Archive for March, 2009
Als männlicher Single bestimmst DU über Dein Leben. Du entscheidest, wann Du am Wochenende aufstehst, wie lange Du abends am Rechner rumhängst, ob Du nun zum dritten Mal nacheinander bei McDonalds zu Abend speist oder ob der Klodeckel oben steht. Du bist Chef. Du lässt Deine Socken 21 Tage am Stück ungewaschen auf dem Sofa rumliegen (Deine Jungs verstehen das) und Du könntest nebenbei im Zirkus jobben, weil Du es schaffst, 12 Teller und 13 Gläser abwechselnd aufeinander zu stapeln.
Irgendwann ändert sich das. Irgendwann hast auch Du eine Frau gefunden, bei der all Deine Sprüche gezogen haben, der Du genau DIE Komplimente gemacht hast, die ausnahmslos Volltreffer waren und die Dich dafür liebt, dass sie Dir abends was Leckeres zum Essen kochen darf, während sie total auf Deine eher schlechten Witze steht.
Denkst Du. In Wirklichkeit redest Du Dir all das nämlich nur ein. In Wirklichkeit hat sie Dich längst umgedreht, hat Dich zu jemanden gemacht, der freiwillig den Müll runterbringt (ohne zu nörgeln) der selbst besoffen im Sitzen pinkelt, der GERNE das Geschirr spült und der seiner Heldin natürlich ohne zu Murren jederzeit abends die schmerzenden Füße massiert. Sie dringt in Dein Gehirn ein (wahrscheinlich im Schlaf), schneidet Dir mit einem extrem kleinen Skalpell das gute Stück mit der Aufschrift “eigener Wille!” aus dem Schädel und lässt es für immer und ewig verschwinden.
“Du brauchst keinen eigenen Willen mehr – Du hast jetzt mich.” (Das ist übrigens O-Ton.) Soso.
Genau DAS hat sie dann wohl auch gedacht, als sie sich ihr Brautkleid bestellt – und zwar direkt mit dem Ziel, mich ohne mein Wissen in die dunklen Tiefen einer D-I-Ä-T zu ziehen. Dergleichen Unsinn habe ich natürlich selber auch schon hinter mich gebracht, sogar aus eigenem Willen. Aber genau hier liegt der Hund begraben: dieses Mal war ich nicht eingeweiht. Seit gestern bekomme ich irgendwelche Säfte vorgesetzt, die aussehen als habe man sie bereits mehrmals durchgekaut und erfolgreich verdaut. Ich TRINKE mein Frühstück. Ich SCHLÜRFE mein Abendessen.
VERDAMMTE SCHEISSE – ICH HAB HUNGER!!!!!!
Ich irre wie ein Zombie durch die Wohnung, ziehe zahllose Male die Kühlschranktür auf, entdecke wieder nur Obst und irgendwelche Säfte, ich NASCHE eine TOMATE (!!!) und irre wieder zurück auf’s Sofa. Ich durchwühle die Süßigkeiten-Schublade und entdecke – nichts. Ich schaue lieber nochmal in der Küche nach. Oder in der Brotbox? Oder vielleicht doch im Kühlschrank?? Ich könnte ja nochmal im Kühlschrank gucken. Sollte ich bei dieser Diät tatsächlich abnehmen, dann kommt das wahrscheinlich von 437 gelaufenen Kilometern zum und vom bereits erwähnten – Kühlschrank. Ich sehe Farben, Fratzen, Grimassen. Ich höre Stimmen und lebe Tagträume. Ich spüre Schwindel und Zuckungen… ich… Supermarkt. Gehen Turm Auto und schwimmen Berg. Oma? Nein, morgen… ha u . %$7 0 jwd jif´?? n.
Wenn man Single ist, hat man es nicht so mit der Nahrungsaufnahme. Man isst, wenn überhaupt, irgendwas schnelles und davon meistens recht wenig. Als Frau zumindest. Sobald man in einer Beziehung steckt, hört das auf, frau muss abends Futter für den Liebsten kochen, besonders aktiv ist man auch nicht mehr, ist ja viel schöner, entspannt und verliebt auf der Couch rumzukuscheln. Kurzum: eine Beziehung ist ein Wohlfühlgewichtskiller.
