am 10.01.2010 von Blabbermouth, bisher 5 Kommentare

Mir persönlich liegt ja das doch eher schwofige “Krrrrrreuzberger Nächte sind lang – trallallallalaaa….” in den Ohren, wenn ich mich abends bettfertig mache und mich mental darauf einnorde, mal wieder eine Nacht schlafzimmerliches Beziehungsdrama vor mir zu haben. Während bereits einige Männer der deutschen Comedy-Szene ausführlich darüber aufklären, dass das nächtliche Zubettgeh- und Schlafverhalten geschlechtsreifer Paare durchaus auch seine Schattenseiten haben mag, erlebt meine Wenigkeit eben jenes in aller Härte, in aller Abgeklärtheit und voller Brutalität am eigenen Leibe.

Phase I: Das Zubettgehen
Der freie Feld- und Wiesenmann stellt es sich eigentlich recht simpel vor: eben noch ins Bad huschen, flink das Schlafshirt übergeworfen, die Socken gekonnt im 180-Grad-Bogen von der Matraze aus im Lampenschirm drapiert, das Kissen zurechtgeknüllt und – Augen zu. Denkt er. Währenddessen scheint nämlich der weibliche Gegenpart genau diese Phase des Tages doch eher dazu zu nutzen, sämtliche Synapsen noch einmal auf genetisch einprogrammierte Hochtouren zu bringen: urplötzlich verlangt es nämlich genau JETZT nach genau jenem der 23 hauseigenen Labellos, der höchstwahrscheinlich und dummerweise noch im Auto liegt, das Glas Wasser auf dem Nachttisch muss UNBEDINGT das mit dem Kirscharoma aus der Abstellkammer nebenan sein, das Ladekabel vom Telefon hat man aus Versehen noch im Wohnzimmer liegen und die Handcrème aus dem Bad bräuchte man nur eben schnell auch noch mal. Ich liege da, totmüde, der Körper einem Wachkoma gleich, während es um mich herum hektisch wird. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp, Tapptapptapp. Dann endlich die Bettdecke, Madame wickelt sich (!) in ihre 2,40 m (!) breite Bettdecke ein, umzingelt von 4 (!) Kopfkissen (“Die brauch’ ich alle zum schlafen!“) und benötigt nur noch 62 verschiedene Probeschlafstellungen, bis endlich Ruhe einkehrt. Ich seufze.

Phase II: Das Einschlafen
Sie: “Schaaaaaaatz“?
Ich: “Hm?”
Sie: “Ich kann nicht schlafen.
Ich: “Hm.”
Sie: “Ich habe so viele Gedanken im Kopf
Ich: “Ach?”
Sie: “Ja.”

Pause.

Sie: “Schatz?”
Ich: “Hmmm?”
Sie: “Bringst Du mir was mit?
Ich: “Ich… ich bin doch gar nicht weg???”
Sie: “Ich meine aus der Küche.
Ich: “Aber ich LIEGE doch hier?”
Sie: “Ich will einen Löffel Honig.”
Ich: “JETZT?”
Sie: “Hmm. Ja. Das beruhigt mich.

Phase III: Das Durchschlafen
Unser Bett bietet uns eine Liegefläche in einer Breite von EINMETERACHTZIG. von diesen EINMETERACHTZIG stehen uns zum Zeitpunkt des Einschlafens jedem tatsächlich genau die Hälfte zu – fair wie wir ja als gleichberechtigtes Paar sind. Leider kann ich nicht genau einschätzen ab wann und zu welcher Schlafphase sich dieses Verhältnis zugunsten des Weibchens verschiebt, aber ab so ungefähr 02:00 Uhr nachts werde ich zum ersten Mal wach, weil ich auf einer Breite von – sind wir mal großzügig – 23 ZENTIMETERN am Bettrand liege und mich mit einer Hand auf dem Fußboden abstütze, um nicht komplett aufs schicke Laminat zu knallen. Frau hingegen liegt quer über das Bett verteilt da und schlummert – wahrscheinlich mit vielen kleinen Gedanken im Kopf – lustig vor sich hin.

