Archive for June, 2009
Single-Männer sind ja in der Lage, erstaunliches zu leisten, um ihr Überleben zu garantieren. Sie können sich ihr Essen selber kaufen und/oder kochen (oder sogar ihre Dates bekochen); sind in der Lage, ihre überdimensionierten Pizzaschachtel- und Bierdosensammelpunkte innerhalb kürzester Zeit in den Ursprungszustand (eine Wohnung) zurück zu verwandeln, wenn Besuch droht; schaffen es, sich nicht zu erkälten oder ihre Gesundheit generell nicht in Gefahr zu bringen, weil man a) durch den Ausfall was verpassen könnte und b) niemand da sein könnte, der tröstend und taschentuchreichend zur Seite steht, wenn es sie dann doch erwischt hat. Sobald sich das Männchen aber in eine feste Beziehung stürzt, scheint es, wie von Zauberhand oder vielleicht auch durch eine von der Frau unbewusst ausgelöste Gehirnschwäsche, diesen selbständigen Teil seines Gehirns komplett auf Null zu setzen und schafft es gerade noch, den Joghurtbecher nach dem Verzehr des Inhalts halbwegs unfallfrei (ein herunterfallender Löffel ist immer ein Restrisiko) auf dem Tisch abzustellen und ihn dann so lange dort zu vergessen ignorieren, bis das Weibchen ihn wegräumt.
Single-Frauen sind ähnlich. Schaffen sie es noch während dieser Allein-Phasen, elementare Technik-Dinge wie Fernseher oder Anlage anschließen ohne Papas Hilfe alleine zu bewerkstelligen, sind sie in einer Beziehung kaum noch in der Lage, einen Nagel selbständig in die Wand zu schlagen um ein Bild aufzuhängen. Über Loch bohren will ich jetzt gar nicht erst sprechen. Diese Sachverhalte treffen sicherlich nicht auf alle Exemplare zu und beziehen sich auch ganz sicher nicht auf alle angesprochenen Situationen, aber so im Großen und Ganzen kann man schon sagen, dass in einer Beziehung der Mann ein Mann ist und die Frau eine Frau und dass beide sich an ihre Aufgaben und Rollen schneller gewöhnen, als ihnen in jeglicher Hinsicht lieb ist.
Bei uns sehen die Situationen folgendermaßen aus: Der Liebste hat auf einem Auge eine etwas stärker ausgeprägte Sehschwäche, hinzu kommt eine leicht krumme Haltung mit dem Kopf etwa 20 cm vorm Bildschirm. Wenn ich ihn dann so 1-3 Stunden in dieser Fragezeichenstellung beobachte, komme ich irgendwann nicht mehr drumherum, ihm mitzuteilen, dass er sich vielleicht gerade und etwas weiter weg setzen und on Top auch noch seine Brille aufsetzen sollte, dann würden seine Kopfschmerzen, die er fast täglich hat, auch verschwinden. Was ich dann höre, ist in der Regel, dass ich aufhören soll, mich wie seine Mutter aufzuführen.
Oder Gassigang mit Hund bei 10 Grad mit FlipFlops und T-Shirt: In weiser Voraussicht einer androhenden Erkältung mit Dauerjammerton in meinen Ohren und Perma-Sklavendasein meinerseits frage ich ihn, ob das nicht ETWAS zu luftig ist und ob er sich auch vorstellen könnte, eine Jacke anzuziehen. Natürlich könne er das, höre ich dann, aber ich soll mich mal ein bisschen zurücknehmen, ich höre mich ja an wie seine Mutter. Er sei alt genug und wisse ganz genau, wie viel Kälte er vertrage und überhaupt ziehe er jetzt keine Jacke an, basta.
