Archive for July, 2009

21st Jul 2009, von Blabbermouth zum Thema Kosmetik, Shoppen
14 Comments

“So, jetzt muss ich nur noch zum dm !”

Samstägliche Einkäufe mit der Frau sind ja grundsätzlich schonmal nicht unbedingt die stressfreisten – wie ein Wahnsinniger chauffiert man das kleine Nervenbündel zu seiner Seite durch die Hektik der gesamten autofahrenden Weltbevölkerung von einem Ende der Stadt zum anderen, befüllt nach und nach den ursprünglich recht großen Kofferraum mit zahllosen Einkaufstüten und Kartons und wundert sich gleichzeitig, wohin all diese soeben erworbenen Dinge bis zum nächsten Wochenende eigentlich verschwinden.

Irgendwann erreichst Du als Mann dann diesen Punkt, an dem Du einfach stur Deinen Kopf ausschaltest und wie ein Roboter funktionierst – Parken, Einkaufswagen holen, hinterherschieben, bezahlen, Auto befüllen, weiterfahren, wieder von vorne. Stundenlang. Dieser Spannungsbogen setzt sich solange kontinuierlich fort, bis er seinen eigenen, dramatischen Climax erreicht: den

Besuch im örtlichen Drogeriemarkt

Es ist grundsätzlich schon mal absolut egal, wie groß oder klein dieser Drogeriemarkt ist: ein Weibchen kann sich in dieser Legebatterie der Kosmetikhersteller STUN-DEN-LANG aufhalten und schafft es spätestens hier, Dich an die völligen Grenzen Deiner männlichen Widerstandskräfte zu bringen.

Phase 1. Im Augenblick des Betretens der Geschäftsräume vergißt das Weibchen SOFORT die ursprüngliche Einkaufsliste, den eigenen Begleiter und sogar ihren Namen, reißt hektisch ein bis zwei Einkaufskörbe aus dem Stapel und stolpert zielgerichtet in Richtung der bunt befüllten Regale, aus denen ihr viele kleine Stimmen zubrüllen: “Kauf mich! Schnüffel an mir! Probier mich aus! Hab mich lieb!!!” – das Männchen trottet derweil lediglich brav hinterher, wundert sich über eklige bunte Fruchtriegel aus Pappe in den Regalen, muss dabei ad hoc ein bisschen würgen und verliert Madame so auch umgehend aus den Augen.

Phase 2. Es ist fast ein bisschen verwunderlich, aber eine Frau kann sich doch offensichtlich relativ lange daran aufhalten, an dutzenden verschiedener Waschmittel und Weichspüler zu schnüffeln. “Vanille”-, “Erdbeer”- und “Sommerfrische”-Duft werden Dir abwechselnd mit “Ruhezauber”, “Weiche Sinne” und “Rosentraum” unter die Nase gedrückt, so dass es die nun entstehenden Schwindelgefühle in Deinem Hirn viel erträglicher machen, gute 15 Minuten darüber zu diskutieren, ob 3-lagiges, gelbes Toilettenpapier von Charming denn nicht besser sei, als das 4-lagige in weiß, welches farblich doch VIEL besser zu den Gästehandtüchern und dem Badvorleger passt. Solche Fragen wolltest Du schon immer mal beantwortet wissen, das ist klar.

Phase 3. Während Du gerade soweit bist, langsam wieder klare Gedanken fassen zu können, weil die letzten Reste der Buntwaschmitteldämpfe Dein Kleinhirn verlassen, werden Deine olfaktorischen Fähigkeiten allerdings DIREKT wieder brutal vergewaltigt: nacheinander werden Dir zunächst 25 Flaschen Dusch- und Haarshampoo unter die Nase gehalten, wobei Dir ein zartes Drücken auf dieselben eine nicht unwesentliche Menge Parfümstoffe so extrem in den Kopf schießen lässt, dass Du sowieso nichts anderes sagen kannst als “Joooooah – riecht gut!”, während das Weibchen in ihrem Eifer schon längst dazu übergegangen ist, sämtliche nebenan stehende Deo-Sprays zunächst in die jeweiligen Verschlusskappen zu testen und Dir diese WIEDER sofort ins mittlerweile recht blasse Gesicht zu halten.

An dieser Stelle ist Dir bereits zum zweiten Mal übel – die Mischung schier endloser Duftstoffe hat Deinen Körper inzwischen zu 100% durchflutet, endlich auch Deinen Magen erreicht und sorgt nun dafür, dass die einsetzenden Schwindelgefühle auch Deinen Brechreiz an seine Grenzen bringen.

