bettfläche hinweggestreckt wach wurde und nicht wusste, woher der ganze Platz kam und wieso die Körperwärme von normalerweise 1.85 Meter auf ungefähr einen Meter geschrumpft gedrungen an meinen Waden lag – der Hund hat die Gunst der Stunde genutzt und ist aufs Bett gesprungen. ER muss drüben gelegen und gefroren haben. Peinlich berührt habe ich krampfhaft versucht, wieder einzuschlafen.
Dann ging die Tür auf und er kam wieder zurück. Grinsen. Alles wieder gut.
Manchmal eckt man ja auch in den besten Beziehungen hier und da mal an – und nutzt das partnerschaftliche Gegenüber als Ventil für aufgestaute Aggressionen oder emotionale Wutausbrüche. Die Liebste und ich sind beide ganz gut in der Lage, in solchen Momenten höchst pubertär auf voll-stur zu stellen und uns – wenn wir denn mal zanken – gegenseitig höchst gezielt und mit kleinen, feinen Seitenhieben so hochzuschaukeln, so dass selbst unser kleiner Vierbeiner sich mit gesenktem Haupt in irgendeine dunkle Ecke zurückzieht und wartet, bis das Gewitter vorüberzieht. Gottseidank läuft so ein Streit bei uns ja so ab, dass wir entweder noch während des Disputs beide sehr bald anfangen müssen zu Grinsen, um uns dann mit großen Kulleraugen in die offenen Arme zu fallen, oder dass wir nach spätestens 5 Minuten feststellen, wie unsinnig diese doofe Auseinandersetzung war, mit der wir unsere gemeinsame Zeit so dumm verschwendet haben.
Eine der beliebtesten zu wählenden Waffen in diesem Duell ist die „Ich nehme meine Decke und gehe jetzt rüber auf’s Sofa!!“ – Taktik. Der Vorteil: keiner von uns mag es, ohne den anderen zu schlafen, so dass diese Strategie den jeweils anderen letztendlich zum Aufgeben zwingen wird, denn so weit wollen wir dann ja doch nicht gehen… NORMALERWEISE. Doof ist, wenn diese Taktik dann ausnahmsweise mal so gar nicht funktioniert, und Du eine halbe Ewigkeit einfach nur daliegst und relativ vergeblich auf die tappsenden Geräusche nackter Füße auf den Fliesen wartest, die Dich jetzt ja eigentlich abholen sollen. Tun sie aber nicht – der weibliche Gegner hat doch tatsächlich zum ersten Mal eine unsichtbare Grenze überschritten, die bisher nicht überschritten werden durfte – und mich, den Verlierer in diesem kleinen Zweikampf damit herzlos auf der langen Strecke gelassen.
Es gibt ja Menschen da draußen, die sind davon überzeugt, dass die Welt friedlicher wäre, würde sie allein von Frauen regiert. ICH hingegen gehöre seit heute zu jenen, die vom Gegenteil überzeugt sind: würden Frauen alleine die Welt regieren, hätten wir wohl eher unter kleinen, fiesen Seitenhieb-Kriegen mit brutalster, emotionaler Waffenwahl zu leiden, die uns Männer nicht die geringste Möglichkeit der Gegenwehr erlauben, weil sie uns mit Hilfe von psychologischer Kriegsführung an den Rand der Niederlage zu drängen versuchen.
Ich bin dann übrigens heute morgen zu Ihr ins Bett gekrochen.
Wir haben uns wieder lieb.
Eine Hochzeit ist mit Planung verbunden. Und mit Entscheidungen, Emotionen, Diskussionen und noch mehr Entscheidungen. Selbst ein Projektmanagerpärchen wird hierbei an seine Grenzen gebracht, da eine Hochzeit nicht einfach nur ein Projekt, sondern DAS Projekt schlechthin ist. Für die Braut ist es sicherlich noch viel anstrengender, da sie (wie der Bräutigam grundsätzlich natürlich auch) ganz sicher davon ausgeht, dass das nur einmal im Leben passieren wird und (und da hätten wir den Unterschied) ganz sicher sein will, dass dieses einmalige Event bis ans Lebensende unvergessen bleibt.
Gut, man muss nicht hysterisch werden, vor allem nicht 6 Monate vorher. Dennoch erschien mir die Idee, den schönsten Tag unseres Lebens ausschließlich auf QUICKSNAPS (analog und ohne Hinterher-aufs-Display-guck-lösch-und-nochmal-auslös-Möglichkeit), die AM TISCH (also ausschließlich während der Party verfügbar) für ALLE GÄSTE (egal wie lustlos, betrunken und damit unfähig, ein Knöpfchen auf einer mit Pappe ummantelten Plastikdose zu finden) rumliegen, als doch sehr pragmatisch und weniger dazu geeignet, anschließend die Best Shots in DIN A0-Größe an die elterliche Wohnzimmerwand zu tapezieren. Ich finde auch nicht, dass unsere Gäste, die den Tag mit uns genießen sollen, einen Jobauftrag für eben diesen Tag bekommen müssen. Hinzu kommt auch noch der kleine Einwand, dass wir uns diese Fotos im besten Fall die nächsten 50 Jahre ansehen und dabei nach Möglichkeit nicht immer denken sollten: Ach mann, hätten wir damals mal die paar Kröten mehr ausgegeben, glaubt uns doch kein Mensch, was damals abgegangen ist. Oder sie eben gar nicht ansehen.