Zu der Tatsache, dass es kein Wohlgefühl gibt, wenn man nicht im selbst ausgedachten kilotechnischen Bereich dessen liegt, kommt nun die Tatsache, dass wir in knapp 4 Monaten aussehen müssen wie Barbie und Ken. Also nicht ganz, blond steht mir nicht und geschlechtslos müssen wir beide nicht sein. Den zusätzlichen Ansporn liefern nette Bemerkungen á la: “Na, kleine Pummelfee? Willst du wirklich noch den Kinderriegel essen? Würde ich mir überlegen..” Ich für meinen Teil schweige lieber und fange direkt an, ihn physisch zu terrorisieren: Früchtefasten. Eine Woche lang nur Obst in allen möglichen Variationen, eine Obstsorte als zentraler Mittelpunkt des Tages, gerne auch wahlweise flüssig, als Salat, mit irgendwelchen anderen Zutaten drumherum. Um diese Sorte herum so viel anderes Obst, wie man will. Und Tee, Tee, Wasser, Tee, Tee, Tee, Wasser, Wasser und.. Tee.
Was soll ich sagen – ich könnte kotzen. Wir beide. Nach Tag ZWEI. Ich habe Sodbrennen und schon um 12 Uhr so sehr die Nase voll von diesem biologischen Süßkram, dass ich mir vollkommen schmerzfrei einen knappen Liter Tomatensaft reinkippe, nur um ENDLICH wieder irgendwas herzhaftes zu mir zu nehmen. Der Mango-Lassi sah aus und schmeckte irgendwie wie Erbrochenes, keine Ahnung, was ich da falsch gemacht habe. Das ganze Futter ist kalt. Und dann noch der seelische Stress..
Der Liebste versteht sich plötzlich in psychologischer Kriegsführung (“Du willst jetzt wirklich ne Heidelbeer-Molke machen und zum Sport? Nicht lieber ne Pizza und eine Folge CSI New York auf der Couch?”), ich lasse mich zumindest was den Sport betrifft von wahnsinnig geistreichen Ausreden á la “wir haben zu wenig Energie im Körper, wenn man so eine Diät macht, darf man keinen Sport treiben” von der Notwendigkeit eines erneuten Couchabends überzeugen und könnte zum Mörder werden, wenn ich durch das Treppenhaus laufe und das Abendessen unserer Nachbarn durch die Nase ziehe. Dazu sollte man wissen, dass ich unfassbar schlechte Laune kriege, wenn ich Hunger habe – ich nenne es jetzt gerade mal Drahtseilakt, definitiv ohne Netz und doppelten Boden. Außerdem lungert er dauernd in der Küche rum, angeblich um Cherrytomaten zu essen. Gut, heute, nachdem ich ihn drauf angesprochen habe, war das auch so. Aber ich glaube, dass er heimlich das bisschen Aufschnitt, dass ich nicht weggeschmissen, sondern für den Hund aufbewahrt habe, isst. Jeden Tag eine Scheibe, damit es nicht auffällt. Bestreitet er aber natürlich. Klar.
Zusätzlich zur schlechten Laune gibts kostenlos Sodbrennen oben drauf, natürlich nicht ohne entsprechenden Kommentar zum Tee von Ihm. Wäre ja meine Entscheidung, er liebt mich ja so, wie ich bin, ich wäre ja hübsch so. Schon alleine diese Aussage – das ist mindestens genauso beruhigend wie: “Ich liebe jedes Gramm an dir”!! Allerdings war direkt nach dem ersten Tag ein Kilo (Wasser) runter, das hilft etwas – vor allem, wenn ich dann in die neidisch grüne Hamsterbacke reinkneifen und aufs Weitermachen bestehen kann.
Ich habe einen ekelhaft leichten Schlaf. So leicht, dass unser Hund nur aus seinem Körbchen aufstehen, zwei Schritte über den Laminatboden tapsen und vor der Tür stehen bleiben muss, um mich aus der tiefsten REM-Phase zu reißen und mir von da an absolut geräuschlos klar zu machen, dass er asap raus muss, weil seine Verdauungsprobleme sonst zu einer mittelschweren Katastrophe im heiligen Schlafzimmer führen. So leicht, dass ich seine Verdauungsprobleme schon wahrnehme, bevor sie auch nur ansatzweise die ganze Wachwerde-Mechanik auslösen. Das ist dieser Mutter-Reflex, glaube ich. Und ich ich will gar nicht wissen, was passiert, wenn ich irgendwann mal ein Kind habe – dessen Albträume bemerke ich wahrscheinlich schon, bevor das Kind eingeschlafen ist.
UND ES MACHT MICH ECHT BEKLOPPT!!