Phase 4. Deine Frage, ob es denn nun wirklich nötig sei, sich wirklich ALLES in diesem Markt detailliert ansehen zu müssen wird lediglich mit einem “JA – ALLES!” kommentiert. Zwar nutzt Du die Chance, um bei einem “WIRKLICH alles??” kurz auch den Blick auf den Po der 20jährigen Aushilfskraft schweifen zu lassen, doch selbiges wird Dir mit einem satten Ellenbogen-Hieb zwischen die Rippen quittiert, nicht ohne Dich zeitgleich in Richtung des universellen Grauens zu ziehen: die KOSMETIK-REGALE.

Phase 5. Die Kosmetik-Regale sind quasi die CIA-Wasserfolter der Drogeriemärkte. Völlig geschockt registrierst Du nur, wie auf einer Breite von gut 10 Metern vor den Regalen Hüfte an Hüfte Frauen SÄMTLICHER Altersklassen in winzig-winzig kleine Spiegelchen gaffen, während sie hunderte und aberhunderte kleiner Stifte und Eye-Liner in Millionen von Farbnuancen nahezu meditierend zunächst 2 cm aus dem Regal ziehen, um sie dann wieder zurückschieben. Man(n) ist fassungslos. Grob geschätzt jeder zehnte dieser Stiftchen wird aus dem Fach gezogen und darf auf den Handrücken der Damen ausprobiert werden, bis sich nach gut 30 Minuten Kunstwerke auf ihren Händen gebildet haben, die in dieser Form wahrscheinlich unerreicht bleiben dürften.

Phase 6. Während der kleine Tobias eine Pyramide aus 263 “Always Ultra” Binden zum Einsturz bringt und die geschätzt 12 Jahre alte Maria ihren Papa fragt, ob ihr das Make-Up von Nivea denn wohl besser stehe als jenes von Maybelline, schaffst Du es tatsächlich, die EINZIGE vorhandene Sitzgelegenheit des Drogeriemarktes zu besetzen, so dass zumindest der jetzt folgende Entscheidungsmarathon ein wenig leichter ausfällt. Während Dir 5 Lippenstifte unter die Nase gehalten werden, die für Dich ausnahmslos alle SO gleich aussehen, dass Du einfach auf einen tippst und “Der!” sagst, registriest Du bloß, dass sich der Warenkob Deiner Liebsten nach und nach immer weiter füllt – ein hilfesuchender Blick in die Richtung anderer gepeinigter Männer wird nur mit einem genauso hilfesuchenden Achselzucken quittiert.

Phase 7. Das Böse erreicht Dich zum Schluss. Irgendein findiger Kosmetik-Vertriebler hat sich nämlich ausgedacht, sämtliche Produkte seiner kleinen, grässlichen Welt für die Damen zusätzlich noch in Miniatur-Größe auf den Markt zu werfen, so dass auf dem Weg zur erlösenden Kasse direkt noch ein Zwischenstopp eingelegt werden darf. Was im Supermarkt die Süßwaren am Ausgang, ist das Miniaturausgaben-Regal für die Frau im dm-Markt – schließlich müssen Handtaschen in der Größe einer IKEA-Tüte ja auch mit irgendwas befüllt werden, das leuchtet mir ein. Während ich mit allen Kräften nach Argumenten suche, warum ich KEIN Haarschampoo “in klein” für meinen Kultur-Beutel zuhause brauche und auch die Mini-Handcrème für das Handschuhfach dankend ablehne,  sehe ich zum ersten Mal nach gefühlten Wochen wieder ein Licht am Ende des Tunnels: die Kasse.

Phase 8. Jaja, die Kasse. Drogeriemarkt-Kassen sind ja grundsätzlich mit jenen Menschen besetzt, die aufgrund ihres Arbeitstempos eher Ausnahmen darstellen – eine ALDI-Kassiererin würde für ein solches Tempo wahrscheinlich bereits nach 2 Stunden entlassen werden. Während Du als Mann damit beschäftigt bist, grob 14 winzige Umsonst-dm-Tütchen mit maximal 3 Teilen zu bepacken und Dir langsam klar wird, dass Du dieses Unternehmen mal wieder mit einem halben Monatsgehalt für verarbeitete Tierprodukte subventioniert hast, steht das Weibchen glücklich und mit der Kreditkarte winkend vor dem Bezahlgerät und wirkt fast, als habe sie mal wieder einen ihrer größten Träume verwirklicht.

Phase 9. Zuhause angekommen fällst Du geradeaus auf das Sofa und schläfst ein.

