Archive for July, 2009

8th Jul 2009, von Blabbermouth zum Thema Diskussionen
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Für die meisten unter uns Dreibeinern dürfte es kaum etwas Neues sein, wenn das Weibchen aus einem der vielen Zimmerchen aus heiterem Himmel kreischend, weinend, zitternd und leichenblass vor Deine Füße fällt und mit den Armen wedelnd gestammelte Gurgellaute von sich gibt, die Dir schon so einiges abverlangen, um sie zu deuten.

“Sch… schhhhhhh…. Sp… SPINNÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!”

Hachja. Diese Momente genießen wir. Sehr sogar. Vor unglaublicher Männlichkeit strotzend erheben wir uns ganz laaaaaangsam von unserem erhabenen Thron (dem Sofa) und blicken beinahe mitleidig auf das am Boden hockende Häufchen Elend hinab, reichen gönnerhaft unsere starke, schützende Hand und kommentieren das Drama mit einem stolzen “Komm her, Kleine. Ich rette Dich!” – Heldenhaft, würde ich sagen, wenn nicht sogar noch weit mehr als das. Dass es sich hierbei allerdings nicht um eine außergewöhnliche Situation handelt, das wissen wir: so ziemlich jeder von uns dürfte sich bereits in so einem Notfall als größter Ehrenmann der Weltgeschichte bewiesen haben – egal ob mit Schlappen, Staubsauger, Glas oder Zeitschrift als Hilfsmittel.

In meiner Situation gestaltet sich das allerdings minimal dramatischer (wer hätte auch anders vermutet…*seufz*). MEIN Liebchen hier zuhause steht nämlich nicht nur vor dem Problem, beim Anblick der Achtbeiner in eine körperliche Schockstarre zu verfallen, sondern sie funktioniert genauso auch beim Anblick sämtlicher (und damit meine ich ausnahmslos sämtlicher!) Kleintiere, die sich auf mehr als 2 Beinen vorwärtsbewegen. Egal ob gemeine Stubenfliege, Mücke, Biene, Wespe, Käfer, Ohrenkneifer, Marienkäfer, Grashüpfer, Schnake oder Schneider – egal ob tagsüber, mitten in der Nacht oder am Wochenende, Madame kreischt mir aus jeder erdenklichen Räumlichkeit ein hilfesuchendes “Schaaaaaaaaaaaaaaatz! SCHNEEEELL!!!!” hinterher und kauert sich umgehend in genetisch vorprogrammierter Schutzhaltung irgendwo in eine Ecke.

Ich brauche gut 30 Sekunden, um mich in den Kleiderschrank zu zwängen, meine Kleidung gegen den blauen Skianzug aus Samt auszutauschen, mir das rote Badehandtuch umzuschwingen und in mein H&M-Superman-Höschen zu schlüpfen, bis ich *Swwwwwoooooooosh!” um die Ecke geschossen komme. Klingt spannend? Geht so. Die nächsten 52 Minuten verbringe ich damit, einer relativ unterbelichteten und offensichtlich nervösen Fliege hinterherzuspringen, die aufgrund ihrer Agilität einen extremen Widerstandswillen an den Tag legt. Nicht dass ich das überflüssig fände. Nein, gar nicht. Bei einer mit 36 Beinen versehenen Langhaarspinne oder einer Heuschrecke mit glühenden Augen würde ich das Theater ja noch verstehen. Aber bei einer FLIEGE???

“Mach die weg!!”
“Jaaahaaaa – ich bin doch schon dabei! Schlaf weiter!!”
“Ich kann aber nicht schlafen, wenn die hier rumfliegt!!”
“Aber die macht doch gar nix? Die piekst nicht mal!”
“Aber ich höre die!”
“Du HÖRST die Fliege?”
“Ja! Und dann kann ich nicht schlafen. Die ist eklig. Und die legt bestimmt Eier!”
“Ja. In Deine Nase. Und in die Ohren.”
“Du bist doof!!”
“Schlaf!!!!”

Gottseidank haben wir hier nur das Krisen-Modell “Fliege” als Ziel, denn im noch ärgerlicheren Zusammentreffen mit Model “Mücke” käme hier, dass die Liebste murrend und ein bisschen störrisch ins Bad rüberschlappt, sich die chemikalische Superwaffe sucht und restlos jeden Zentimeter ihrerselbst mit SO viel Anti-Mücken-Spray einsprüht, dass noch im gleichen Moment jegliche mikroskopische Lebensform im Umkreis von 10 Metern ausgelöscht wird. Und zwar unwiederbringlich.

Inzwischen habe ich ein fest dafür vorgesehenes Insekten-Einfang-Glas, die an ihrem speziellen Platz positionierte Postkarte zum drunterschieben und auch das richtige Dachfenster eruiert, welches die Rückkehr der Hausbesetzer in mein Heim als fast unmöglich gestaltet, so dass sich die alltäglichen Rettungseinsätze in relativ kurze Zeitabschnitte einteilen lassen – sofern die Kleine nicht demnächst auf die Idee kommt, ich müsse mich auch jenen Lebewesen annehmen, die mit dem bloßen Auge gar nicht zu erkennen sind, nur weil ihre reine Existenz ihr den Schlaf raubt.

Wenn ICH nämlich weiterhin nicht schlafen darf, dann brauche ich ein recht großes Glas und eine noch größere Postkarte, um Schatzi auf den Balkon zu befördern. Wär ja doof.