Nachdem ich also um 6 Uhr morgens mit der Töle raus bin, damit er sich gleich dreifach (!!) entleeren kann, bin ich wie ein Stück Halbgefrorenes wieder ins Bett gekrochen – zu dem Mann, der mich netterweise im Halbschlaf beim Registrieren meiner Unfallverhütung gefragt hat, ob er übernehmen soll, es aber zu keiner Sekunde seines Gebrabbels auch so gemeint hat. Hund leer und zufrieden, lag zwar noch mit verlautbaren Magengeräuschen im Körbchen, aber war schon wieder kurz vor Koma. Und ER (also Mann) hat offenbar überhaupt nicht mitbekommen, dass ich wieder zurück war, zumindest ließ das dieser Schnarch-Zähneknirsch-Stereoton aus seinem Kopf vermuten. Dass ich nach dem 10 Minuten-Ausflug bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hellwach war, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Irgendwann bin ich aber wieder eingedöst. Und viertel vor Wegsacken in die letzten 40 Minuten Traumwelt fing er wieder an zu schnorcheln, was mich ad hoc aus dem Dämmerzustand geholt hat. Ich hab dann mein Kissen genommen und es anders positioniert, so dass ich einigermaßen bequem mit offenen Augen die Wand anstarren konnte. Dass ich es dabei aber ziemlich mittig auf seinem Gesicht platziert habe, ist mir in der Dunkelheit nicht aufgefallen. Gerade als ich mich wundern (und dafür begeistern) wollte, wieso es plötzlich so ruhig ist, ist er dann ETWAS panisch aufgeschreckt und hat mich lautstark und ich fürchte ziemlich ernstgemeint des versuchten Mordes bezichtigt.
Mein Lieber, du guckst zu viele Krimis und Pathologen-Serien.
Früher, als Kinder, haben wir immer ganz gerne das Spiel „Mord im Dunkeln“ gespielt. Ich muss gestehen, dass mir heute die Regeln nicht mehr so ganz einfallen wollen, aber das ist ja nun auch schon eine kleine feine Weile her – wichtig dürfte nur gewesen sein, dass es a) dunkel war und b) jemand der Mörder war. (Ich lasse jetzt mal außen vor, dass man so schon mit 10 Jahren eine Möglichkeit hatte, befreundeten Mädchen näher zu kommen…).
Offensichtlich hat die Liebste dieses Spiel als Kind auch ganz gerne gespielt, während sie jedoch gleichzeitig die Regeln nicht so ganz verstanden hat:
1. Man spielt dieses Spiel nicht mehr mit 30 Jahren
2. Es handelt sich dabei NICHT um einen echten Mord
3. … auch nicht um einen Mordversuch
4. Man muss danach eigentlich keine Angst mehr vor den Mitspielern haben
So werde ich vorgestern Nacht, tief schlummernd in schönsten Träumen tatsächlich dadurch geweckt, dass plötzlich ein Kopfkissen auf mein Gesicht gelegt wird und ich eine Hand spüre, die dieses zunächst sanft festhält – Gottseidank kann ich als geübter Jäger und ehemaliger Geheimagent im Mickey-Maus-Geheimclub in so einer Situation blitzschnell reagieren um so mein Leben zu retten und den seidenen Faden im letzten Atemzug noch zu sichern…
Angeblich, so sagt die Attentäterin, habe man ja nur Platz im Schlaf schaffen wollen und das eigene Kissen unbeachtet zur Seite gelegt. ZUFÄLLIG auf mein Gesicht. GANZ ZUFÄLLIG. Ich traue dem Braten noch nicht ganz – und habe mir jetzt erstmal beigebracht, mit nur einem geschlossenen Auge zu schlafen: abwechselnd mal mit dem rechten, mal mit dem linken Auge offen. Vielleicht entkomme ich so etwaigen Angriffen auf mein Leben und kann selbiges damit wenigstens ein bisschen verlängern…
Platz schaffen… Auch irgendwie zweideutig, oder??
Eins wurde mir ja schon damals klar, als ich hier einzog: VIEL Platz für die eigene männlich-rustikale Kleidung würde die Liebste mir nicht zur Verfügung stellen. Nach einigen Diskussionen und Betteln meinerseits wurden mir dann tatsächlich doch 3 wahnsinnig große Schubladen in einer (!) von insgesamt drei Kommoden zugeteilt und ihn ihrem ANKLEIDEZIMMER die hintere Ecke freigemacht, damit ich dann doch irgendwo unterkommen konnte.