21st Jul 2009, von Vizekönigin zum Thema Kosmetik, Shoppen
9 Comments

Es gibt Konsum-Institutionen, zu denen frau das gemeine Männchen einfach nicht mitnehmen sollte. Dazu gehören neben Schuhläden mit mehr als 30 m2 Verkaufsfläche in erster Linie Parfümerien und Drogeriemärkte. Bei Parfümerien ist es allerdings oberstes Gebot, den Mann nicht mit rein zu nehmen, weil man hier für gewöhnlich laaaange und ausführlich beraten wird. Außerdem ist es nicht besonders clever, ihn beim Bezahlen eines 100 €-Bons, auf dem nur eine Augencreme und ein Lippenstift drauf stehen, zuschauen zu lassen. Deswegen gehen wir in der Regel alleine zu Douglas.

Ein dm ist allerdings etwas anders und geradezu prädistiniert, im Doppel aufgesucht zu werden. Natürlich ist es auch hier besser, das zu vermeiden, da die Aufenthaltsdauer in einem dm auch ohne Kaufabsicht locker bei 30 Minuten liegen kann – deswegen rennen wir ja so gerne in der Mittagspause hin. Meistens fällt einem aber beim samstäglichen Einkauf ein, dass man dies und das noch braucht und das Einkaufsfeeling im dm ist selbst in Bezug auf Waschmittel einfach ein anderes als im Supermarkt. Die Sache ist nur die: während das Weibchen ziemlich schnell nach dem Betreten des Ladens den klassisch-femininen Stereotypen an den Tag legt, ist das Männchen eigentlich schon vor dem Durchschreiten der Tür zu Tode genervt. Das hemmt ein wenig, ich würde sogar sagen, es verdirbt mir den Spaß an der Shopping-Tour.

Vollkommen egal, ob ich Klopapier kaufe, Zahnpasta, Haarshampoo oder SEIN Haarzeugs, seine Aufgabe besteht ausschließlich darin, so schnell wie möglich aus der drogistischen Hölle herauszukommen. Nach Möglichkeit lebend und ohne nennenswerte Schäden an der Nasenschleimhaut, die ihm das angebotene Männerduschgel zu bereiten scheint. Monsieur rollt mit den Augen, wenn ich ihm ein buntes Obst-Spülmittel unter die Nase halte, kommt dann aber mit der Nase trotzdem nah genug ran, dass ein minimales “Squeeze” ausreicht, um ihm zumindest einen halben Zentimeter Inhalt in eben diese hineinzudrücken. Zur Strafe, weil er gerade, während ich überlegte, mit welchem Raumduft ich ihn für die nächsten 5 Wochen betöre, der 20jährigen Azubine auf den Hintern geguckt hat.

Wenn dieser Punkt erreicht ist, haben wir schon eine beachtliche Odyssee hinter uns: “Was, DA willst du dich gleich anstellen?” “Moah Baby, ist doch egal wieviele Lagen das Klopapier hat!!” “Gibts hier auch ne Spielkonsole, damit Männer und Kinder beschäftigt sind?” “Hau rein, dann schaffen wir es noch vor dem Franzosen mit den zwei Einkaufswagen!” “Dauert das noch lange??”. Bis dahin hat er aber die Wand schräg gegenüber von den Kassen noch nicht gesehen. Die, an der in 2-Meter-Abschnitten für jeden Hersteller Make up präsentiert wird. Normalerweise würde ich mir den Lippenstift ja alleine in der Mittagspause in der Parfümerie kaufen, aber das kann er jetzt vergessen: langsam ziehe ich Farbe für Farbe raus, teste rum, gucke ob es zu meinem Hauttyp passt und beziehe ihn natürlich bei jeder Farbe mit ein: “Wie findest du die Farbe? Und die?”

Die hilflosen, fast ängstlichen Blicke in Richtung anderer geschundener Männer, die ein ebenso trauriges Bild neben ihren triumphierenden Frauen abgeben (sie verhalten sich ja alle gleich, werden also auch alle bestraft – was sie nicht wissen, sie glauben ja immernoch, das dm-Verhalten wäre bei uns genetisch vorprogrammiert), nehme ich natürlich genauso wahr, wie das mitleidige Nicken eines Leidensgenossen, der mit seinem Kinn in eine mir nicht nachvollziehbare Richtung deutet. Aus den Augenwinkeln fällt mir auf, dass er Monsieur einen Stuhl gezeigt hat, auf dem er sich nun kapitulierend nieder lässt. Klare Ansage für mich, genau so weiter zu machen, vor allem, wenn er anfängt, lautstark Kommentare darüber abzuliefern, dass es ja echt lustig sei, dass ich “in einer Reihe von 6 Frauen stehe, die alle total bedächtig einen Kajalstift aus dem Regal ziehen, drehen, bestaunen und wieder reinstecken.”