Phase IV: Das Aufwachen
Frauen haben – rein biologisch betrachtet – eine Blase von der Größe einer Erdnuss. Zumindest gefühlt. Es ist ungefähr 04:12 Uhr, als ich das erste Mal davon geweckt werde, dass *tapptapptapp, klick, pssssssssssss, shwoooooosh*! die LETZTE Phase der Nachtruhe ohne weitere Komplikationen sein Ende nimmt. Von jetzt an heißt es: alle 45 Minuten ein Besuch bei Villeroy & Boch, und zwar durchgehend bis 08:15. Nur zur Klarstellung: das sind SECHS Mal. In genau dieser Zeit, also etwa 4 Stunden, hat die Frau – statt zu schlafen – die Einkäufe für die nächsten 4 Samstage durchgeplant, 2 Urlaube im Kopf komplett durchgebucht, die ToDo-Listen der nächsten 3 Meetings im Büro durchsortiert und 67 Kleiderkombinationen für den aktuell anstehenden Tag durchgeprüft – nicht zu vergessen die verschiedenen Möglichkeiten, diese durch passendes Schuhwerk zu ergänzen, während das Männchen in den gleichen 4 Stunden die Brüste von Angelina Jolie mit einem Kugelschreiber signiert.

Phase V: Die Nach-Schlaf-Phase
Sie: “Hast Du schlechte Laune?
Ich: “Hmmm.”
Sie: “Warum sprichst Du denn so wenig?
Ich: “Kaffee.”
Sie: “Boah, ich hab wieder sooooooo schlecht geschlafen, ich versteh’ das gar nicht.”
Ich: “Ach.”
Sie: “Ja. Ich muss mal mit meinem Arzt drüber sprechen, das geht so nicht weiter.
Ich: “Hm.”
Sie: “Boah, Du bist morgens UN-AUS-STEH-LICH. Ich fahr jetzt zur Arbeit.

Und ich fahr jetzt mal zur Apotheke, Hallo-Wach-Tabletten kaufen.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (23 Stimmen bisher, Durchschnitt: 4.78 von 5)
Loading ... Loading ...

Share with Delicious Share with Digg Share with Facebook Share with LinkedIn Share with MySpace Share with reddit Share with StumbleUpon Share with Twitter

5 Comments

  1. 10/01/2010

    ey, junge lass maln codewort ausmachen, det twitterste denn und ick hol dir raus da. und nen juten scheidungsanwalt kenn ick ooch…

    ;)

    (schön wieder was zu lesen)

  2. westernworld
    10/01/2010

    auf die gefahr hin als gemein unromantisch zu gelten, aber getrennte schlafzimmer sind selbst im gut katholischen baden nicht mehr strafbar.

  3. xris
    11/01/2010

    Hach, schoen. Kann ich 1:1 unterschreiben … ausser, dass nicht ich, sondern meine Liebste meist auf dem Sofa einpennt ..

  4. simetra
    11/01/2010

    hehe. jetzt jammer mal nicht so rum – immerhin wird dein platzt erst im laufe der nacht eingeschränkt. und von eiskalten händen und füssen, die sich immer zu dir rüberschieben, ist auch nix erwähnt. da muss meiner schon ganz anderes mitmachen ^^

  5. 12/01/2010

    Halso erstmal @weternworld …. getrennte Schlafzimmer find ich grausam!!! Selbst bei meinen Großeltern.. das würde ich nie zulassen egal wie man sich gegenseitig nervt!!!

    was den Einschlafprozess gesammt angeht. Es liegt zum Teil auch an dem mann, dass ich immer wieder aufstehen muss. Sind alle Fenster zu, ist die Tür abgeschlossen?
    Er rennt herum, um seinen PC endlich auszumachen (der neben dem Bett steht), Händy suchen, damit man am nächsten Tag auch geweckt wird. Der Tv läuft wegen beiden Seiten, mit Sleeptimer, bis beide kein Interesse mehr haben. Und wie schon beim Sie-Teil erwähnt weckt der Herr auch die Frau oft genug mit Schnarchen oder Schlafwandeln. Das ist dann ausgeglichen Gerechtigkeit?

Gib Deinen Senf dazu!