Was mir auch damals schon in meiner investigativen Recherchearbeit auffiel: durchaus mehr als nur ein glitzerndes Kleidungsstück in Madames Kleiderzimmer trugen noch ein Preisschild. Im Laufe der nachfolgenden Zeit stellte sich dann genauso heraus, dass auch das ein oder andere Paar hoher Schuhe aus dem nicht gerade kleinen Schuhregal noch ungetragen waren – begründet mit (O-Ton!): “Die sind mir zu klein. Die werden mir auch niemals passen. Aber ich MUSS die haben! Wirklich!!”
Klar. Musst Du haben. Sicher. Gut ein Jahr später darf ich nun feststellen, dass die liebe Madame nicht nur völlig unwillens ist, diese Kleidungsstücke jemals zu tragen, nein – sie fühlt sich eben einfach nur toll, wenn sie das ganze Zeugs zu ihrem weiblichen Besitz zählen darf. Das allgegenwärtige Totschlagargument “Aber die hatte ich schon total oft an, BEVOR wir uns kannten!” oder aber auch “Das trage ich auf jeden Fall noch, wir hatten doch grad Winter!” lasse ich aber mal so gar nicht gelten. Klar haben wir Winter – aber davor gab’s auch schon mal mehr als nur einen Sommer? Oder täusche ich mich da? Und übrigens: zwei ihrer Schubladen sind schon zweimal geplatzt, weil sie zu voll sind.
Das Schicksal war dann wohl auf meiner Seite, als ich eines schönen Tages durch Zufall mitbekommen durfte, dass schon kleine Mengen dieser überflüssigen Schätze ziemlich große Mengen Bares einbringen können, wenn man sie geschickt bei Ebay vertickt. Also mal im Ernst: wir sparen an jedem Ende für unsere Hochzeit und hüten gleichzeitig irgendwelchen Krempel von Prinzessin Diana von Sonstwo in unseren 4 Wänden, die uns nahezu reich machen? Nee. Das geht in einen Männerkopp einfach nicht rein. WAS aber reingeht, dass sind die Dollar- bzw. Euro-Zeichen in meinen Pupillen.
Gesagt, getan. Ich schnappe mir die kreischende Liebste, dazu 3 große IKEA-Tragetaschen und verbringe etwa 4 Stunden damit, das bettelnde, zeternde und flehende Etwas, welches sich an mein Fußgelenk klammert, durch die Wohnung zu schleiffen und schalte jegliches Mitleid aus, als ich bepreisschilderte Kleider, ungetragene Jacken, Mäntel, nagelneue Schuhe, Stiefel und Handtaschen unter lautem Geheule und Buh-Rufen aus ihren Verstecken zerre. “DAS soll ich abgeben??? Das kannst Du doch nicht machen!!!” – Doch. Kann ich. Mache ich auch.
“DIE Hose kannst Du nicht weggeben, die ist so cool! Das war meine Lieblingshose!!!” – Na sicher. Als Du 17 warst vielleicht, aber ich verspreche Dir, dass Du da vor Deinem 78sten Lebensjahr nicht mehr reinpasst. Erst dann bist Du nämlich wieder da reingeschrumpft, Du kannst sie Dir dann ja nochmal kaufen.
Aus die Maus, Nikolaus.
PS: so viele positive Bewertungen haben wir bei Ebay in so kurzer Zeit noch nie bekommen – und schon 2 Arztrechnungen von den Einkünften bezahlt. Geht doch, Frau!
OkOk, ich geb´s ja zu: ich hab zu viele Klamotten. Ich habe auch zu viele Klamotten, die ich vielleicht gar nicht haben sollte, weil ich sie direkt nach dem Kauf oder nach dem ersten Tragen in den Schrank gehängt und vergessen habe. Aber ich tu ja auch was dagegen. Ab und zu gehe ich hin und sortiere äußerst radikal (wie ich finde) aus, fotografiere wie verrückt und stelle den ganzen Krempel bei ebay ein. Sorgt dafür, dass ich die Bügel auf der Stange wieder etwas besser hin- und herbewegen und die Schubladen einfacher auf- und zumachen kann und die Staubfänger in grüne Zahlen auf meinem Konto verwandle.
