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am 21.07.2009 von Blabbermouth, bisher 14 Kommentare

“So, jetzt muss ich nur noch zum dm !”

Samstägliche Einkäufe mit der Frau sind ja grundsätzlich schonmal nicht unbedingt die stressfreisten – wie ein Wahnsinniger chauffiert man das kleine Nervenbündel zu seiner Seite durch die Hektik der gesamten autofahrenden Weltbevölkerung von einem Ende der Stadt zum anderen, befüllt nach und nach den ursprünglich recht großen Kofferraum mit zahllosen Einkaufstüten und Kartons und wundert sich gleichzeitig, wohin all diese soeben erworbenen Dinge bis zum nächsten Wochenende eigentlich verschwinden.

Irgendwann erreichst Du als Mann dann diesen Punkt, an dem Du einfach stur Deinen Kopf ausschaltest und wie ein Roboter funktionierst – Parken, Einkaufswagen holen, hinterherschieben, bezahlen, Auto befüllen, weiterfahren, wieder von vorne. Stundenlang. Dieser Spannungsbogen setzt sich solange kontinuierlich fort, bis er seinen eigenen, dramatischen Climax erreicht: den

Besuch im örtlichen Drogeriemarkt

Es ist grundsätzlich schon mal absolut egal, wie groß oder klein dieser Drogeriemarkt ist: ein Weibchen kann sich in dieser Legebatterie der Kosmetikhersteller STUN-DEN-LANG aufhalten und schafft es spätestens hier, Dich an die völligen Grenzen Deiner männlichen Widerstandskräfte zu bringen.

Phase 1. Im Augenblick des Betretens der Geschäftsräume vergißt das Weibchen SOFORT die ursprüngliche Einkaufsliste, den eigenen Begleiter und sogar ihren Namen, reißt hektisch ein bis zwei Einkaufskörbe aus dem Stapel und stolpert zielgerichtet in Richtung der bunt befüllten Regale, aus denen ihr viele kleine Stimmen zubrüllen: “Kauf mich! Schnüffel an mir! Probier mich aus! Hab mich lieb!!!” – das Männchen trottet derweil lediglich brav hinterher, wundert sich über eklige bunte Fruchtriegel aus Pappe in den Regalen, muss dabei ad hoc ein bisschen würgen und verliert Madame so auch umgehend aus den Augen.

Phase 2. Es ist fast ein bisschen verwunderlich, aber eine Frau kann sich doch offensichtlich relativ lange daran aufhalten, an dutzenden verschiedener Waschmittel und Weichspüler zu schnüffeln. “Vanille”-, “Erdbeer”- und “Sommerfrische”-Duft werden Dir abwechselnd mit “Ruhezauber”, “Weiche Sinne” und “Rosentraum” unter die Nase gedrückt, so dass es die nun entstehenden Schwindelgefühle in Deinem Hirn viel erträglicher machen, gute 15 Minuten darüber zu diskutieren, ob 3-lagiges, gelbes Toilettenpapier von Charming denn nicht besser sei, als das 4-lagige in weiß, welches farblich doch VIEL besser zu den Gästehandtüchern und dem Badvorleger passt. Solche Fragen wolltest Du schon immer mal beantwortet wissen, das ist klar.

Phase 3. Während Du gerade soweit bist, langsam wieder klare Gedanken fassen zu können, weil die letzten Reste der Buntwaschmitteldämpfe Dein Kleinhirn verlassen, werden Deine olfaktorischen Fähigkeiten allerdings DIREKT wieder brutal vergewaltigt: nacheinander werden Dir zunächst 25 Flaschen Dusch- und Haarshampoo unter die Nase gehalten, wobei Dir ein zartes Drücken auf dieselben eine nicht unwesentliche Menge Parfümstoffe so extrem in den Kopf schießen lässt, dass Du sowieso nichts anderes sagen kannst als “Joooooah – riecht gut!”, während das Weibchen in ihrem Eifer schon längst dazu übergegangen ist, sämtliche nebenan stehende Deo-Sprays zunächst in die jeweiligen Verschlusskappen zu testen und Dir diese WIEDER sofort ins mittlerweile recht blasse Gesicht zu halten.

An dieser Stelle ist Dir bereits zum zweiten Mal übel – die Mischung schier endloser Duftstoffe hat Deinen Körper inzwischen zu 100% durchflutet, endlich auch Deinen Magen erreicht und sorgt nun dafür, dass die einsetzenden Schwindelgefühle auch Deinen Brechreiz an seine Grenzen bringen.