Nachdem ich einmal voller Entsetzen ein im Grundton weißes, allerdings rot-schwarz-blau überfärbtes Lieblings-Shirt aus der frisch gewaschenenen FARB-Wäsche gezogen habe, habe ich ihm verboten, unsere Waschmaschine zu bedienen. Soweit so gut – das führte allerdings dazu, dass ich ihm nun, ein halbes Jahr später erstmal die komplette Bedienungsanleitung vorgebetet habe, mit Anspruch, Tempo und Lautstärke einer Grundschullehrerin für geistig Behinderte. Unnötig zu erwähnen, dass das zu einem vollkommen entsetzten Gesichtsausdruck führte, der mir nicht nur verraten hat, dass er gerade kurzzeitig darüber nachgedacht hat, unsere Hochzeit zu canceln, sondern auch, dass ich meine Frauenrolle zumindest in der Glucken-Hinsicht doch ein Stückweit zu viel verkörpere und ihm in mancherlei Hinsicht mittlerweile gar nichts mehr zutraue.
Nebenbei bemerkt zählt auch das Aufbauen von IKEA-Möbeln dazu, nachdem er einmal, ohne die Aufbauanleitung eines Blickes zu würdigen, einen Schrank noch vor dem endgültigen Aufrichten in einen Haufen Sperrmüll verwandelt hat. Dass er seitdem diverse andere Sachen ohne Kollateralschäden aufgebaut hat, fließt jedoch interessanterweise kaum in die Bewertung mit ein. Für mich heißt ein Paket von IKEA: geh in die Abstellkammer, hol dir das erforderliche Werkzeug aus deinem Fundus und leg los. Die innere Anweisung geht an mich selbst, ist ja klar.
Warum werden Frauen zu Müttern, wenn sie in einer Beziehung leben? Ich kann das für mich eigentlich nur damit beantworten: Weil Männer zu Söhnen werden, sobald sie wieder 24/7 eine Frau um sich herum haben.
Manchmal frage ich mich, wann genau in einer bisher doch eigentlich gut funktionierenden Beziehung der ominöse Punkt einsetzt, an dem die gute Frau an Deiner Seite der Meinung ist, sie müsse nun die Rolle der Mutter für den Liebsten einnehmen. Nicht dass ich es jetzt soooo tragisch finde, wenn Madamchen abends ihren kleinen Popo an den Herd schmeißt und mich lecker bekocht, wenn sie der Meinung ist, nur SIE könne das Bad ordentlich sauber machen oder nur SIE wisse genau, welche Wäsche man wie am besten waschen würde. In solchen Situationen, in denen ich meist völlig erschöpft und von drohenden Schwächeanfällen ermüdet auf dem Sofa liege (schließlich kann ich nur so garantieren, dass ich für die nächste Tanzstunde fit bin), bin ich völlig von der grenzenlosen Liebe der Frau an meiner Seite zu mir überzeugt.
Ein klitzekleines bisschen anders gestaltet sich derlei weibliche Fürsorge dann allerdings, wenn wir in die wundersamen Tiefen des alltäglichen Miteinanders eindringen – so scheint Schatzi es neuerdings also als die ihr per Schicksal zugewiesene und ureigene Aufgabe zu sehen, mir auf mütterliche, manchmal besserwisserische Art und Weise neue Verhaltensmuster beizubringen…
Fall Nummer 1: Wir gehen mit dem Hund raus
Sie: “Hase?”
Ich: “Hm?”
Sie: “Zieh Dir was wärmeres an, das ist zu kalt.”
Ich: “Das ist mir aber nicht zu kalt so?”
Sie: “DOCH, DAS IST DIR ZU KALT.”
Klaaaar. Ist mir zu kalt. Ja Mama!! Während ich zu Beginn dieser eigentümlichen Anwandlungen meiner neuen Adoptivmutter noch relativen Widerstand leisten konnte, breitet sich das Verhaltensmuster allerdings kontinuierlich weiter aus und zieht sich wie ein kleines Spinnennetz über meinen Alltag…
Fall Nummer 2: Wir schauen DVD
Sie: “Schatz?”
Ich: “Hm?”
Sie: “Du sitzt zu nah vor dem Bildschirm.”
Ich: “Ich kann so aber besser sehen.”
Sie: “Das ist ungesund. Rutsch bitte zurück!”
Ich: “So ist es aber doch gemütlicher!”
Sie: “NEIN, IST ES NICHT!”