Beim letzten Mal habe ich meine Sachen mit seinem ebay-Account eingestellt, was unweigerlich dazu geführt hat, dass er dank der vielen Fragen permanent an die Auktionen erinnert wurde und ihn dazu bewegt hat, ständig nach dem aktuellen Stand zu schauen. Das wäre an sich ja nicht weiter tragisch, schlimm wird es erst, wenn er gegen Auktionsende nachfragt, warum ich eigentlich so nervös bin und ich dummerweise auch noch sage, dass das am Gesamtergebnis des digitalen Garagenverkaufs liegt. So kam es, dass er nach Auktionsende gesehen hat, dass man mit ein “paar Klamotten” immerhin ein paar Hundert Euro machen kann. Während er ungläubig auf das Display starrte, konnte ich die Kurzschlüsse in seinem Gehirn förmlich sehen – wie sie dafür sorgten, dass er plötzlich lauter Halluzinationen hat und Urlaub, Autoradio, Fernseher oder Möbel sieht. Und natürlich die Befehle, die eben dieses Gehirn aufgrund eben dieser Kurzschlüsse an seinen ganzen Körper weitergibt und ihn dazu zwingt, auf der Stelle mit meinem rechten Handgelenk in seiner linken Hand ins Ankleidezimmer zu rennen.
“So und jetzt räume ICH hier mal aus!”
*kreisch* Fassungslos stehe ich vor der Wand, an der meine Heiligtümer hängen und beobachte, wie er jeden einzelnen Bügel zur Seite schiebt, das daran hängende Teil einmal von vorne und einmal von hinten anguckt und höre, wie er “DAS hast du doch noch NIIIIEEE angezogen” sagt. Ich weiß, dass jegliches Gegenargumentieren keinen Sinn hat, zumal genau das Teil, was er mir in diesem Moment entgegen hält, noch ein Preisschild trägt. Besonders schön ist auch ein Dialog wie:
“Was ist das denn?”
“Das ist mein Diane von Furstenberg-Kleid..”
“Ok, das muss weg..”
“Aber wieso, das ist mein superschönes Diane von Fur..”
“Und wenn es ein Geschenk vom Dalai Lama höchstpersönlich ist, ich hab dich noch nie darin gesehen, brauchst du nicht mehr.”
Schluck. Ok, von wem das Kleid ist, mag für ihn vielleicht egal sein, dass er mich im Winter damit nicht hat rumrennen sehen, ist für mich jedoch bei der Auswahl der auszusortierenden Teile RE-LA-TIV unerheblich. Das tut ja aber nichts zur Sache: es sieht aus, als ob es dafür einen Betrag im Größerhundert-Bereich geben könnte, außerdem gefällt es ihm farblich nicht und deswegen kommt dann einfach die letzte, wirklich unterirdischste aller Überredungs-”Künste”:
“Da passt du eh nicht mehr rein.”
Wenn frau dann mit den Tränen kämpft, versteht er den Ernst der Lage auch endlich und fängt an zu trösten. Ich weiß, dass er mich nicht zu dick findet und die Bemühungen, den von mir von jetzt an absichtlich platzierten Vorwurf wieder wegzureden, sind wirklich lobenswert. Aber was als Beruhigung wirklich ungemein wenig hilft, ist: “Guck mal, wenn wir das alles einstellen und im Verhältnis so viel verdienen wie beim letzten Mal, können wir davon in die Flitterwochen fahren!”. Ja. WIR. Wir fahren in die Flitterwochen, weil ICH meine Kleider, Handtaschen und Schuhe verkaufe.
Er ist dann noch ungefähr 40 Minuten durch meine Sachen getobt wie mein Vater, wenn er mir früher anhand meines übervollen Kinderzimmers demonstrieren wollte, dass die Hälfte davon weggeschmissen werden kann, ich habe ungefähr 30 Minuten kreischend, jammernd und auf dem Boden aufstampfend daneben gestanden. Man könnte durchaus sagen, mir war schlecht, als er anschließend drei volle Ikea-Säcke (diese großen blauen) hinter sich her ins Wohnzimmer zog und zumindest anfing, einen Teil davon abzufotografieren – einstellen muss ich ja selber, er “weiß ja nicht, was das alles überhaupt ist und kann ja nicht so schön Klamotten beschreiben”.
Nichtsdestotrotz bin ich ganz froh darüber, so eine ehrliche Entrümpelung hätte ich niemals gemacht. “Jaja, ich weiß, dass ich das seit zwei Jahren nicht mehr getragen habe, aber DIESES Jahr auf jeden Fall!” (Zwiegespräch mit mir selbst beim alleinigen Aussortieren) Und irgendwie war es ja auch lustig. Ich muss den ganzen Rotz jetzt nur auch endlich mal einstellen. Und dann gehe ich mir neue Klamotten kaufen. Von dem Geld.





