Als Frau steht man ja quasi ständig in der Pflicht, sich hübsch zu machen. Nein, nicht nur für das eigene Wohlgefühl, sondern ganz sicher auch, um dem Liebsten die Argumente für das Angaffen anderer Frauen zu nehmen. Und als ob es nicht reichen würde, dass man sogar abends zu zweit auf der Couch das Gefühl haben müsste, statt in bequemen “Haus-Klamotten” (dabei ist nicht die Rede von einem Ballonseide-Anzug) doch besser im Minirock vor dem Fernseher hin- und her zu staksen, nein – schön ist auch: “Deine Fingernägel sehen irgendwie aus wie die eines kleinen Jungen.”
Leider ist es manchen Frauen genetisch bedingt nicht möglich, sich die eigenen Krallen so gepflegt wie möglich auf eine ansehnliche Länge zu züchten, deswegen sind sie generell kurz. Auch mit Lack und egal in welcher Farbe: kurz. Sehr kurz. Da ich jedoch selber nicht besonders glücklich über diesen Umstand bin (Frauen mit dem gleichen Problem werden wissen, welches Problem gemeint ist) und ich zumindest zwei Millimeter über Fingerkuppe hinaus schon noch vertretbar finde, ist es durchaus verzeihlich, dass sogar ich mal ein Nagelstudio besuche. Am Ende einer solchen Session komme ich weder mit gepiercten, geairbrushten, viereckigen, deckweißbespitzten Megakrallen da raus, sondern mit einem verstärkten Fingernagel, der einen ganzen Millimeter länger ist, als wenn ich ihn direkt dort, wo er wächst, abschneiden würde und der über die Dauer bis zum nächsten Besuch maximal zwei weitere Millimeter länger wird. Sprich sie sind immernoch kurz.
Nun sieht es aber so aus, dass man einer solchen Prothese erstmal habhaft werden muss, ist man ja nicht gewohnt. Da können alltägliche Dinge zu einer Herausforderung werden – es war ja vorher egal, ob er wieder mal “abgebrochen” ist, war ja so dünn, dass man es kaum gemerkt hat. Die Eingewöhnungsphase dauert nicht allzu lang, aber es gibt handwerkliche Tätigkeiten, auf die frau dann einfach ganz gerne erstmal verzichtet, um nicht direkt eine Woche später wieder irgendwas nachbauen zu lassen. Sicherlich ist es für Monsieur ungewohnt, mir plötzlich bei ganz selbstverständlichen Dingen zu helfen, die ich vorher auch ohne ihn geschafft habe. Hat aber weniger damit zu tun, dass ich mich plötzlich nicht traue, eine Konservendose mit Ring am Deckel aufzuziehen bzw. diesen Ring hochzuklappen, sondern mehr mit der Tatsache, dass der Liebste aufstehen und in die Küche kommen muss. Im Kochprozess kurz anwesend sein und helfen, statt im Wohnzimmer zu warten, bis die Teller wie von frisch manikürter Geisterhand auf dem Tisch erscheinen.
Faktisch wird also nun auch alles andere, was vorher mit Jungsfingernägeln irgendwie nicht sexy genug oder schön unkompliziert war, zur Folter. Mal gedankenlos den Nacken des Liebsten kraulen kann ein Bild der Verwüstung in Form von roten Streifen hinterlassen, eine Mail tippen kann schon mal aussehen, als ob der Verfasser eine auf der Tastatur laufende Katze wäre und versehentlich mit dem Daumen im Vorbeigehen eine Wand zu streifen (gegen den “Strich”) erzeugt Schmerzen, die es locker mit der Klasse “barfuß mit dem kleinen Zeh vor das Tischbein knallen” aufnehmen können. Aber man gewöhnt sich dran. Man weiß ja auch, wofür man es tut. Unter anderem. Unschön ist nur, wenn man nach dem zweiten, tapferen Mal Maniküre nach Hause kommt und hören muss: “Das sieht ja genauso aus, als wenn du gar nichts drauf hättest. Wie ein Junge.”




