Archive for February, 2010
Männer sind ja von Haus aus immer sehr kritisch gegenüber der exzessiven Kosmetik-Probierwut ihrer Frauen. Das kann sich auf höchst unterschiedliche Art und Weise äußern; die einen meckern, die anderen belehren, wieder andere ignorieren. Meiner belehrt in erster Linie und verdreht die Augen. Das würde ja alles nichts bringen, er hätte ja ne Bekannte, die bei Penaten arbeite, die ihm versichert habe, dass das alles totaler Humbug sei, ob man sich nun Creme für 80 oder für 3 € ins Gesicht schmieren würde, undsoweiterundsofort. Ja natürlich, denke ich mir dann immer, wohlwissend, dass ich gar keine Creme für 80 € im Schrank stehen habe und nach Lust, Laune und Hautbild trotzdem weiter wechseln und ausprobieren werde.
Soll er doch weiter Wasser, Seife und gar nichts benutzen und sich weiterhin fragen, wieso er im Winter so ein unangenehmes Gefühl im Gesicht hat, welches aber ganz sicher nichts mit der Kälte oder der Heizungsluft zu tun hat – eine Wintergrippe ist im Anmarsch, jawohl. Ich kaufe mir meine Sachen einfach immer dann, wenn er gerade nicht da ist und wenn wir doch zufällig zusammen in der Stadt sind, parke ich ihn einfach vor dem Einzelhandel meiner Wahl, drücke ihm den Hund in die eine, ein Eis in die andere Hand und versuche, die hilfreichen, besonders clevere Oberlehrer-Ratschläge nach dem Kauf einfach an mir abprallen zu lassen.
Seit einiger Zeit passieren jedoch merkwürdige Sachen. Kürzlich ist mir zum Beispiel etwas aufgefallen, ich konnte allerdings nicht sagen, was genau. Etwas war anders im Badezimmer. Ich hab es wahrgenommen, aber nur aus dem Augenwinkel. Kurzzeitig war ich versucht, zu glauben, er hätte irgendwas von mir weggetan, es versteckt oder weggeschmissen, nur um mal zu testen, ob es mir überhaupt auffällt. Da meine Serie aber komplett und ohne nennenswerte Veränderungen genau da stand, wo sie immer steht, habe ich es für eine Halluzination gehalten und bin nicht weiter drauf eingegangen. An einem Morgen bin ich schlaftrunken ins Bad, in dem ich Monsieur wider Erwarten vorfand und mir war, als hätte er sich erschrocken, als ich rein kam. Ich hätte schwören können, er hatte meine Augencreme in der Hand, es sah aber irgendwie auch so aus, als ob er einfach nur aufräumen würde und meine Müdigkeit nahm mir dann etwas von meiner Sicherheit.
Als ich meinen Gatten dann beim letzten Drogeriemarktbesuch vom netterweise mittig im Laden aufgestellten Männerparkplatz (Stuhl neben Wasserautomat) abholen wollte, war erstaunlicherweise zumindest nicht MEIN Mann an Ort und Stelle aufzufinden. Leicht genervt bin ich also in Richtung Rasierklingen, wo ich ihn dann doch am ehesten vermutet hätte – doch auch dort keine Spur von ihm. Panik. Kurzzeitig überlegte ich, meinen Kleinen aurufen zu lassen, als ich seine Mütze auf der anderen Seite hinter einem Regal aufblitzen sah. Ha! Beim Haarzeugs also! Wer nun denkt, ich hätte richtig gelegen, liegt wiederrum falsch. Eine Art optische Täuschung war schuld daran, dass er von weit weg doch größer wirkte, als er tatsächlich ist und je näher ich seinem Kopf kam, desto kleiner wurde er. Er stand also ein Regal weiter. Dort, wo Hautpflegeprodukte standen, für Männer natürlich. Mit einer Anti-Falten-Creme in der einen und einem Augengel in der anderen Hand. Für Männer, natürlich.
Ich: “Schatz, was hast du da?”
Er: “Wie jetzt, wo?”
Ich: “Da, in deiner Hand.”
Er: “Ach soo, DAS! Wollte mir den Mist nur mal anschauen, son Zeugs.”
Ich: “Okay. Ich hab alles, sollen wir gehen?”
Er: “Hmm.. Ja. Guck mal, das soll Falten glätten, lustig, oder?”
Ich: “Ja, irre lustig.”
Er: “Und das soll sogar die Haut einfärben, verrückt, sowas.”
Ich: “Ja, das ist verrückt. Selbstbräuner, wer darauf wohl gekommen ist.. Kommst du?”
Er: “Ja, aber guck mal hier – das sind zwei verschiedene Sachen in einer Flasche, warum ist das so?”
Ich: “Das sind zwei unterschiedliche Sachen mit unterschiedlichen Wirkstoffen, die man aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen nicht in eine Flasche tun soll.”
Er: “Aaahh, die eine erfrischt, die andere glättet.”