Ooooookaaaayyyy… Bloß nicht überreagieren, denke ich mir. Einfach machen. So hast Du es ja schließlich die ersten 18 Jahre Deines Lebens auch irgendwie hinbekommen, auch wenn es damals irgendwie und eigentlich andere Voraussetzungen für mein doch eher unterwürfiges Verhalten gab, aber das ist jetzt egal und zählt nicht: Dein Gegenüber vermittelt Dir auf extrem erschreckende Art und Weise ein Gefühl im Unterbewußtsein, welches Dich tatsächlich wie bei einem Zirkushund sämtliche Befehle ausführen lässt. “Konditionierung” nennt sich das, was Deine eigene Mutter Dir also nahezu 2 Jahrzehnte in das lymbische System eingeflochten hat und wovon von nun an bis in alle Ewigkeit Deine eigene Frau profitieren soll.
Irgendwie leuchtet mir das ja ein: die Frauen helfen sich untereinander in einem geheimen Netzwerk, in dem sie ihre männlichen Nachfahren jahrelang – ohne es natürlich selber zu merken – für den Ernstfall und die Erhaltung der eigenen Sippschaft im totalen Gehorsam gegenüber der weiblichen Art trainieren. Danke, Mama. Und jetzt haben wir den Salat: wenn Frauchen mich dazu auffordert, dann laufe ich brav bei Fuß und lasse mir in stundenlangen Vorträgen detailliert erklären, wie denn nun wann genau die Blumen auf dem Balkon gegossen werden müssen. Ja, Mama. Ich habe verstanden, Mama.
Fall Nummer 3: Ich möchte schlafen gehen
Sie: “Schatz?”
Ich: “Hm?”
Sie: “Räumst Du bitte noch Deine Shirts weg und hängst die Hose auf?”
Ich: “Das will ich aber morgen machen!”
Sie: “NEIN, DAS MACHST DU JETZT.”
Ich: “Tu nicht so, als seist Du meine Mutter!”
Sie: (guckt böse)
Ich: (räume meine Sachen weg…)
Sind wir also angekommen: ich bin der Kopf der Beziehung, sie ist der Hals, der den Kopf dreht, wohin sie möchte. Aber eins schwöre ich: bekomme ich irgendwann mal männlichen Nachwuchs, ich werde ihn mit ARGUSAUGEN bewachen vor der weiblichen Psycho-Manipulation!!
Und zum Schluss…
Fall Nummer 4: die Liebste kommt mit dem Telefon rein
Ich: “Wer war’n das?”
Sie: “Deine Mutter.”
Ich: “Wie, was wollte sie?”
Sie: “Nix. Wir haben nur über Dich gesprochen.”
Ich: “Was habt Ihr über mich gesprochen?”
Sie: “NIX. GEHT DICH NIX AN.”
Noch Fragen???????
Es ist jetzt mittlerweile etwas über einen Monat her, sprich unsere Diät-Challenge hat jetzt Halbzeit. Er hat es tatsächlich geschafft, die Hälfte des angestrebten überflüssigen Fettes, Wasser, Wasauchimmer zu verlieren, mich trennt ein halbes Kilo von der Hälfte.
Zeit um mal kurz auf die Veränderung des männlichen Wesens einzugehen und festzustellen, dass Kerle ja irgendwie auch nur Frauen sind. Durch das wenige Essen verbrauchen wir unglaublich viel weniger Geld im Supermarkt, was allerdings nicht heißt, dass ein Supermarktbesuch schnell und unkompliziert ist. Während mir ungefähre Fett-, Zucker- und Kaloriengehalte jedweder Lebensmittel im Laufe der letzten 10 Jahre dank der Lektüre tonnenweiser Frauenzeitschriften mehr oder weniger ununterbrochen ins Gehirn geprügelt wurden, scheint sich der Liebste zum ersten Mal wirklich damit zu beschäftigen, was natürlich direkte Auswirkungen auf sein Gesamteinkaufsverhalten hat.