Irgendwann erlöse ich ihn dann, so nach ca. 20 Minuten. Zumindest von der Farb-Folter, danach kommt ja noch die Riesen-Wand mit Produkt-Miniaturen direkt vor der Kasse. Die Frauen-Quengelware. Interessanterweise funktioniert das Prinzip bei mir mehr als gut, aber bevor ich mich richtig davon einlullen lasse, zeige ich ihm einfach alles, was ich gut finde und beschreibe mögliche Einsatzmöglichkeiten wie Urlaub, Party, einfach so für die Handtasche. Das ist dann kurz vor Exitus und der Franzose mit den zwei Einkaufswagen (in Frankreich sind Drogerieartikel unglaublich teuer, deswegen kommen sie immer zu uns) gibt ihm dann den Rest. Weil seine Kreditkarte nicht funktioniert und das Sprachproblem zwischen ihm und der Kassiererin dem Raum-Zeit-Kontinuum eine neue Dimension verleiht.

Der Alptraum ist dann vorbei, wenn wir alles ins Auto gepackt haben und er sich eine Zigarette anzünden kann. Und ich nehme mir bei allem Amusement zum hundersten Mal vor, sowas in Zukunft wieder in die Mittagspause zu verlegen.

14th Jul 2009, von Blabbermouth zum Thema Diskussionen
1 Comment

Scheiße, Mann. Es gibt Tage, da verlierst Du. Nicht, dass es jetzt SO dramatisch wäre, wenigstens EINMAL auf das Geplapper an Deiner Seite zu hören, aber schließlich und letztlich bist DU der Mann in der Beziehung, der Beschützer, der Entscheider und ganz besonders: der Alleskönner. Du weißt eben wo’s langgeht, hast die letzten knapp 30 Jahre damit verbracht, extrem wertvolle Erfahrungen für’s Leben zu sammeln und kannst darauf bauen, dass Deine unerreichte Intelligenz gepaart mit schier endloser Körperkraft in so ziemlich jeder Lebenslage die richtige Entscheidung trifft. Punkt.

Wenn Madame meint, dies oder jenes sei zu schwierig, jenes oder dieses sei zu anstrengend oder die eine oder andere Lösung sei doch viel zu kompliziert, dann appelliert ganz genau DIESE Aussage in Deinem tiefsten Inneren an Deine Männlichkeit, an Deinen Stolz und an Deinen Glauben an Dich selbst. Wir Männer können Berge versetzen, können auf dem Wasser gehen und wenn es sein muss auch so lange die Luft anhalten, bis die Frau endlich nachgibt und Dir doch schnell Deine Leibspeise kocht – und um es auf den Punkt zu bringen: WIR KÖNNEN ALLES.

Diese kleinen, fast niedlichen Geschöpfe an Deiner Seite sind ja schon von Natur aus eher zögerliche Wesen. Immer vorsichtig, zart, zurückhaltend und sowieso viel zu mistrauisch, trauen sich nicht auf Bäume zu klettern, Fische zu fangen oder gar ein Tier zu erlegen, würden nie die Glühbirne auswechseln OHNE vorher die Sicherung auszuschalten oder einfach mal aus Spaß einen Finger die Steckdose stecken. Frauen sind Hosenschisser. Aus die Maus, Nikolaus.

Vorspann:
Sie so: “Schatz, da vorne kannst Du nicht mit den Inlinern langfahren – da ist ne Baustelle!”
Ich so: “Ach Maus – NATÜRLICH können wir da lang fahren!!!!!” (Das Wort “Feigling” denke ich nur leise.)

Hauptteil:
“Oha!!!” – denke ich mir in dem Moment, in dem ich lang ausgestreckt in ca. 1,50m Höhe im Steilflug die Straße von oben betrachte, die sinnlichen kleinen Kieselsteine unter mir vorbeiziehen sehe, während der grobe Sand geradezu harmonisch unter meinem Körper terracottafarbene Gemälde an jene Stellen zeichnet, an der EIGENTLICH eine Asphaltdecke sein sollte. Kurz überlege ich, einen Arm anzuwinkeln um zumindest für die Zuschauer wie Superman auszusehen, doch die angepeilte Flugbahn erlaubt mir hier keine wirklichen Kunststückchen. Auch mein verzweifelter Aufschrei: “GOGO-GADGETTO-BEINEEEEE !!!!” kommt irgendwie reichlich zu spät. Mist.

Noch im Vorbeiflug sehe ich vor dem inneren Auge, wie Madame in wenigen Minuten neben mir stehen wird und mir ein besserwisserisches “Siiiiiiehste, ICH hab’s Dir doch gesagt!!!” um die wahrscheinlich halb abgerissenen, blutenden Ohren schmettern wird, die Arme in die Hüften gestützt und dabei die Augenbrauen wie meine Mutter nach oben gezogen auf mir rumhackt. So sind sie nämlich, die Frauen.

