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am 21.07.2009 von Vizekönigin, bisher 9 Kommentare

Es gibt Konsum-Institutionen, zu denen frau das gemeine Männchen einfach nicht mitnehmen sollte. Dazu gehören neben Schuhläden mit mehr als 30 m2 Verkaufsfläche in erster Linie Parfümerien und Drogeriemärkte. Bei Parfümerien ist es allerdings oberstes Gebot, den Mann nicht mit rein zu nehmen, weil man hier für gewöhnlich laaaange und ausführlich beraten wird. Außerdem ist es nicht besonders clever, ihn beim Bezahlen eines 100 €-Bons, auf dem nur eine Augencreme und ein Lippenstift drauf stehen, zuschauen zu lassen. Deswegen gehen wir in der Regel alleine zu Douglas.

Ein dm ist allerdings etwas anders und geradezu prädistiniert, im Doppel aufgesucht zu werden. Natürlich ist es auch hier besser, das zu vermeiden, da die Aufenthaltsdauer in einem dm auch ohne Kaufabsicht locker bei 30 Minuten liegen kann – deswegen rennen wir ja so gerne in der Mittagspause hin. Meistens fällt einem aber beim samstäglichen Einkauf ein, dass man dies und das noch braucht und das Einkaufsfeeling im dm ist selbst in Bezug auf Waschmittel einfach ein anderes als im Supermarkt. Die Sache ist nur die: während das Weibchen ziemlich schnell nach dem Betreten des Ladens den klassisch-femininen Stereotypen an den Tag legt, ist das Männchen eigentlich schon vor dem Durchschreiten der Tür zu Tode genervt. Das hemmt ein wenig, ich würde sogar sagen, es verdirbt mir den Spaß an der Shopping-Tour.

Vollkommen egal, ob ich Klopapier kaufe, Zahnpasta, Haarshampoo oder SEIN Haarzeugs, seine Aufgabe besteht ausschließlich darin, so schnell wie möglich aus der drogistischen Hölle herauszukommen. Nach Möglichkeit lebend und ohne nennenswerte Schäden an der Nasenschleimhaut, die ihm das angebotene Männerduschgel zu bereiten scheint. Monsieur rollt mit den Augen, wenn ich ihm ein buntes Obst-Spülmittel unter die Nase halte, kommt dann aber mit der Nase trotzdem nah genug ran, dass ein minimales “Squeeze” ausreicht, um ihm zumindest einen halben Zentimeter Inhalt in eben diese hineinzudrücken. Zur Strafe, weil er gerade, während ich überlegte, mit welchem Raumduft ich ihn für die nächsten 5 Wochen betöre, der 20jährigen Azubine auf den Hintern geguckt hat.

Wenn dieser Punkt erreicht ist, haben wir schon eine beachtliche Odyssee hinter uns: “Was, DA willst du dich gleich anstellen?” “Moah Baby, ist doch egal wieviele Lagen das Klopapier hat!!” “Gibts hier auch ne Spielkonsole, damit Männer und Kinder beschäftigt sind?” “Hau rein, dann schaffen wir es noch vor dem Franzosen mit den zwei Einkaufswagen!” “Dauert das noch lange??”. Bis dahin hat er aber die Wand schräg gegenüber von den Kassen noch nicht gesehen. Die, an der in 2-Meter-Abschnitten für jeden Hersteller Make up präsentiert wird. Normalerweise würde ich mir den Lippenstift ja alleine in der Mittagspause in der Parfümerie kaufen, aber das kann er jetzt vergessen: langsam ziehe ich Farbe für Farbe raus, teste rum, gucke ob es zu meinem Hauttyp passt und beziehe ihn natürlich bei jeder Farbe mit ein: “Wie findest du die Farbe? Und die?”

Die hilflosen, fast ängstlichen Blicke in Richtung anderer geschundener Männer, die ein ebenso trauriges Bild neben ihren triumphierenden Frauen abgeben (sie verhalten sich ja alle gleich, werden also auch alle bestraft – was sie nicht wissen, sie glauben ja immernoch, das dm-Verhalten wäre bei uns genetisch vorprogrammiert), nehme ich natürlich genauso wahr, wie das mitleidige Nicken eines Leidensgenossen, der mit seinem Kinn in eine mir nicht nachvollziehbare Richtung deutet. Aus den Augenwinkeln fällt mir auf, dass er Monsieur einen Stuhl gezeigt hat, auf dem er sich nun kapitulierend nieder lässt. Klare Ansage für mich, genau so weiter zu machen, vor allem, wenn er anfängt, lautstark Kommentare darüber abzuliefern, dass es ja echt lustig sei, dass ich “in einer Reihe von 6 Frauen stehe, die alle total bedächtig einen Kajalstift aus dem Regal ziehen, drehen, bestaunen und wieder reinstecken.”