Phase 4. Deine Frage, ob es denn nun wirklich nötig sei, sich wirklich ALLES in diesem Markt detailliert ansehen zu müssen wird lediglich mit einem “JA – ALLES!” kommentiert. Zwar nutzt Du die Chance, um bei einem “WIRKLICH alles??” kurz auch den Blick auf den Po der 20jährigen Aushilfskraft schweifen zu lassen, doch selbiges wird Dir mit einem satten Ellenbogen-Hieb zwischen die Rippen quittiert, nicht ohne Dich zeitgleich in Richtung des universellen Grauens zu ziehen: die KOSMETIK-REGALE.

Phase 5. Die Kosmetik-Regale sind quasi die CIA-Wasserfolter der Drogeriemärkte. Völlig geschockt registrierst Du nur, wie auf einer Breite von gut 10 Metern vor den Regalen Hüfte an Hüfte Frauen SÄMTLICHER Altersklassen in winzig-winzig kleine Spiegelchen gaffen, während sie hunderte und aberhunderte kleiner Stifte und Eye-Liner in Millionen von Farbnuancen nahezu meditierend zunächst 2 cm aus dem Regal ziehen, um sie dann wieder zurückschieben. Man(n) ist fassungslos. Grob geschätzt jeder zehnte dieser Stiftchen wird aus dem Fach gezogen und darf auf den Handrücken der Damen ausprobiert werden, bis sich nach gut 30 Minuten Kunstwerke auf ihren Händen gebildet haben, die in dieser Form wahrscheinlich unerreicht bleiben dürften.

Phase 6. Während der kleine Tobias eine Pyramide aus 263 “Always Ultra” Binden zum Einsturz bringt und die geschätzt 12 Jahre alte Maria ihren Papa fragt, ob ihr das Make-Up von Nivea denn wohl besser stehe als jenes von Maybelline, schaffst Du es tatsächlich, die EINZIGE vorhandene Sitzgelegenheit des Drogeriemarktes zu besetzen, so dass zumindest der jetzt folgende Entscheidungsmarathon ein wenig leichter ausfällt. Während Dir 5 Lippenstifte unter die Nase gehalten werden, die für Dich ausnahmslos alle SO gleich aussehen, dass Du einfach auf einen tippst und “Der!” sagst, registriest Du bloß, dass sich der Warenkob Deiner Liebsten nach und nach immer weiter füllt – ein hilfesuchender Blick in die Richtung anderer gepeinigter Männer wird nur mit einem genauso hilfesuchenden Achselzucken quittiert.

Phase 7. Das Böse erreicht Dich zum Schluss. Irgendein findiger Kosmetik-Vertriebler hat sich nämlich ausgedacht, sämtliche Produkte seiner kleinen, grässlichen Welt für die Damen zusätzlich noch in Miniatur-Größe auf den Markt zu werfen, so dass auf dem Weg zur erlösenden Kasse direkt noch ein Zwischenstopp eingelegt werden darf. Was im Supermarkt die Süßwaren am Ausgang, ist das Miniaturausgaben-Regal für die Frau im dm-Markt – schließlich müssen Handtaschen in der Größe einer IKEA-Tüte ja auch mit irgendwas befüllt werden, das leuchtet mir ein. Während ich mit allen Kräften nach Argumenten suche, warum ich KEIN Haarschampoo “in klein” für meinen Kultur-Beutel zuhause brauche und auch die Mini-Handcrème für das Handschuhfach dankend ablehne,  sehe ich zum ersten Mal nach gefühlten Wochen wieder ein Licht am Ende des Tunnels: die Kasse.

Phase 8. Jaja, die Kasse. Drogeriemarkt-Kassen sind ja grundsätzlich mit jenen Menschen besetzt, die aufgrund ihres Arbeitstempos eher Ausnahmen darstellen – eine ALDI-Kassiererin würde für ein solches Tempo wahrscheinlich bereits nach 2 Stunden entlassen werden. Während Du als Mann damit beschäftigt bist, grob 14 winzige Umsonst-dm-Tütchen mit maximal 3 Teilen zu bepacken und Dir langsam klar wird, dass Du dieses Unternehmen mal wieder mit einem halben Monatsgehalt für verarbeitete Tierprodukte subventioniert hast, steht das Weibchen glücklich und mit der Kreditkarte winkend vor dem Bezahlgerät und wirkt fast, als habe sie mal wieder einen ihrer größten Träume verwirklicht.

