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Orion - 100 % Erotik



am 10.01.2010 von Vizekönigin, bisher 4 Kommentare

Der allabendliche Zubettgang sieht in der Regel so aus: Man zieht sich um, wahlweise werde ich vom Liebsten ins Bett getragen oder zumindest dorthin begleitet, indem er meine Hand in seiner einen Hand hält und mich mit der anderen Hand sanft vor sich herschiebt, er schlägt mir die Decke zurück, legt meine Kissen so zurecht, dass ich mich einfach hineinsinken lassen kann, gibt mir noch einen Kuss auf die Stirn, wünscht mir süße Träume und ich falle in den wohlverdienten Tiefschlaf. Fast.

Tatsächlich muss Monsieur ziemlich regelmäßig von mir von der Couch geprügelt werden, nachdem ich vorher im 10-Minuten-Takt mehr als unglaubwürdig versichert bekomme, er sei noch nicht eingeschlafen, er würde nachdenken, nur kurz die Augen zu machen, nein, noch nicht rüber, man dürfe ja wohl mal 2 Minuten dösen. Die ersten zwei, drei Male finde ich es noch lustig, ihn mit der “Schläfst du schon?!”-Frage aus dem Delirium zu reißen, irgendwann wird es aber auch langweilig und anstrengend, da mein Körper beim ständigen Anblick dieser kurzzeitigen und harmlosen Leblosigkeit ebenfalls das Recht auf eine Pause einfordert.

Interessanterweise kann ich bis zum Zeitpunkt des Umzugs ins Schlafzimmer unser 5.1-Heimkinosystem mit “Saving Private Ryan” beglücken und den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufdrehen, eine 60-minütige Telko mit meiner besten Freundin, die ich zu dem Zeitpunkt schon mindestens 6 Monate nicht mehr gesehen habe, führen, der Hund kann imaginäre Einbrecher anbellen, die Nachbarn klingeln, weil sie ein Paket für uns abgeben wollen: er hört nichts. Vielleicht tut er auch nur so, man weiß es nicht. Aber abgesehen von “Sollen wir nicht rüber gehen?” reagiert er auf nichts. Vielleicht noch auf das Rascheln einer Toffifee-Verpackung, aber ansonsten auf nichts.

Einmal im Schlafgemach angekommen, werden die übrig gebliebenen Klamotten, die auf dem Weg dorthin nicht schon einfach dort, wo sie sich zum Zeitpunkt des Ablegens befanden, auf den Boden geknallt, die Jeans immer zuerst mit der Gürtelschnalle auf das Laminat. Immer. Von dort aus fällt Monsieur nur noch der Länge nach ins Bett, dreht sich ohne ein Wort weg und fängt sofort an zu schnarchen. Ein Schelm, wer da vermutet, dass sofort die REM-Phase einsetzt, denn wenn mir dann einfällt, dass ich noch etwas brauche, was sich aber nicht in greifbarer Nähe befindet, sprich mich dazu zwingt, aufzustehen, wird das selbstverständlich mit einem lauten, vorwurfsvollen Ausatmen quittiert. Zugegebenermaßen denke ich zu einer Uhrzeit, kurz bevor die Nacht am kältesten ist, nicht immer an alles, es kann also durchaus schon mal sein, dass ich das Ganze noch einmal wiederhole und dann versuche, mich abzulegen. Zu diesem Zeitpunkt hat Monsieur aber schon einen Arm auf mein Kissen geworfen und um ihn nicht zu wecken, versuche ich mich irgendwie drumherum zu drapieren, was auch schon mal etwas länger dauern kann. Unnötig zu erwähnen, dass nach spätestens 20 Sekunden Bettdecken- und Kissenanordnung der Gatte aus dem Schlaf schreckt, mich mit großen Augen anschreit und genervt “BOAH BABY, WIE LANGE DAUERT DAS DENN NOCH?!?” schnauft.