Irgendwann erlöse ich ihn dann, so nach ca. 20 Minuten. Zumindest von der Farb-Folter, danach kommt ja noch die Riesen-Wand mit Produkt-Miniaturen direkt vor der Kasse. Die Frauen-Quengelware. Interessanterweise funktioniert das Prinzip bei mir mehr als gut, aber bevor ich mich richtig davon einlullen lasse, zeige ich ihm einfach alles, was ich gut finde und beschreibe mögliche Einsatzmöglichkeiten wie Urlaub, Party, einfach so für die Handtasche. Das ist dann kurz vor Exitus und der Franzose mit den zwei Einkaufswagen (in Frankreich sind Drogerieartikel unglaublich teuer, deswegen kommen sie immer zu uns) gibt ihm dann den Rest. Weil seine Kreditkarte nicht funktioniert und das Sprachproblem zwischen ihm und der Kassiererin dem Raum-Zeit-Kontinuum eine neue Dimension verleiht.

Der Alptraum ist dann vorbei, wenn wir alles ins Auto gepackt haben und er sich eine Zigarette anzünden kann. Und ich nehme mir bei allem Amusement zum hundersten Mal vor, sowas in Zukunft wieder in die Mittagspause zu verlegen.

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9 Comments

  1. 21/07/2009

    Du bist eine würdige Vertreterin unserer Zunft… :-)

    Eine bisher stille Blog- und Twittermitleserin.

    Tina

  2. Vizekönigin
    22/07/2009

    Freut mich! Und freut mich auch, dich zum Lautwerden animiert zu haben! :-)

  3. 22/07/2009

    Schön, jetzt wo ich endlich den Zusammenhang habe, wer sich hier hinter den Zeilen verbirgt bin ich noch viel begeisterter und werde auch weiterhin regelmäßig hier lesen und versuchen alles aus der Vergangenheit noch nachzulesen. Ihr schreibt echt klasse und ich bin total begeistert, wie oft ich mich und meinen Schatz in den täglichen Einerlei wieder erkennte. Kein Vergleich zum Kopfschüttelblog, den ich jetzt nicht mehr verfolge, sondern wirkliche Ansichten und Meinungen auf einem, mich ansprechendem Niveau. Echt toll!

  4. 22/07/2009

    Uh – wir sind fast zeitgleich rot geworden vor Verlegenheit … DANKE! :-)

  5. 26/08/2009

    Sehr gut beschrieben :) Daumen hoch und laut gelacht :)

  6. 26/08/2009

    Super geschrieben und direkt aus dem Leben gegriffen ;o)
    Genauso, wie es glaub ich jede Frau erlebt ;o)
    Ich finde den Blog einfach super klasse und werde mir nach und nach alle Posts durchlesen !
    Ich werden dem Blog auf jeden Fall nun folgen !

    Großes Kompliment !!!!

  7. Liebe Tanja, ich als männlicher Teil dieses Paares finde es natürlich sehr erfreulich, dass Du unser Blog SO toll findest – allerdings hätte ich doch ein WENIG mehr Mitleid für meine Ansicht dieser grausigen Vorfälle im Drogeriemarkt erhofft… aber Ihr haltet ja alle zusammen, was?! ;-)

  8. 28/08/2009

    Tja, was soll ich sagen ? Ich kann mich leider nur mit dieser Seite der Geschichte identifizieren ;o) Habe aber natürlich auch die andere Seite gelesen und denke, Du sprichst auf jedem Fall damit meinem Mann aus der Seele ;o)
    Der würde Dir das unterschreiben *lach* …

  9. [...] so: Alice im Wunderland / Sie so: Alice im Wunderland: Ich muss sagen, der Typ tut mir schon manchmal ein bisschen leid. Manchmal hat es wohl durchaus [...]

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