War es anfangs noch so, dass er, sein Mantra immer laut vor sich her sprechend, dass man ja alles essen könne, was man wolle, wenn man genug Sport treibe, eigentlich keinen Einkauf ohne ausgedehnten Abstecher in der Süßwarenabteilung hinter sich bringen konnte, sieht es heute so aus, dass im besten Fall stur dran vorbeigelaufen wird. Oder er läuft kurz rein und steht wie ein sechsjähriger vor dem Regal und guckt mit großen Augen die auf Augenhöhe hängenden Gummibärchentüten an, nimmt sie raus, liest sich durch, was er essen könnte, wenn er keine Diät machen würde, legt die Tüte dann bedächtig wieder weg und rennt fluchtartig zur Kasse, vor und an der sich das Schauspiel wiederholt. Kurz davor steht nämlich das gesamte Eissortiment vom Kaufland und die Kasse selbst… Naja, das Prinzip mit der Quengelware funktioniert auch über Ü30-Jungs bestens, sobald sie auf Entzug sind. Bis zum Ende dieses Einkaufsschauspiels werden mehrere 500 Gramm-Schalen Cocktail-Tomaten in den Wagen geworfen, die könne man ja schließlich auch abends vorm Fernseher essen. Und alles, was an Gewürzmischungen unseren Weg kreuzt, wird genauestens studiert, die Nährwerttabelle sagt ja schließlich viel aus.
“Nein, lass uns lieber das nehmen, das hat weniger Fett.” “Hier sind aber weniger Kalorien drin.” “Hast du dir mal angesehen, wieviel Zucker da drin ist? Da macht das mit dem geringen Fettgehalt auch keinen Unterschied.” “DA, guck! ZWANZIG Gramm Zucker auf 100 Gramm, hallo? Das geht ja gaaaar nicht!!”
Nahrungsmittel werden jetzt nicht mehr in Genusskategorien eingeteilt, sondern ganz klar nach Brennwert sortiert. Das gelegentliche Einknicken, wenn die “innere Körpermitte so heiß ist, dass sie nur mit einem Eis gekühlt werden kann” und die an Spitzentagen dreifach verzehrten Sahnejoghurts werden einfach weggeredet. DANN ist es ja so, dass ein Mann ja grundsätzlich einen viel höheren Kalorienverbrauch hat, als eine Frau und außerdem gehe man ja morgen wieder joggen und da könne man auch sowieso in Zukunft keine Rücksicht mehr auf meine Arbeitszeit nehmen, Wette sei Wette und da kenne man auch keine Freunde. Und davon abgesehen ist Eis ja auch nichts schlimmes, Eis ist gefrorenes Getränk und wenn es unten im Magen ankommt, ist es auch nur so, als ob man Wasser getrunken hätte. Jepp. Gibt es auch Milchjungenrechnungen?
Als ob das nicht schon anstrengend genug wäre, wird mir mindestens einmal am Tag der neu errungene Platz zwischen Bauch und Hosenbund-Innenseite präsentiert, natürlich nicht, ohne gleichzeitig wortlos meine Bestätigung dieser Entdeckung einzufordern. Und selbstverständlich nicht, ohne Zuhilfenahme von verbalen Spitzen und Androhungen von etwaigen Wettschulden-Rückzahlevents mein sportliches Versagen zu belächeln. Nun gut. Dass der erste Teil immer schnell geht und es dann stagnieren könnte, wird er sicherlich auch bald lesen, wenn er sich wieder eines meiner Frauenmagazine auf dem Klo durchliest. Nachdem er den ganzen Tag nichts gegessen hat und abends Mordgelüste gegenüber allen essbaren Lebewesen bekommt. Ich habe zwar noch nicht fünfzig Prozent erreicht (und das, was ich erreicht habe, habe ich auch nur unter fragwürdigen Umständen geschafft), aber ich geißle mich nicht, bis ich so schlechte Laune habe, dass ich alles und jeden umbringen könnte. Und ich verzichte lieber darauf, innerhalb von 10 Minuten eine halbe Baguettestange und einen halben Becher Kräuterquark zu essen (“Moah, ist DAS lecker – viel besser als Süßkram!!” natürlich.) und pushe meinen Blutzuckerspiegel lieber einmalig mit einem bis vier Riesen hoch und bin dann langfristig glücklich und zuckersatt.