Oh ja, wem sagst du das?! Ich bin ja auch so eine Kandidatin mit brüchigen und eher hässlichen Naturfingernägeln, so dass ich seit Sommer diesen Jahres auch wieder in ein Nagelstudio gehe. Ich lass mir die Nägel auch ganz natürlich machen und bloß nicht zu lang oder zu dick oder mit irgendwelchen Firlefanz drauf… einfach nur verstärken, natürlicher French in Nagelfarbe, maximal ein Farbgel über die kompletten Nägel.. (so wie jetzt, da trag ich alle Nägel kurz im herbstlichen Braunton). Ich finde das sieht gut und gepflegt aus und muss kein Grund zum schämen sein.. wir wissen ja, warum Nagelstudios nicht immer den besten Ruf haben aber solche Nägel, wie wir sie dann tragen, finde ich durchaus vertretbar. Na lange Rede, kurzer Sinn.. der Umgang muss wirklich geübt werden. Schön sind auch diese Geldschalen an der Kasse bzw. wenn diese nicht vorhanden sind. Dann das Geld aufzunehmen ist schon ein kleines Kunststück und kann u.U. leicht behindert aussehen. Oder ist dir mal eine Kreditkarte aufs Laminat gefallen?? ;) Böse Falle!
In der Küche hatte ich bislang noch keine Probleme, aber vielleicht liegt es daran, das es bei uns kein Essen aus Dosen gibt. :p ;)
Liebste Grüße!
Hey, STOP! Hier gibts auch kein Essen aus der Dose, aber wenn ich Mais brauche oder unser Hund mal einen Löffel Nassfutter braucht, um sein Trockenfutter fressen zu wollen, ist mir der Aufwand zu groß, einen Maiskolben zu bearbeiten bzw. ihm auch noch was zu kochen.. ;-) Ganz liebe Grüße zurück!
ich habe – im gegensatz zu meiner schwester – leider auch das pech, das die fingernägel bröckeln, sobald sie nur ansatzweise über die fingerkuppe hinaus wachsen. auf überlegungen meinerseits, ob ich nicht doch mal “so die nägel verstärken lassen” sollte, fragte der liebste nur entsetzt “du willst jetzt nicht ernsthaft pornoschaufeln, oder?”
zum glück können wir beide mit meinen “jungs”-fingernägeln gut leben, aber so manchmal… da schleiche ich dann doch um’s nagelstudio rum und überlege. ;-)
ich habe mädchen-fingernägel (aber ohne delfine ;o) ) und schon _sehr_ viele nagelstudios erlebt … die meisten sind in der tat so schlecht wie ihr ruf.
aber: 1.) nicht alle. es gibt ausnahmen. bei einer bin ich derzeit kunde. meine “schleiferin” hat es raus, die verstärkten nägel vorn an der kante so zu schleifen, dass keine pornoschaufeln rauskommen. auch das design gefällt mir immer wieder – es wird eben so, wie ich es möchte. keine piercings oder delfine.
2.) die länge – nun, das ist eindeutig eine reine trainingssache :o) man entwickelt mit den jahren “workarounds” wie z.b. statt des fingernagels einen löffelstiel zum öffnen von dosen mit pull-ring zu verwenden. und ich habe meistens ein visitenkärtchen in der hosentasche, um damit cds oder münzen von glatten oberflächen aufnehmen zu können.
3.) kann _ich_ trotz meiner krallen mein “moppi” selber schrauben, bewiesenermaßen. und löcher in wände bohren (neiiiiin, mit bohrmaschine natürlich *lach*). und das garagentor reparieren.
und wenn mein liebster dann meint, wegen einer lappalie wie blöd aufzunehmenden cds/münzen/schrauben lästern zu müssen, nun, dann kriegt er postwendend die retourkutsche. gelegenheit gibt es immer.
(aber er findet es schön, dass ich mein äußeres ebenso pflege wie meinen verstand oder unsere behausung – insofern hab ich selten was zu meckern :o) )