Phase 9. Zuhause angekommen fällst Du geradeaus auf das Sofa und schläfst ein.

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14 Comments

  1. 22/07/2009

    hast du mein tagebuch gelesen oder was? :D

  2. 22/07/2009

    Köstlich, einfach nur köstlich… hach mein armer Mann tut mir auch echt leid, wenn ich das so lese. Ich glaub wir Weibchen übertreiben wirklich gerne mal und können alles rings um uns vergessen, wenn wir hübsche neue Flaschen voller Shampoo, Cremes, Conditioner ect. entdecken…. ;-) Hab mich dabei ertippt, das ich das mit dem Eyeliner oder Mascara rausziehen genauso mache… aber warum? Das kann ich nicht mal beantworten. Einfach nur um mal zu gucken?!? Zu gucken und zu fühlen, wie die Beschaffenheit, Form und Aussehen ist? Ich glaube schon… Denn ich glaube ein Kosmetikprodukt kann noch so toll sein, wenn die Verpackung dazu blöd aussieht und nicht gefällt ist es unwahrscheinlich auf der Produkt aufmerksam zu werden und es mitzunehmen. :-)

  3. 22/07/2009

    @electrogefahr: da siehst Du’s wieder – es ist eine GLOBALE Folter!! ;-)

    @Thomiez: vielleicht rufe ich demnächst eine Selbsthilfegruppe für Drogeriemarkt-Begleiter ins Leben, in der wir Jungs uns gegenseitig in den Arm nehmen und trösten können. Einfach mal richtig losheulen, ohne sich zu schämen. Danach fühlen wir uns besser, ganz bestimmt.

  4. westernworld
    25/07/2009

    ich finde die wirklich interessanten dinge werden uns in diesem blog schamlos vorenthalten. wie ist das denn nun so mit den banküberfällen die der halbhoheit lebensstil finanzieren?

    allein mit blabbermouthscher strengst askese ist das doch alles nicht mehr zu stemmen und stimmt es das amex schon killer auf vize angesetzt hat die offenburg aber einfach nicht bei google maps finden können?

  5. 26/07/2009

    Hihi, also meine Frau und ich haben gelacht ;) Jetzt stimmt aber der Header oben links nicht mehr (bald-Ehe), hihi ;)

  6. 26/07/2009

    @Martin: soeben geändert ;-)

  7. 05/08/2009

    Alles sehr gut beobachtet und widergegeben. ;)

  8. 05/08/2009

    Ich stürze mich immer als erstes auf das Süßigkeitenregal, packe mir mindestens 2-3 figur-fördernde Leckereien ein, die ich dann auch sogleich bezahle. So, nun kann Weibchen so lange shoppen wie sie möchte – solange sich meine Haribo-Tüte oder der Mars-Riegel nicht dem Ende neigen :)

  9. 18/08/2009

    Das ist doch mal ein Argument dafür Single zu bleiben, oder? Habe eben schön gelacht, aber mitmachen musste ich so etwas zum Glück noch nicht ;-)

    Lieben Gruß
    Sven

  10. @Sven: Ganz ehrlich? Ich würde im Leben nicht mehr auf diese fantastischen Abenteuer mit der Liebsten verzichten wollen!!

  11. 25/08/2009

    Man sollte einen Wartebereich für die Männchen einrichten mit Klappstühlen, Bild und Spielekonsole und evtl. einem von-Leidensgenosse-zu-Leidensgenosse-Brett, wo Selbsthilfegruppenabende angeboten werden. Eigentlich erstaunlich, daß da noch kein schlauer Unternehmensberater drauf gekommen ist :-)

  12. 25/08/2009

    oje, schlauer Unternehmensberater, jetzt fange ich schon an, mir selbst zu widersprechen. Wie konnte das passieren???

  13. ICH plädiere schon seit Jahren für oben genannte Sitz-Ecken für Männer – und so ziemlich jeder von uns hat sich das schonmal gewünscht. Aber: wie können wir dann ein Auge auf das Kaufverhalten der Frau haben und drauf achten, dass sie nicht alles kauft, was sie in die Finger kriegt? Ein zweischneidiges Schwert… ;-)

  14. [...] Er so: Alice im Wunderland / Sie so: Alice im Wunderland: Ich muss sagen, der Typ tut mir schon manchmal ein bisschen leid. Manchmal hat es wohl durchaus Vorteile, nicht ALLE Teile des Alltags mit seiner Partnerin zu teilen. [...]

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