Frauen sind ja schon irgenwie seltsam, oder? Ich mein, jetzt mal ganz im Ernst: da schleppen sie Dir nahezu täglich zwei bis sechs verschiedene Magazine nach Hause deren Inhalt lediglich daraus besteht, die absolut neueste und effizienteste Bauch-und-Po-weg-Diät anzupreisen, da lesen sie die niedlichen Blättchen doch tatsächlich ganz genüßlich bei einer Tafel Joghurette. Davon nimmt man ja schließlich ab, weil die 80er-Jahre Schatzis aus der Werbung ja schließlich auch dabei joggen und der mentale Einfluss ja sowieso fast 50% des Erfolges ausmacht. Is klar.
“Guck mal, da!”
“Wasn?” – ich blicke zu ihr rüber, wo mir mit beiden Zeigefingern mehr als eindeutig auf die zitternde Wade gezeigt wird…
“Da sieht man schon MUSKELN!!!”
“Jau. Zumindest könnte man den Schatten als sowas deuten”, denke ich mir im Stillen.
Da stehen wir nun, gut vier Wochen vor der Hochzeit und etwa zwei Wochen nach unserer Verabredung, mehr als deutlich an unserer körperlichen Fitness zu arbeiten – schließlich wollen wir am D-Day auch eher passabel als geradeso in unsere neuen Kleider passen. Ist ja jetzt auch nichts gegen zu sagen, so an sich.
Als Mann hast Du da natürlich wieder deutlich mehr Struktur in der Planung: während Du Deine tägliche Nahrungsaufnahme auf ein absolutes Minimum reduzierst, Deinen Körper gleichzeitg sportlich zu Höchstleistungen antreibst und jeden Abend vor dem heimischen Spiegel sehr überzeugt davon bist, als Cover-Boy der nächsten Men´s Health dienen zu können, informierst Du dich fachlich und höchst wissenschaftlich über die Eigenschaften Deiner bisher liebgewonnen Hauptnahrungsmittel und ziehst daraus höchst kompetent Deine ureigenen Schlüsse. So sind wir halt: planen, anvisieren, einkreisen, zuschlagen. Eine Jahrmillionen alte Taktik der Beutesuche findet tatsächlich auch hier ihre Anwendung, denn wir wissen einfach wie es geht und wie wir unser Ziel am effizientesten erreichen.
Frau hingegen ist da ja doch etwas anders gestrickt. Also eher nicht ganz so zielgerichtet, sondern eher – in Kurven zum Ziel. Zunächst einmal beginnt die Diät einer Frau mit Shoppen. Ist ja ganz klar und nicht zu widerlegen: wenn eine Frau Sport macht, dann braucht sie das entsprechende Outfit. Samt güldener Kreditkarte hüpft man hochambitioniert in das nächste Sportgeschäft und deckt sich mit 4 verschiedenen Laufkostümchen ein (schließlich wird man mindestens SO oft joghurettejoggen gehen, dass man damit geradeso hinkommen wird!) und freut sich schon jetzt darauf, bei Sonnenschein mit dem sportlichen Mann an der Seite und dem hüpfenden Hündchen im Schlepptau durch die grünen Parks der Millionenstadt zu joggen.
Da haben wir dann dummerweise das erste Problem: die Sonne scheint eben NICHT jeden Tag, der Hund hat keinen Bock und der Mann ist von den regelmäßigen Gehpausen genervt. Hier und da ist man zu müde, hat Kopfschmerzen oder eben gerade einfach keine Lust – und der Gedanke, dass nun EIN Laufdress vielleicht doch gereicht hätte, wird einfach mal schnell und heimlich verdrängt. Wer weiß wofür es gut war… Frau braucht an dieser Stelle also unbedingt eine Alternative, wenn sie nicht weiter Abend für Abend vor dem Spiegel durch den Flur brüllen möchte: “Schaaaaaaaatz – wann sieht man denn endlich was????”