Nachspann:
Da liege ich. Blut tropft aus meiner Hand, mein Unterarm ist mit höchster Wahrscheinlichkeit 27 Mal gebrochen – Trümmerbruch. Unheilbar. (Zumindest fühlt es sich grob beschrieben ungefähr so an, und ich versuche EXTREM männlich und dem Tode nahe zu leiden, während ich mich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden winde und nach Luft jappse). Eins ist klar: wenn ich JETZT noch den üblen Vorwürfen entgehen will und mir das mütterliche Gezeter ersparen möchte, dann geht das garantiert nur über die Mitleidstour. Der quasi vom Bösen besiegte Held, der gefallene Ritter, der geschlagene Edelmann – denn nur endlose Männlichkeit kann SO VIEL Schmerz ertragen…

Denkste. DEN Spaß lässt sich das kleine Monster an meiner Seite dann doch nicht entgehen. Und eins ist klar: auch in Zukunft habe weiterhin ICH Recht: nur Ausnahmen bestätigen die Regel!!

14th Jul 2009, von Vizekönigin zum Thema Diskussionen
4 Comments

Männer wissen ja von Natur aus alles besser. Und können vor allem alles. Meistens meinen sie auch, alles besser zu wissen und zu können, obwohl sie von vorneherein schon wissen müssen, dass es nicht so ist. Oder wenn Gefahr droht, nicht männlich genug dazustehen oder gar – ganz schlimm – an Coolness zu verlieren. Das Männchen ist ja schließlich weltmännisch, hat schon alles gesehen oder erlebt und kann in jedem Alter eine Lebenserfahrung abrufen, die ansonsten allerhöchstens der eigene Vater aufweisen kann. Jeder Astronaut, Mikrobiologe im Ebola-Einsatz, Fremdenlegionär oder Rundumdenglobusbackpacker hat im Vergleich zum gemeinen Hausmann einen Horizont, der sich gerade mal mit dem eines eingesperrten Meerschweinchens vergleichen lässt.

Beim Monsieur gibt es mannigfaltige Momente, die diese Allmachtsphantasien besonders lebhaft darstellen. “NeinNein, das geht anders” heißt es, oder “Schaahaatz, glaub mir doch einfach, das ist soundso – ich weiß das, schließlich hab ich schon mal.” Manchmal hat er Recht, manchmal nicht. Und wenn er nicht Recht hat, wird das hinterher nicht ohne weiteres sich selbst und mir eingestanden, sondern mit gerne mal mit einem “Pffft – na SO meinte ich das auch nicht, DAS kann ja jeder (sagen)” abgetan.

Besonders schön sind allerdings die Situationen, in denen er mir wieder einmal partout nicht glauben will und dafür bitter bezahlen muss. Die Gassirunde mit dem Hund, aus sportlichen Gründen ausnahmsweise mal auf Inlineskates gedreht, kann dann schon mal zu einem Himmelfahrtskommando für alle Beteiligten werden.

“Baby, die Baustelle da vorne – ich glaub wir sollten da besser nicht lang fahren..”
“Quatsch, wir passen da durch!”
“Das meine ich doch nicht, aber siehst du den Boden? Das sieht nicht sooo gut aus für die Skates. So zum fahren meine ich.”
“Unsinn, wir fahren da durch!”

Ich sehe ihn immer kleiner werden, weil er plötzlich Anlauf nimmt um mal so richtig Schwung zu holen, könnte ja vielleicht helfen – bei einer ca. 5 cm tiefen Sandschicht. Zugegebenermaßen war mir die Tiefe beim Heranfahren auch nicht bewusst, ich dachte wie er, dass es sich nur um eine dünne Schicht Sand handelt, aber meine mittlerweile wirklich ausgedehnte Erfahrung auf diesen komischen Rollschuhen und vor allem mein Instinkt sagten mir: NICHT Gas geben. Ist in der Regel auch besser für die Kugellager, die man dann einzeln rausnehmen und reinigen kann. Hund und ich fahren also nur mittelmäßig langsam mit ein, zwei Meter Abstand zum Monsieur hinterher, er tritt noch mal richtig in die Rollen und…