Irgendwann, wenn wir noch kurz darüber diskutiert haben, ob ich, die noch nicht einschlafen kann, den Fernseher anmachen, eine Einschlaf-App starten oder lesen darf, kann oder soll, ist Ruhe. Nicht ohne mich mit schlechtem Gewissen zurück zu lassen, weil der Herr ja eh immer so schlecht einschläft, weil ich so einen Stress mache, egal ob direkt (Wasserflasche holen) oder indirekt (externe Einschlafhilfen). Klar. Ich bin zu diesem Zeitpunkt zwar die, die mit tellergroß aufgerissenen Augen an die Decke starrt und versucht, nach Möglichkeit mit extremst flacher (will sagen kaum vorhandener) Atmung und minimalsten Bewegungen einzuschlafen, aber gut. Er hat Einschlafprobleme. MEIN Vonzehnbisfünfzehnuhr-Tiefschlaf ist nicht mehr existent, ich schlafe oft schlecht ein und fast nie durch. Die Gründe fürs Wachwerden zu der Uhrzeit, in der die Nacht am kältesten und dunkelsten ist, sind mannigfaltig, ein nicht seltener Grund ist jedoch die Schnarcherei des Herren an meiner rechten Seite. Oder der Kampf um die gemeinsame Riesen-Bettdecke, die ich mittlerweile für mich alleine beanspruche, er hat nun eine eigene. Bettdecke ist geregelt, Schnarchen wird einfach weggelogen, dafür wird wieder besonders vorwurfvoll geatmet, wenn ich wieder ins Bett komme. WENN ich wieder ins Bett komme, ich hab mir in der letzten Zeit angewöhnt, beim ersten Wachwerden mit Sack und Pack ins Wohnzimmer zu ziehen, damit mein verzweifelter Lidschlag beim Versuch, wieder einzuschlafen, Monsieur nicht um seinen Schlaf bringt.

Am Morgen muss ich dann zusehen, wie ich klar komme, wenn ich nach dieser besonders schönen Form der Erholung topfit im Büro Gewehr bei Fuß stehen muss. Nachdem ich mir sagen lassen darf, dass ich als Bettgefährtin ziemlich anstrengend bin. Aber für den Liebsten kein Problem, ich fahre dann nämlich ins Büro und er kann sich nochmal ein Stündchen hinlegen.

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4 Comments

  1. 11/01/2010

    Ja! Ja! Ja!

    Wie gut ich das kenne… Das Licht im Wohnzimmer, das Geflacker des Fernsehers, das Geknurre des Hundes, nö, das stört doch nicht.

    Aber wehe wenn ich bei Licht, dessen Helle jeden Augenarzt glücklich auflachen lässt, weil er mir demnächst wieder neue Gläser verschreiben darf, noch ein paar Seiten im Bett lesen möchte, pfff, denkste, dabei kann mann doch nicht schlafen, das stört…

  2. simetra
    11/01/2010

    *unterschreib*

  3. 12/01/2010

    Bei mir ist das Wachwerden in der Nacht auch oft damit begründet, dass mein Liebster schlafwandelt und durchs Zimmer läuft, Redet und im besten Fall auch noch Licht anmacht.
    Manchmal ist es aber dann auch lustig wie einfach man ihn dann beeinflussen kann .. hihi..da hört er meistens aufs Wort ;)

    Das einnehmen meines kopfkissens kenne ich auch gut. Ich quetsch mich dann einfach auf meine Seite und meistens dreht er automatisch ab.. sein glück, dann sonst würde er weggeschoben werden !!! :)

  4. Kalle
    02/02/2010

    “zugegebenermaßen denke ich zu einer Uhrzeit, kurz bevor die Nacht am kältesten ist, nicht immer an alles, es kann also durchaus schon mal sein, dass ich das Ganze noch einmal wiederhole”

    ich frag mich gerade was man denn so alles braucht zum einschlafen…..vielleicht solltest du dir ne Checkliste machen! Scheint ja doch mehr zusein als Mann glaubt!

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