Männer wissen ja von Natur aus alles besser. Und können vor allem alles. Meistens meinen sie auch, alles besser zu wissen und zu können, obwohl sie von vorneherein schon wissen müssen, dass es nicht so ist. Oder wenn Gefahr droht, nicht männlich genug dazustehen oder gar – ganz schlimm – an Coolness zu verlieren. Das Männchen ist ja schließlich weltmännisch, hat schon alles gesehen oder erlebt und kann in jedem Alter eine Lebenserfahrung abrufen, die ansonsten allerhöchstens der eigene Vater aufweisen kann. Jeder Astronaut, Mikrobiologe im Ebola-Einsatz, Fremdenlegionär oder Rundumdenglobusbackpacker hat im Vergleich zum gemeinen Hausmann einen Horizont, der sich gerade mal mit dem eines eingesperrten Meerschweinchens vergleichen lässt.
Beim Monsieur gibt es mannigfaltige Momente, die diese Allmachtsphantasien besonders lebhaft darstellen. “NeinNein, das geht anders” heißt es, oder “Schaahaatz, glaub mir doch einfach, das ist soundso – ich weiß das, schließlich hab ich schon mal.” Manchmal hat er Recht, manchmal nicht. Und wenn er nicht Recht hat, wird das hinterher nicht ohne weiteres sich selbst und mir eingestanden, sondern mit gerne mal mit einem “Pffft – na SO meinte ich das auch nicht, DAS kann ja jeder (sagen)” abgetan.
Besonders schön sind allerdings die Situationen, in denen er mir wieder einmal partout nicht glauben will und dafür bitter bezahlen muss. Die Gassirunde mit dem Hund, aus sportlichen Gründen ausnahmsweise mal auf Inlineskates gedreht, kann dann schon mal zu einem Himmelfahrtskommando für alle Beteiligten werden.
“Baby, die Baustelle da vorne – ich glaub wir sollten da besser nicht lang fahren..”
“Quatsch, wir passen da durch!”
“Das meine ich doch nicht, aber siehst du den Boden? Das sieht nicht sooo gut aus für die Skates. So zum fahren meine ich.”
“Unsinn, wir fahren da durch!”
Ich sehe ihn immer kleiner werden, weil er plötzlich Anlauf nimmt um mal so richtig Schwung zu holen, könnte ja vielleicht helfen – bei einer ca. 5 cm tiefen Sandschicht. Zugegebenermaßen war mir die Tiefe beim Heranfahren auch nicht bewusst, ich dachte wie er, dass es sich nur um eine dünne Schicht Sand handelt, aber meine mittlerweile wirklich ausgedehnte Erfahrung auf diesen komischen Rollschuhen und vor allem mein Instinkt sagten mir: NICHT Gas geben. Ist in der Regel auch besser für die Kugellager, die man dann einzeln rausnehmen und reinigen kann. Hund und ich fahren also nur mittelmäßig langsam mit ein, zwei Meter Abstand zum Monsieur hinterher, er tritt noch mal richtig in die Rollen und…
Fliegt. Ein Hechtsprung allererster Sahne, mit dem Höhepunkt locker 1.5 Meter über dem Boden. Und dann knallt er wie ein nasser Sack runter, wie ein Steinblock, den man zwar irgendwie hochwerfen kann, der aber dabei weder hoch noch weit fliegt, in der Luft stehen zu bleiben scheint und dann offenbar von einer dunklen Macht (<- Schwerkraft) im Boden angesogen wird. Während ich das beobachte, muss ich aufpassen, dass mir nicht das Gleiche passiert, was geschätzte 20 cm vor dem Sandanfang etwas schwierig ist, also lege ich jetzt schon los und fange an, über Monsieur hinweg zu springen und auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zweier Rollen über die zehn Meter lange Fläche hinweg zu laufen. Mit Erfolg. Dann: Stille. Ich drehe mich um, sehe ihn am Boden liegen, stöhnend, mein erster Gedanke gilt seinem GANZ OFFENSICHTLICH angeschlagenen Brustkorb, der zweite den Formulierungen, die ich später wohl für die Absage unserer Hochzeit schreiben muss. Hund steht derweil etwas entfernt und pinkelt sich den Stress aus dem Leib, scheint aber nicht weiter interessiert.
Ich muss nicht erwähnen, dass meine reflexartig von mir gegebenen Berührungs- und Tröstversuche sofort mit den (besonders leidvoll verpackten) Worten "AAAHHH! NICHT ANFASSEN" abgewehrt wurden, so sind Männer ja immer, wenn sie Schmerzen haben, die nicht von einem grippalen Infekt ausgelöst wurden. Nachdem er zwei Minuten im Staub nach Luft gerungen hat (ich übrigens auch, lautes Lachen empfand ich nämlich als äußerst pietätlos, also habe ich die Luft angehalten, um nicht loszubrüllen), stand er auf wie ein Soldat, der gerade die Detonation einer Handgranate mit seinem noch angezogenen Pullover eingedämmt hat, schüttelte sich cowboyartig den Staub von der Jeans und wollte mit Grabesmiene und tiefster Zornesfalte den Weg fortsetzen. Natürlich nicht, ohne mir noch seine Hand zu zeigen, an der er kleinere Abschürfungen davongetragen hatte (mir fällt dabei die Werbung für diese Wundsalbe von Fenistil ein, deren Wirkstoff die Narbenbildung vermindert - “was zu einem Problem werden kann, wenn ihr MANN Narben braucht, um tolle Geschichten zu erzählen..”).
Auf meine vorsichtig rausgepresste Frage, ob wir nicht lieber die 2 Meter zurückrobben und dann den bereits zurückgelegten Weg zurückfahren sollen, kam dann wie erwartet ein entschiedenes, fast vorwurfsvolles “NEIN. WIR FAHREN AUF KEINEN FALL ZURÜCK!” Natürlich nicht. Lieber nochmal acht Meter über Sandboden stolpern. Und auf keinen Fall zugeben, dass meine Idee vor dem stuntreifen Sturz die bessere war. Dass ich Recht hatte.




ich werf mich weg vor Lachen! köstlichst! Ihr habt meine Nachtschicht gerettet!
Die Grösse zu haben ihnen das Gefühl zu geben, dass sie Recht haben, bestätigt, dass WIR Frauen immer Recht haben…. IMMER! oder so…
Ha! Ihr denkt nur, Ihr würdet uns das Gefühl geben, dass wir Recht hätten und seid dabei der Meinung, Ihr hättet dann doch Recht – aber in Wirklichkeit lassen wir Euch in dem Glauben, Ihr würdet uns denken lassen, wir hätten Recht obwohl Ihr denkt, dass eigentlich Ihr Recht habt, weil wir wissen, dass wir damit Recht haben. Denn nur so… ähm… was wollte ich sagen???
Ach lass mich doch.
@MrsWilliams: siehe Blabbermouth – weisse Bescheid, ne? ;-)
Herrlich – Ich halte hier gerade angestengt die Luft an um nicht loszuprusten ;-)
Hach ja, das kommt mir dermaßen bekannt vor und ich kann MrsWilliams nur zustimmen – die Herren im Glauben zu lassen und warten bis Sie es selbst merken ist immer noch die beste Methode ;)