Fliegt. Ein Hechtsprung allererster Sahne, mit dem Höhepunkt locker 1.5 Meter über dem Boden. Und dann knallt er wie ein nasser Sack runter, wie ein Steinblock, den man zwar irgendwie hochwerfen kann, der aber dabei weder hoch noch weit fliegt, in der Luft stehen zu bleiben scheint und dann offenbar von einer dunklen Macht (<- Schwerkraft) im Boden angesogen wird. Während ich das beobachte, muss ich aufpassen, dass mir nicht das Gleiche passiert, was geschätzte 20 cm vor dem Sandanfang etwas schwierig ist, also lege ich jetzt schon los und fange an, über Monsieur hinweg zu springen und auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zweier Rollen über die zehn Meter lange Fläche hinweg zu laufen. Mit Erfolg. Dann: Stille. Ich drehe mich um, sehe ihn am Boden liegen, stöhnend, mein erster Gedanke gilt seinem GANZ OFFENSICHTLICH angeschlagenen Brustkorb, der zweite den Formulierungen, die ich später wohl für die Absage unserer Hochzeit schreiben muss. Hund steht derweil etwas entfernt und pinkelt sich den Stress aus dem Leib, scheint aber nicht weiter interessiert.

Ich muss nicht erwähnen, dass meine reflexartig von mir gegebenen Berührungs- und Tröstversuche sofort mit den (besonders leidvoll verpackten) Worten "AAAHHH! NICHT ANFASSEN" abgewehrt wurden, so sind Männer ja immer, wenn sie Schmerzen haben, die nicht von einem grippalen Infekt ausgelöst wurden. Nachdem er zwei Minuten im Staub nach Luft gerungen hat (ich übrigens auch, lautes Lachen empfand ich nämlich als äußerst pietätlos, also habe ich die Luft angehalten, um nicht loszubrüllen), stand er auf wie ein Soldat, der gerade die Detonation einer Handgranate mit seinem noch angezogenen Pullover eingedämmt hat, schüttelte sich cowboyartig den Staub von der Jeans und wollte mit Grabesmiene und tiefster Zornesfalte den Weg fortsetzen. Natürlich nicht, ohne mir noch seine Hand zu zeigen, an der er kleinere Abschürfungen davongetragen hatte (mir fällt dabei die Werbung für diese Wundsalbe von Fenistil ein, deren Wirkstoff die Narbenbildung vermindert - “was zu einem Problem werden kann, wenn ihr MANN Narben braucht, um tolle Geschichten zu erzählen..”).

Auf meine vorsichtig rausgepresste Frage, ob wir nicht lieber die 2 Meter zurückrobben und dann den bereits zurückgelegten Weg zurückfahren sollen, kam dann wie erwartet ein entschiedenes, fast vorwurfsvolles “NEIN. WIR FAHREN AUF KEINEN FALL ZURÜCK!” Natürlich nicht. Lieber nochmal acht Meter über Sandboden stolpern. Und auf keinen Fall zugeben, dass meine Idee vor dem stuntreifen Sturz die bessere war. Dass ich Recht hatte.

12th Jul 2009, von Vizekönigin zum Thema Nahrungsaufnahme
4 Comments

Frauen sind ja per se nicht darauf ausgerichtet, genauso viel Lebensmittel in sich reinzustopfen wie Männer. Sie verbrauchen weniger Kalorien den Tag über (unter normalen Umständen) und haben immer viel mehr damit zu kämpfen, überflüssiges Gewicht loszuwerden. Auch sonst hat eine Frau einfach meistens ein bisschen weniger Hunger als das gemeine Männchen, wobei die Gründe dafür nicht selten eher psychologischer denn biologischer Natur und selbstauferlegt sind.

Oft kommt es also vor, dass ich mit dem Liebsten in einem Restaurant oder Café sitze, schon etwas gegessen habe und er, nach einem Kaffee, seinen Dessert- oder Kuchengelüsten nachkommen will. Es ist ja nicht so, als ob ich von heute auf morgen nicht mehr auf Tarte au Chocolat stehen würde, aber nach einem halben Rind, was ich vorher schon zu mir genommen habe, passt so ein Stück kompakter, klitschiger Teig einfach nicht mehr in meinen Magen. Was aber natürlich NICHT heißt, dass ich nicht etwas davon haben wollen würde. Ich will halt nur kein ganzes. Erstaunlicherweise ist er in der Lage, mit mir eine Wohnung, ein Auto und ein Bankkonto zu teilen, aber bei Desserts hört die Liebe offenbar auf.

“Ich hätte gerne die Nummer XY – Schatz, willst du auch was?”
“Nö, ich probier mal von dir, wenn ich darf.”

Dieser Satz, ähnlich wie “Ich nehm einen Löffel von dir, wenn ich darf” (und das “wenn ich darf” wird obligatorisch hinten angehangen), scheint bei Monsieur offenbar derartige Überlebensängste auszulösen, dass darüber hinaus das eigentlich genetisch verpflanzte Ernährer-Dasein komplett vergessen wird. Die Augen werden verdreht, der Kopf geschüttelt und dann ganz entschieden: NEIN! gesagt. Ich soll mir doch selber was bestellen, das kann doch nicht sein, dass ich immer was von ihm abhaben wolle und wenn er mich dann einmal ranließe, würde ich den ganzen Teller leer essen und er hätte nichts davon.