Im nächsten Schritt versucht sich das weibliche Geschlecht also dann doch mal mit der Ernährung zu beschäftigen: das tägliche Käsebrötchen und der Schokoriegel werden durch Obst ersetzt, die Lasagne am Mittag mutiert zum grünen Feldsalat und Kekse oder Kuchen werden knallhart und zielstrebig von der Liste gestrichen. An sich und soweit spricht mal wieder nichts dagegen – außer der “Ich finde EINE Ausnahme kann ich ruhig mal machen” – Kulleraugen-Strategie: nachdem man den Einkaufswagen im Supermarkt mit Wasser, Obst, Magermilchprodukten, etwas Geflügel und Möhrchen gefüllt hat, macht man nur noch einen ganz kurzen Abstecher Richtung Gummibärchenbande – denn “EINE Ausnahme kann man ja ruhig mal machen.”
Morgen für Morgen hörst Du die kleinen Füßchen ins Bad tappsen, hörst, wie die Waage über die Fliesen gezogen wird, hörst ein leises Seufzen und wie die Waage wieder zurückgeschoben wird. Kleiner Tipp: schlafend stellen, nicht reagieren und so lange die Luft anhalten, bis sie wieder beim nächsten Problem ist, denn eine Frau in so einer Situation davon zu überzeugen, dass diese vielen wirren, verrückten und überflüssigen Gedanken in ihrem Kopf Unsinn sind, das hat so viel Aussicht auf Erfolg wie ein Sechser im Lotto.
Es müssen also die ganz harten Bandagen her: Eiweiß-Shakes. Nachdem Weibchen wieder mal Shoppen war und diesmal statt mit Sportkleidung mit sieben 5-Liter-Eimern Eiweiß-Shakes in der Tür steht (“Ich ernähre mich jetzt nur noch davon, 5 Drinks am Tag!! Nix mehr sonst!“) wird trotz aller Einwände meinerseits also nun die Königsdisziplin im Abnehmen angegangen – bis auf EINE Sache: “EINE Ausnahme kann man ja ruhig mal machen.”
Und ich gewinne doch.
“Oooooooooh!! Ich habe ja heute meinen Termin bei der KOS-MEEE-TIKERIN!!”
“Na holla!”, denk ich mir. Auch so einer der Berufe, bei dem man für relativ unschöne Tätigkeiten dann ja doch nen kleinen vergoldeten Taler verdient. Insbesondere bei der weiblichen Kundschaft, der Du ja grundsätzlich nur sagen musst, dass sie nach der Behandlung grob 12 Jahre jünger aussehen würde – worauf hin diese plötzlich geblitzdingst werden und die Kosten für den ganzen Spaß dann auch direkt und ohne Umschweife vergessen. Dauerhaft, für immer und für ewig.
Was bleibt mir schon, als umgehend in der Auswahl meiner schnell zurecht gelegten Gegenargumente zu resignieren und mich innerlich recht fix auf ein hübsches Stündchen Sofa-Probeliegen einzustellen – die wird dann ja auch quasi mitbezahlt und sollte deswegen auch auf gar keinen Fall zu kurz kommen, denk ich mir.
So ganz grob stelle ICH als Mann mir diese Kosmetikerinnen-Sessions ja so vor: Du gehst zu irgendeinem Menschen, gibst ihm relativ viel Geld, legst Dich auf eine bequeme Liege und schläfst ein. Eine gute Stunde später wirst Du wieder wach, siehst BLEN-DEND aus, sprühst vor mitreißender Energie, gleißender Lebensfreude und sensationellem Selbstbewußtsein und bist quasi DER Blickfang für so ziemlich jeden, der ohne Sonnenbrille überhaupt noch in der Lage ist, Dich direkt anzusehen. Das wäre zumindest das, was ich erwarten würde, wäre ich denn bereit, überhaupt einen Pfifferling dafür zu bezahlen, dass mir ein fremder Mensch den Talg aus der Haut drückt, mir das Gesicht mit Quark und ein paar Gürkchen zupflastert und mich letztendlich zu hypnotischer Gong-Musik noch etwa 15 Minuten pennen lässt.