8th Jul 2009, von Vizekönigin zum Thema Diskussionen
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Tiere. Es gibt schöne Tiere, süße Tiere, große Tiere, kleine Tiere und ekelhafte Tiere. Mit fast allen befellten Tieren dieser Welt habe ich keine Probleme – nein, ich würde sogar sagen, ich mag alle Tiere, die man anfassen kann und die sich gut anfühlen dabei, weil sie ein warmes, kuscheliges Fell haben. Babytiere lösen bei mir den allseits bekannten, weiblichen AAAAAAWWW-Effekt aus, mich haben schon immer Haustiere in Form von Katzen (trotz Allergie), Meerschweinchen, geretteten Labormäusen und Hunden begleitet und meine Sportgeräte, die mich grob geschätzt 15 Jahre lang sehr erfolgreich meinen Sport haben ausüben lassen, waren Pferde. Fische kann ich mir angucken, brauch ich aber nicht und tun mir auch genauso leid, wie eingesperrte Vögel, die man nicht fliegen lassen kann. Reptilien jedweder Couleur sind okay, aber nichts für mich, kann man ja nicht zum kuscheln zwingen. Zu den ekelhaften Tieren zähle ich einzig und allein Insekten. Und es ist nicht so, als ob ich sie einfach nur ekelhaft anzusehen finde, je nach Tier ergreift mich auch schon mal durchaus eine Art von Panik, wenn ich sie sehe.

Meine ärztlich attestierte Arachnophobie habe ich zwar durch erfolgreiche Auto-Therapie weitestgehend in den Griff bekommen, was jedoch nicht heißt, dass ich mit den achtäugigen Viechern Schwesternschaft getrunken und sie seitdem fest in mein Leben integriert habe. Mücken gehen ebenso gar nicht und meine Panik vor Mücken hat in erster Linie mit einer etwas übersensiblen Reaktion auf Stiche dieser Biester zu tun: ich hab nicht einfach nur Stiche, sondern Beulen, von denen ich wochenlang etwas habe. Zecken sind auch so ein Ding, haben für mich überhaupt keine Daseinsberechtigung und sind hier unten, im Süden, neben nervig auch noch gefährlich. Und davon abgesehen gibt es hier nicht nur unfassbar viel mehr Insekten als im Ruhrgebiet, sondern Insektenmutanten, ich habe noch NIE so große Hornissen gesehen, wie auf unserem Balkon.

Nun habe ich ja schon mal erwähnt, dass Frau mit dem Eintritt in eine Beziehung ad hoc 50% der im Singleleben mühsam aufgebauten Selbständigkeit verliert, was durchaus auch dazu führen kann, dass eine Spinne, die einen nachts um 4 Uhr auf dem Klo von der Badewanne aus angrinst, nichts weiter als eine akute Lähmung der Muskeln, mit gleichzeitigem Extremreflex der Stimmbänder auslöst. Und jetzt lebt ja ein Mann, der Beschützer, der Superman, der immer bestrebt ist, die Sippe vor Gefahren zu schützen, im Haus. Was liegt also näher, als ihn aus dem Bett zu schreien? Nichts. Mit Glas und Postkarte bewaffnet macht er sich mehr als genervt auf den Weg, stolpert durch die Dunkelheit und ich würde ihm so gerne helfen, kann ich aber nicht, bin ja gelähmt.

Manchmal liege ich auch nachts wach, weil so ein fieses Mückenviech für den Bruchteil einer Sekunde an meinem Ohr vorbeigeflogen ist. Das Licht an, mit tellergroßen Augen, die Angst vor einer neuen Beule an der Seite des kleinen Zehs oder in der Kniekehle immer im Kopf, bewaffnet mit einer Flasche Insektizid, welches angeblich Bio ist, vom Geruch her aber eher einer Giftmülldeponie ähnelt. Obwohl ich regungslos da sitze und den Luftraum nach dem Feind abscanne, wird der Liebste wach, springt reflexartig auf und fängt an, das Schlafzimmer nach dem Störenfried abzusuchen. In meinen Träumen. In Wahrheit bin ich damit beschäftigt, so leise wie möglich Jagd auf den ungeliebten Gast zu machen, diesen im Falle des Angriffs auf den schlafenden Superhelden, der sich und seinen Schlaf durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, tot zu schlagen und mich hinterher noch dafür anmaulen zu lassen, warum ich ihn denn geweckt hätte. Mittlerweile sprühe ich mich pro forma mit Autan voll, was wiederum zu neuem Gejammer ob des mir mittlerweile ins Blut übergegangenen neuen Körpergeruchs führt.

Im Großen und Ganzen ist es jedoch sehr viel einfacher, diese Killer-Jobs zu erledigen, bevor er schläft. Ich muss auch nur noch eine bestimmte Tonart anschlagen, wenn ich “Baaaaabiiiiieeeee” rufe und er weiß sofort, was los ist. Danach wird er eine Runde angehimmelt und zack – konditioniert, klappt nach 4, 5 Mal IMMER. Und er hat dann noch die Möglichkeit, die Tiere “die doch viel mehr Angst haben”, wohlbehütet vor die Tür zu setzen. Find ich auch gut, weil ich dann keine Tiere töten und vor allem hinterher von der Wand kratzen muss.  Und außerdem ist es ja auch sein Job. So als Beschützer.