Entsetzt über so viel Egoismus will ich dann natürlich auch nichts mehr abhaben, wenn das Essen dann kommt, muss man mich schon mit einer geladenen Waffe an der Schläfe zwingen, zu probieren. Zumindest die ersten 30 Sekunden. Aber mehr nicht!

Andersrum ist es natürlich was GANZ anderes. Da geht man durch den Supermarkt, sieht ein Päckchen Brausebrocken herrenlos rumliegen, will es mit nach Hause zu sich nehmen und muss noch mal kurz vorher rechtfertigen, wieso: wegen der Waldmeister-Brausebrocken. Ich denke ich kann von mir behaupten, dass ich als Kind höchstgradig süchtig danach war, hin und wieder erreicht mich ein Rückfall auch jetzt noch. Wir nehmen das kostbare Gut also mit, genauso wie das Brot und den Aufschnitt, dessen Mitnahme mich vorher noch einen Spießrutenlauf hat mitmachen lassen (“Ah, jetzt willste dich aber für das halbe Kilo nochmal belohnen, nicht wahr?), bringen es nach Hause, verstauen es dort, schlafen eine Nacht und ich verschwinde dann in mein Office-Office.

Was sich in der Zeit meiner Abwesenheit dann in seinem Home-Office abspielt, kann ich nur vermuten, ich tippe aber auf einen Fressanfall so gegen Mittag. Wenn man nämlich spätabends nach Hause kommt und sich noch ein Brot machen will und plötzlich nur noch die halbe Packung in der Hand hält und das Zeug, was eigentlich drauf kommt, zu ungefähr 2/3 vernichtet ist, kommt man schon mal ins Grübeln. Aber macht ja nichts, ich hab ja noch Waldmeister-Brausebrocken. Also ab ins Wohnzimmer, an die Candy-Futtertheke und dann: suchen. Eigentlich müssten da ja mehr als ZWEI von den Dingern liegen, ist aber nicht der Fall. Und als ob das nicht reichen würde, sind die beiden auch noch gelb, also Zitrone, also die Sorte, die ich nicht mag, was nebenbei bemerkt schon wirklich lange in unserem Haushalt bekannt ist. Ich gehe also fassunglos mit den zwei ungeliebten Dingern, der halbleeren Brottüte und der fast leeren Wurstverpackung nach hinten und halte ihm alles hin.

“Baby, was ist das?”
“Ääääähhh… Also weißt du.. Heute, als du im Büro warst, da hat es geklingelt. Und da standen drei kleine Kinder bei uns vor der Tür, mit kaputten Filzhüten, alten Mänteln und Kohlestaub im Gesicht. Die leben seit 5 Jahren auf der Straße und haben seit 4 Tagen nichts mehr gegessen.. Und die waren so schwach und konnten sich kaum noch auf den Beinen halten.. Verstehst du? Die haben bitterlich geweint und gefroren und da konnte ich nicht anders.”
“Du hast sie also mit Brot, Wurst und Brausebrocken gefüttert?”
“Ja und sie waren so glücklich, du kannst dir nicht vorstellen, wie gerne man für dieses Lächeln aus strahlenden Kinderaugen Hilfe und Trost spendet.”

Aha. Ein einzelnes Gäbelchen von irgendeinem Dessert darf nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen meinen Magen erreichen, MEIN schon bei der Beschaffung hart erkämpftes Essen muss ich aber teilen, ohne überhaupt gefragt zu werden! Ich muss mir auch noch während er seinen Joghurt isst anhören, dass er traurig, unglaublich traurig ist, weil er schon den Boden sehen kann, was für mich ganz klar das Zeichen ist, meinen Joghurt so schnell wie möglich zu vernichten, damit er ihn mir nicht wegnimmt.

Aber gut. In Zukunft werde ich einfach Schokolade mit Chili-Geschmack, Zitroneneis mit Basilikum, Rosen-Sahnetorte und Erdbeeren mit Pfeffer auf den Tisch stellen. Ich hoffe, er gewöhnt sich nicht so schnell daran, wie an die Wasabi-Erbsen, aber es besteht etwas Hoffnung, dass er sich nicht ganz so schnell überwinden kann.

12th Jul 2009, von Blabbermouth zum Thema Diskussionen
1 Comment

Im Laufe Deiner Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht lernst Du als Mann unweigerlich auch, dass Du Dir im Falle einer Verköstigung jeglicher Art grundsätzlich 20% mehr bestellst – denn ein obligatorisches “Nee, ich habe grad keinen Hunger!” Deiner Frau ist sowieso die größte Lüge der Welt. Wenn frau selbst nichts bestellt, Dir aber mal ordentlich was vom Teller nascht, dann kann sie ja hinterher immernoch behaupten, SIE habe ja nichts gegessen. Kennen wir alle, ist nix Neues für uns.