Soweit meine Meinung.
Es vergehen beschauliche ZWEI Stunden, bis ich den Schlüssel im Schloss drehen höre und freudig erregt meiner wiedergeborenen Schönheit entgegenspringe, die… joa… die… also – die genauso aussieht wie vorher?!?! Also nicht falsch verstehen: natürlich ist sie nach wie vor die schönste Frau der Welt (und das schreibe ich NICHT nur, weil ich sonst von ihr verprügelt werde), aber im Grunde hatte ich jetzt ja doch nach ihrem Kurztrip auf eine 2-Stunden-Schönheitsfarm zum Preis eines Kleinwagens zumindest irgendeinen Anhaltspunkt dafür erwartet, dass sie nicht bloß unten im Auto gesessen und gedöst hat.
“UND????”, frage ich
“Das war soooooo schön!!”
“Was jetzt?”, frage ich
“Na die Behandlung!”
“Was genau hat die jetzt behandelt? Hat sie Dich bloß angestarrt?”
“Moah!! Neee! Fühl doch mal wie glatt meine Haut jetzt ist!!!”
Ich fühle. “Hm. Also – najaaaa… war das vorher anders?”
“DAS MERKT MAN DOCH!!!”
“… klar! Merkt man!!”
“Und dann hat sie eine Maske aufgetragen, zur Entspannung, das ist TOTAL gut für die Haut!!”
“Sie hat Dir Quark ins Gesicht geschmiert?”
“Eine SPE-ZI-AL-MASKE!!! und die Augenbrauen hat sie gezupft!”
“Ooooookayyyyy….. aber die zupfst Du selber doch eh??”
“Aber nicht SO! Siehst Du das nicht?” quietscht es langsam leicht hysterisch.
“Jau, jetzt wo Du’s sagst! Klar!”
“Und dann habe ich gaaaanz entspannte Musik gehört und das einwirken lassen und das war echt toll!”
Ich weiß wohl, dass ich mich damit auf SEHR dünnem Eis bewege – aber ich kann einfach nicht anders: “Pass auf, Schatz”, schlage ich vor, “Nächste Woche rasier ich Dir mit meinem Langhaarschneider die Augenbrauen weg, schmiere Dir mit dem Tortenheber Milram’s Frühlingsquark ins Gesicht und singe Dir ein lustiges Einschlaflied vor – und DU gibst mir dafür Geld. Was meinst Du?”
“Lass mich!!!!!!!!”
Es ist ja naturgegeben, dass Frauen vollkommen problemlos viel Geld für in Männeraugen nicht nachvollziehbare Produkte und Dienstleistungen aus dem Beautybereich investieren können. Beides kann hin und wieder mal ausarten, aber beides muss bei ungefähr 80% aller Frauen mal mehr, mal weniger sein. Nun hat er ja das zweifelhafte Glück, mich in einer Phase meines Lebens kennengelernt zu haben, in der sich mein Schwerpunkt von Dienstleistung auf Produkte verlagert hat, nicht zuletzt dank des Misstrauens, welches sich in die Kosmetikerinnen-Fraktion in dieser Kleinstadt – in erster Linie wegen mangelnder Auswahl – gefestigt hat. Was natürlich nicht heißt, dass ich diesem Luxus für immer und ewig abschwören würde, aber wenn man sich dran gewöhnt hat, nicht mehr halbwegs regelmäßig dort hin zu gehen, ist es auch kein Drama mehr. Zumindest bis man sich nach einer vertrauenswürdigen Empfehlung dazu entscheidet, zugunsten der erwarteten Hochzeits-Korona, vielleicht doch noch ein, zwei Sitzungen vorzunehmen.