Aber das hätten wir jetzt erledigt. Der Mann ist der Kopf im Haus, die Frau der Hals, der den Kopf dreht. Nach einigen Diskussionen habe ich ihn davon überzeugt, dass es sinnvollere Sachen gibt, als Liveshow-Einlagen mit einer Gedächtnishaltbarkeit von maximal 6 Monaten – insbesondere, wenn man für das Geld das fehlende Budget für den Fotografen aufbringt. Und das habe ich so subtil hingekriegt, dass er den Vorschlag von ganz alleine gebracht hat. Ich hätte jetzt übrigens gerne eine andere Location. Mal sehen, wie ich das hinkriege.
Apropos Hochzeit. Wo wir schonmal beim Thema sind, meine ich. So eine Planung dieses besonderen und ja auch irgendwie recht einmaligen Tages ist ja nun auch nicht von schlechten Eltern. Ich meine – nicht, dass ich nicht einen zumindest sooo überflüssigen Teil bei dieser ganzen Sache beitrage – aber im Zuge dessen finde ich es ja auch schon super, wenn die klitzekleinen Details dann hier und da auch mal von MIR als Mann entschieden werden. Falsch: ich FÄNDE es super. Denkst Du allerdings, Du könntest hier in irgendeiner Form das beeinflussen, was die kleine Prinzessin bereits seit ihrem Fötal-Zustand unabänderlich in ihren Genen mit sich trägt – nämlich den exakten Ablauf dieses einen, IHREN Tages – dann hast Du Dich geschnitten.
Letztendlich läuft das so: sie hat es so unglaublich gut drauf, Dir ihre eigenen Wünsche so in Dein Unterbewusstsein einzupflanzen, dass Du sie am Ende sowieso für Deine eigenen hältst. Stolz und frohen Mutes erzählst Du Deinen besten Freunden und Verwandten, dass Ihr Euch für diesen und jenen Programmpunkt in dieser und jener Form entschieden habt, ohne dass Dir an irgendeiner Stelle auffällt, dass das eigentlich genau das ist, was SIE sich am Anfang bereits zurechtgelegt hat, während Deine Ur-Planung von dem Ganzen doch recht schnell irgendwo im Nirvana verschwindet. Selbstverständlich erscheint es so, als wären Zeremonie, Party, Umgebung und Wahl der Musik auf Deinen Mist gewachsen – allerdings handelt es sich dabei lediglich noch um die Überschrift auf Deinem Word-Dokument mit dem Titel „Projekt: Hochzeit“.
Kleines Beispiel? Gut. Als Mann bist Du natürlich der Meinung, dass es völlig ausreichend ist, alle Tische mit Einweg-Kameras zu versorgen und das Ganze dann am Ende zu einem lustigen Fotoalbum zusammenzukleben, während Dir die Liebste offenbart, dass der Typ mit der ultramodernen Hochleistungskamera (der ja eine ganze Reportage davon machen muss, wie sie in ihr Kleid hüpft) einen halben Monatslohn kosten wird. Du schluckst 3 Mal, versucht halbherzig Gegenargumente zu liefern, kannst aber im entschiedenen Gesicht Deines weiblichen Gegenübers neben dem gedanklichen Aufstampfen des Fußes deutlich lesen: „ICH WILL ABER!!!“ Okay. Machen wir. Kein Ding.
Ganz wichtig: SIE ist die Prinzessin und DU der charmante Gentleman – und das heißt frei übersetzt: „Tu gefälligst, was ich Dir sage!“ Schreibt Euch das hinter die Ohren.
Ausgangssituation: ich habe noch nie in meinem Leben eine Tanzschule von innen gesehen. Als meine Freundinnen damit beschäftigt waren, vom Anfängerkurs direkt in die Goldstar-Kategorie hochzustolpern und von da aus innerhalb kürzester Zeit in mit Federn verzierten Roben, bis zur Unkenntlichkeit geschminkten Gesichtern und in Pailletten-Ganzkörperkondomen gestopfte Tanzpartnern alle möglichen Turniere zu besuchen, habe ich mich dem anderen Extrem der Mädchenhobbies gewidmet: meinen Pferden. Heißt also, ich kann überhaupt nicht tanzen. Er schon. Um bei unserer Hochzeit gemeinsam nicht allzu dämlich auszusehen und weil wir sowieso abends nicht allzu viele Möglichkeiten haben, uns außerhäuslich zu bespaßen, haben wir uns überlegt, eine Tanzschule zu besuchen. Keinen Hochzeitscrashkurs á la 6 Tänze in 3 Stunden, nein – das komplette Programm, ein achtwöchiger Anfängerkurs.
