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Orion - 100 % Erotik



am 12.07.2009 von Vizekönigin, bisher 4 Kommentare

Frauen sind ja per se nicht darauf ausgerichtet, genauso viel Lebensmittel in sich reinzustopfen wie Männer. Sie verbrauchen weniger Kalorien den Tag über (unter normalen Umständen) und haben immer viel mehr damit zu kämpfen, überflüssiges Gewicht loszuwerden. Auch sonst hat eine Frau einfach meistens ein bisschen weniger Hunger als das gemeine Männchen, wobei die Gründe dafür nicht selten eher psychologischer denn biologischer Natur und selbstauferlegt sind.

Oft kommt es also vor, dass ich mit dem Liebsten in einem Restaurant oder Café sitze, schon etwas gegessen habe und er, nach einem Kaffee, seinen Dessert- oder Kuchengelüsten nachkommen will. Es ist ja nicht so, als ob ich von heute auf morgen nicht mehr auf Tarte au Chocolat stehen würde, aber nach einem halben Rind, was ich vorher schon zu mir genommen habe, passt so ein Stück kompakter, klitschiger Teig einfach nicht mehr in meinen Magen. Was aber natürlich NICHT heißt, dass ich nicht etwas davon haben wollen würde. Ich will halt nur kein ganzes. Erstaunlicherweise ist er in der Lage, mit mir eine Wohnung, ein Auto und ein Bankkonto zu teilen, aber bei Desserts hört die Liebe offenbar auf.

“Ich hätte gerne die Nummer XY – Schatz, willst du auch was?”
“Nö, ich probier mal von dir, wenn ich darf.”

Dieser Satz, ähnlich wie “Ich nehm einen Löffel von dir, wenn ich darf” (und das “wenn ich darf” wird obligatorisch hinten angehangen), scheint bei Monsieur offenbar derartige Überlebensängste auszulösen, dass darüber hinaus das eigentlich genetisch verpflanzte Ernährer-Dasein komplett vergessen wird. Die Augen werden verdreht, der Kopf geschüttelt und dann ganz entschieden: NEIN! gesagt. Ich soll mir doch selber was bestellen, das kann doch nicht sein, dass ich immer was von ihm abhaben wolle und wenn er mich dann einmal ranließe, würde ich den ganzen Teller leer essen und er hätte nichts davon.

Entsetzt über so viel Egoismus will ich dann natürlich auch nichts mehr abhaben, wenn das Essen dann kommt, muss man mich schon mit einer geladenen Waffe an der Schläfe zwingen, zu probieren. Zumindest die ersten 30 Sekunden. Aber mehr nicht!

Andersrum ist es natürlich was GANZ anderes. Da geht man durch den Supermarkt, sieht ein Päckchen Brausebrocken herrenlos rumliegen, will es mit nach Hause zu sich nehmen und muss noch mal kurz vorher rechtfertigen, wieso: wegen der Waldmeister-Brausebrocken. Ich denke ich kann von mir behaupten, dass ich als Kind höchstgradig süchtig danach war, hin und wieder erreicht mich ein Rückfall auch jetzt noch. Wir nehmen das kostbare Gut also mit, genauso wie das Brot und den Aufschnitt, dessen Mitnahme mich vorher noch einen Spießrutenlauf hat mitmachen lassen (“Ah, jetzt willste dich aber für das halbe Kilo nochmal belohnen, nicht wahr?), bringen es nach Hause, verstauen es dort, schlafen eine Nacht und ich verschwinde dann in mein Office-Office.

Was sich in der Zeit meiner Abwesenheit dann in seinem Home-Office abspielt, kann ich nur vermuten, ich tippe aber auf einen Fressanfall so gegen Mittag. Wenn man nämlich spätabends nach Hause kommt und sich noch ein Brot machen will und plötzlich nur noch die halbe Packung in der Hand hält und das Zeug, was eigentlich drauf kommt, zu ungefähr 2/3 vernichtet ist, kommt man schon mal ins Grübeln. Aber macht ja nichts, ich hab ja noch Waldmeister-Brausebrocken. Also ab ins Wohnzimmer, an die Candy-Futtertheke und dann: suchen. Eigentlich müssten da ja mehr als ZWEI von den Dingern liegen, ist aber nicht der Fall. Und als ob das nicht reichen würde, sind die beiden auch noch gelb, also Zitrone, also die Sorte, die ich nicht mag, was nebenbei bemerkt schon wirklich lange in unserem Haushalt bekannt ist. Ich gehe also fassunglos mit den zwei ungeliebten Dingern, der halbleeren Brottüte und der fast leeren Wurstverpackung nach hinten und halte ihm alles hin.

“Baby, was ist das?”
“Ääääähhh… Also weißt du.. Heute, als du im Büro warst, da hat es geklingelt. Und da standen drei kleine Kinder bei uns vor der Tür, mit kaputten Filzhüten, alten Mänteln und Kohlestaub im Gesicht. Die leben seit 5 Jahren auf der Straße und haben seit 4 Tagen nichts mehr gegessen.. Und die waren so schwach und konnten sich kaum noch auf den Beinen halten.. Verstehst du? Die haben bitterlich geweint und gefroren und da konnte ich nicht anders.”
“Du hast sie also mit Brot, Wurst und Brausebrocken gefüttert?”
“Ja und sie waren so glücklich, du kannst dir nicht vorstellen, wie gerne man für dieses Lächeln aus strahlenden Kinderaugen Hilfe und Trost spendet.”

Aha. Ein einzelnes Gäbelchen von irgendeinem Dessert darf nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen meinen Magen erreichen, MEIN schon bei der Beschaffung hart erkämpftes Essen muss ich aber teilen, ohne überhaupt gefragt zu werden! Ich muss mir auch noch während er seinen Joghurt isst anhören, dass er traurig, unglaublich traurig ist, weil er schon den Boden sehen kann, was für mich ganz klar das Zeichen ist, meinen Joghurt so schnell wie möglich zu vernichten, damit er ihn mir nicht wegnimmt.

Aber gut. In Zukunft werde ich einfach Schokolade mit Chili-Geschmack, Zitroneneis mit Basilikum, Rosen-Sahnetorte und Erdbeeren mit Pfeffer auf den Tisch stellen. Ich hoffe, er gewöhnt sich nicht so schnell daran, wie an die Wasabi-Erbsen, aber es besteht etwas Hoffnung, dass er sich nicht ganz so schnell überwinden kann.

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4 Comments

  1. Manuel
    12/07/2009

    http://www.youtube.com/watch?v=_T51PgrsOo0

    Ich bin genau SO !

    Manuel does NOT share food!

  2. 12/07/2009

    DEM ist absolut nichts hinzuzufügen.

  3. Susanne
    19/08/2009

    @Manuel: “It taste like feet!!!”

  4. 30/05/2010

    genau so ist es

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