Eine solche Behandlung läuft immer nach dem gleichen Schema ab und mir liegt es fern, jetzt jeden damit zu langweilen. Es ist aber eine nicht von der Hand zu weisende Tatsache, dass neben dem optischen Ergebnis vor allem der innere Frieden auf der Behandlungsliege eine entscheidene Rolle spielt: wenn mir 20 Minuten lang der Schwerpunkt meines Gesichts mittels Massage hin- und hergeschoben wird und ich währenddessen und 20 Minuten danach zu sphärischer Klangschalenmusik, unterlegt mit Meereswellenrauschen und Vogelgezwitscher fast ins Delirium falle, fühle ich mich danach fit wie ein Turnschuh und könnte Bäume ausreißen. Spiegelt sich nebenbei bemerkt auch im Gesamtanblick wieder – insbesondere, wenn das Ganze an einem Nachmittag eines Tages passiert, an dem ich um 6 Uhr morgens aufgestanden und 800 KM weit geflogen bin UND während dieser Stunde Flug ununterbrochen an den eventuell im Hotelzimmer liegengebliebenen Autoschlüssel, für den in der 120 KM-Fahrt vom Flughafen nach Hause eine Hauptrolle vorgesehen ist, denken muss.
Gut, Männer besitzen ja von Haus aus keine Antennen, was soetwas betrifft. Aber Mann macht ja Zugeständnisse. Dass sich in unserem Bad neuerdings eine nicht von mir genutzte Feuchtigkeitspflege breit macht und ein dazu passendes Waschgel, das auch im Gesicht nach Moschus, Amber und Cool-Effekt riechende Duschgel ersetzt, habe ich mehr als erstaunt zur Kenntnis genommen. Zumal ich es NICHT gekauft habe. Aber eine kosmetische Behandlung? Mal abgesehen von dem mit Naserümpfen vorgebrachten Einwurf, ob ich mein Geld nicht anderweitig aus dem Fenster schmeißen könne, wird dann ja sehr gerne mit der Unwirksamkeit überhaupt ALLER Cremes dieser Welt argumentiert. Darüber kann man hinwegsehen, es wird nur genickt, “Jaja, hast Recht, Schatz” gesagt und trotzdem zum Termin gegangen.
Wenn man dann allerdings mit einer Haut, deren Grip in etwa einem seit 24 Stunden auf dieser Welt existierenden Babypopo ähnelt, nach Hause kommt; die Augenbrauen endlich mal wieder perfekt in Form gebracht sind und man vor lauter Entspannung und Endorphinen eigentlich gar nicht mehr weiß wohin mit sich selbst, sollte man möglichst vermeiden, seinem Mann über den Weg zu laufen. Es ist irgendwann nicht nur albern, sondern fast erniedrigend und vor allem desillusionierend, wenn man vor ihm steht und wie blöd auf die Augenbrauen zeigt und fragt:
“Und? Schön, oder??”
“Hmm.. Was denn genau?”
“Die Augenbrauen, Maaaann!!”
“Aber die sehen doch auch so aus, wenn du sie gezupft hast!”
“Moah, ganz sicher nicht, die sind jetzt PER-FEKT!”
“Na wenn du meinst..”
“Okay, und jetzt fühl mal hier..”
(tätschelt Wange) “Aha. Und was ist da?”
“Meine Haut ist total glatt und weich, hallooo?”
“Ich erkenne da keinen Unterschied. Doch, sie ist gerötet..”
“Ja, NOCH. Aber ich hab auch gesagt, dass sie weich ist, das sieht man nicht, man fühlt es!”
“Ich fühle da auch keinen Unterschied. Was hast du denn dafür bezahlt?”
Sehr schön. Du gibst also Geld aus, milchmädchentechnisch betrachtet auch für ihn, siehst den Unterschied, fühlst ihn auch, freust dich wie bekloppt und dein Gegenüber merkt NICHTS. Aber will wissen, was es gekostet hat, um dich, einer kurzzeitigen Ohnmacht nahe, dann auch noch mit dem Preis für ein für ihn (blind? gefühlstaub in den Fingern??) nicht sichtbares Ergebnis aufzuziehen. Ich hätte es auch machen können, ohne ihm was davon zu sagen, es wäre das gleiche Endergebnis gewesen, er hätte nichts gemerkt und ich hätte mich nicht rechtfertigen und mir vollkommen unsinnige Geschäftsmodelle anhören müssen. Mache ich demnächst auch.