Nun ist das Problem, dass er neben der gesamten Tanzkursgeschichte eines 14jährigen Gymnasiasten auch noch eine ca. 5jährige Laufbahn als Salsa tanzender Student hinter sich hat. Inklusive entsprechender dreiwöchiger Fortbildung auf Kuba. Natürlich. Sprich er kann es also richtig und nicht nur ein bisschen. Dass er sich allerdings in diesen Jahren offenbar zu einem Tanzschulstreber entwickelt würde, konnte ja niemand vorhersehen.
Ja, ich bin vielleicht noch etwas staksig unterwegs und kann keinen deplatzierten Latino-Hüftschwung in einen Standard-Tanz einbauen. Und ja, ich habe immer schon ein klitzekleines Problem mit rechts und links. Dafür klappt es aber recht gut. Wenn aber Monsieur “Oh, das ist glaube ich jetzt ChaChaCha” sich mal wieder auf den Fuß getreten fühlt, liegt diese Tatsache ja schon aus Prinzip meiner Unfähigkeit zugrunde. Da wird hämisch gegrinst, wenn ich nur den Ansatz einer falschen Richtung mache, gönnerhaft der Kopf schief lächelnd zur Seite gelegt, damit ich in die entsprechende Richtung mitgehe, wenn ich irgendwann mal aus dem Takt gerate, weil der Herr es nicht für nötig hält, die gerade einstudierte Kür zu tanzen, sondern lieber eine Eigenkreation frei aus dem Knie heraus aufs Parkett zu legen.
Besonders schön ist es aber, wenn mein Fred Astaire gewordener Traummann sich vertanzt (wobei das gerne mit eben dieser Eigenkreation-statt-Kür als Nicht-Fehler kategorisiert wird), ich ihn darauf aufmerksam mache, indem ich ihm relativ unsanft mit meinen Hacken auf die Zehen trete und dann nicht nur mit den Augen gerollt, sondern auch besonders vorwurfsvoll und resignierend erst ein- und dann ausgeatmet wird. Auch ein Highlight: eigentlich läuft alles gut, wir tanzen perfekt und fehlerfrei im Takt und irgendein Zusammenspiel seiner Nerven sagt seinem Gehirn, er soll auf der Stelle zu mir sagen: “Du bist ausm Takt”. Stimmt, in dem Moment bin ich es dann auch.
Im Großen und Ganzen klappt es aber sehr gut, wir schreien und zicken uns nicht an und meinen das auch alles nur halb so ernst. Bis zum Fortgeschrittenenkurs. Dann kann er aber mal doof gucken, beim Wiener Walzer mit seinem Salsa-Hüftschwung.
Da ja nun aus den „Szenen einer Nicht-Ehe“ in nicht allzu ferner Zukunft dann die „Szenen einer Ehe“ werden, haben die Liebste und ich uns entschlossen, eine örtliche Tanzschule auszusuchen. Gesagt, getan – und schon sind wir eins von etwa 10 Paaren, die sich allwöchentlich abends auf dem Parkett tummeln und relativ behände den Disco-Fox darbieten, den langsamen Walzer schwofen oder einen flotten Jive rocken. Klar, für meine Wenigkeit ist das gar kein Ding, jahrelange und hochprofessionelle Tanzstunden haben mich zu einer Mischung aus Saturday-Night-Fever Hauptprotagonisten und Dirty-Dancing Hüftschwinger geformt, während etliche Salsa-Kurse als i-Tüpfelchen noch eine gute Ladung Latino-Feuer in meine heißen Tanzeinlagen schicken.
Die Liebste war da dann ja doch etwas nervöser – wusste man doch nicht, ob man bei dem ganzen Spaß auch wirklich zusammen passen würde, denn beim Tanzen passt ja nunmal nicht jede zu jedem. Das Ganze hat sich dann doch recht schnell herausgestellt: wir können wunderbar miteinander. Klar, als Anfängerin ist der ein oder andere Tritt gegen das Schienbein immer noch irgendwie zu verSCHMERZen, und als kleines Mädchen hat man sich ja schließlich auch auf Papas Füße gestellt und sich einfach von ihm durch die Gegend tragen lassen. Insbesondere Letzteres funktioniert etwa 25 Jahre später allerdings nicht mehr ganz so einfach, so dass ich hier und da dann doch mal eine kleine Korrektur meinerseits einfließen lassen muss. Ist ja nicht weiter schlimm.
Ein ganz bisschen unverschämt mag es zwar rüberkommen, wenn ob meiner Info, man sei ja nun nicht mehr ganz sooo genau im Takt dann doch als Gegenargument darauf verwiesen wird, ICH habe ja den falschen Fuß zuerst benutzt. ICH! Naja. Heute intensivieren wir dann mal unsere Tango-Künste – und gucken, an welcher Stelle ich nun wieder patze… ICH.