Meine Version der Frau tickt da noch ein klitzekleines bisschen anders. Nicht nur, dass mir grundsätzlich die eben genannten 20% des für mich überlebenswichtigen Nahrungsgrundstoffes entzogen werden – nein, Liebchen bestellt sich sogar selber etwas anderes, nur um NOCH mehr Auswahl an leckeren Speisen zu haben: die eigenen UND meine.

Sie: “Oh, ich freu mich so auf’s Essen beim Thailänder – endlich wieder Massaman-Curry!!
Ich: “Ja, wirklich sehr geile Idee!”

1 Stunde später im Restaurant.

Kellnerin: “Haben Sie schon gewählt?”
Sie: “Ja – ich nehme die Glasnudeln.
Ich: “Ääääh – Du wolltest doch Massaman-Curry??”
Sie: “Ja, aber das nimmst DU doch, dann kann ich doch da probieren??

Natürlich. Bei MIR probieren. Damit MIR am Ende wieder 5 Gabeln fehlen um satt zu werden und DU wieder zuhause auf dem Sofa rumlungerst und MIR die Ohren wegen Deiner Bauchschmerzen vollheulst. Kannst Du mal schön vergessen, Liebchen. “Nö. Du kannst dran riechen, aber probieren ist nicht. Nein.” In solchen Situationen musst Du als Mann einfach knallhart durchgreifen, denn wenn Du auch nur einmal nachgibst, kannst Du Deine Argumentation für die Zukunft völlig vergessen. Dann ist es nämlich egal, ob Du beim Bäcker, im Restaurant oder vor der Würstchenbude stehst – ein entsetztes “Aber Du gibst mir doch SONST AUCH IMMER WAS AB?!?!” wird Dich jedes Mal in Zugzwang bringen.

Das kleine Problem ist dann allerdings, wenn Du irgendwann bemerkst, wie zwei riesengroße Kulleraugen geradezu wie hypnotisiert an Deiner Gabel haften und auch auf gar keinen Fall wieder loslassen. Du kannst große, geschwungene Muster in die Luft malen, das “Haus vom Nikolaus” in die Tischplatte kratzen oder auch die chinesischen Schriftzeichen der Menükarte nachzeichnen – die Augen der jungen Dame von gegenüber folgen Deinem Besteck wie jene einer jungen Mutter auf dem Spielplatz ihrem Kind folgen. Sowas ist natürlich eine unglaublich entspannte Art des Essens: Dein Schatz zieht eine Schmoll-Schnute und kommentiert jeden Deiner Bisse mit einer kleinen Träne – so dass Du am Ende aus Mitleid natürlich irgendwann aufgibst. Du schiebst Ihr Deinen Teller rüber, drückst Ihr Dein Besteck in die Hand und schaust gute 5 Minuten mit geballten Fäusten dabei zu, wie das Weibchen nahezu ausgehungert wirkend über Deine Leibspeise herfällt – als habe sie die letzten 6 Monate in einer Arrestzelle in Südostasien gesessen und sich nur vom Regenwasser ernährt.

Andersrum jedoch zeigt sich bei der Frau relativ wenig liebevolles Verständnis, wenn Du bei Gelegenheit einmal den heimischen Kühlschrank plünderst und dabei auf versteckte Nachtisch-Ressourcen ihrerseits stößt. Natürlich lässt Du Dir die Pros und Contras Deiner Handlungsweise kurz durch den Kopf gehen:

Pro:
- Du rettest SIE vor extrem bösen Kalorien
- Du ersparst IHR, dass sie wieder heulend von der Waage steigt
- Du kannst ihr, wenn sie möchte, relativ fix alles wieder neu kaufen und nachliefern
- Sie hat es eh die letzten 2 Tage nicht angerührt, also mag sie es auch gar nicht

Contra:
- . Nichts.

Ergo: Egal ob Joghurt, Pudding, leckerer Käse oder Süßkram – am Ende tust Du ihr was Gutes, wenn Du ihr diese Last abnimmst und es für Dich beanspruchst. Schließlich hat SIE ja auch erst gestern Deinen Teller mit Massaman-Curry weggefegt, so dass wir hier von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen. Ist doch ganz klar.

Und was darfst Du Dir am Ende des Tages anhören?

Schatz – hast DU meinen Pudding gegessen? Dafür gehst DU jetzt im Regen mit dem Hund raus!!!
So viel zum Thema “Gerechtigkeit”. Pah!