Ich: “Ist ja nicht wahr. Willst du haben?”
Er: “NeinNeinNein, sowas brauch ich nicht. Ich will in Würde altern.”
Ich: “Gut, und warum hast du das Augengel jetzt in den Korb geworfen?”
Er: “Ich dachte, du bräuchtest das!”
Ich: “Nein, ich brauche nur Scheuermilch, Augencreme hab ich noch. Und ich benutze prinzipiell nichts, wo “men” drauf steht.”
Er: “Achso.”
Ich: “Willst du es dann nicht lieber wieder rausnehmen?”
Er: “Willst du es nicht mal ausprobieren?”
Spätestens jetzt dürfte jeder hier mitlesenden Frau, der schon mal was ähnliches passiert ist, klar sein, was in diesem Moment in mir vorgegangen ist. Wenn man nicht weiß, ob man verwirrt, ängstlich oder belustigt sein soll, fängt man schon mal einfach so an, hysterisch zu lachen. Und spätestens hier ist klar, dass wir die Augencreme gekauft haben. Und das passende Waschgel (“Das erfrischt die Haut, cool, oder?”), die Feuchtigkeitspflege und die Anti Age-Pflege.
Meine Flaschen sind jetzt von einer bemerkenswert umfangreichen Hautpflegeserie for men in eine sehr enge Ecke gedrängt worden. Und vor kurzem habe ich mit ihm zusammen im Bad gestanden und gestaunt, als ich gesehen habe, dass er nicht Produkt A morgens und Produkt B abends benutzt, sondern sich einfach gnadenlos alles nacheinander ins Gesicht schmiert.
“Ich werde ja auch nicht jünger, irgendwas muss ich ja machen.”
Die winzige Bad-Veränderung, die ich nur am Rande mitbekomme habe, war übrigens, wie ich nach investigativer Recherche und mit Naher-Osten-Verhörmethoden herausgefunden habe, eine Pflegeprobe, die er aus einer meiner Zeitschriften herausgerissen und so unauffällig wie möglich hinter meiner elektrischen Zahnbürste versteckt hat. Noch Fragen?
Mädchen sind komisch. Sie behaupten ohne Unterlass steif und fest, dass es im Großen und Ganzen relativ überlebenswichtig sei, sich morgens, mittags und auch abends Crèmes in der Preisklasse einer Münchener Eigentumswohnung ins Gesicht zu schmieren, weil sie ganz genau nur deswegen so frisch, jung und dynamisch aussehen, wie sie es denn nunmal tun. Ohne diese Crème hätten sie LÄNGST Fältchen, ohne jene wäre die Haut viel zu unrein und ohne die Vierfach-Kombi mit Schmiergelpapier-Effekt würde man sie ja ohnehin überhaupt niemals wiedererkennen können. Gottseidank gibt es da draußen Forscher, die in ihrer jahrelangen Arbeit tatsächlich Mittelchen erfunden haben, Dank derer unsere weiblichen Pendants zwar Unsummen liquider Mittel in die Pharma-Industrie pumpen, die aber genau deshalb das Wunder ewiger Jugend und Unschuldigkeit erschaffen haben. Hallelujah.
Etwa 23 unterschiedliche Tuben, Fläschchen, Ampullen, Stiftchen und Döschen füllen also nun unsere Ablageflächen im Bad, Crèmes, Puder, Pasten, Pinsel und Quasten reihen sich ordentlich aufgereiht im hübschen Regal, füllen des Liebchens Handtaschen, erfüllen die Türfächer der Autos, besetzen Nacht-Tischchen und schlummern in Reiseköfferchen. So kenne ich es, so habe ich es akzeptiert. Zwar weine ich noch immer jedes Mal an der Kasse ob der putzigwinzigklitzekleinen Döschen für 83,00 EUR, aber wir wollen einfach nicht mehr drüber diskutieren, nicht mehr argumentieren, nicht mehr richtigstellen: für SIE liegt es natürlich NICHT am fehlenden Schlaf, an der Flasche Wodka vom Wochenende, am blauen Dunst oder an mangelnden Vitaminen – nein! Die böse Mutter Natur ist es, die die zarten Püppchengesichter der ewigen Schönheit schon in so jungen Jahren in harten Stein zu meißeln versucht…
Sie: “Schatz warte – hier ist Kiehl’s hier muss ich mal kurz rein…”
Ich: “Aber wieso denn das schon wieder?”
Sie: “Ich brauche eine neue Gesichtscrème.”
Ich: “Du hast doch schon total viele Gesichtscrèmes?!”
Sie: “Die sind aber nicht gut.”
Ich: “Wieso? Was machen die?”
Sie: “Die sind nicht gut.”
Ich: “Ja aber WIE-SO sind die nicht gut?”
Sie: “Mahaaann, die funktionieren nicht!”
Ich: “Wie, die funktionieren nicht? Wie sollen die denn funktionieren? Die sollen doch nur crèmen?”
Sie: “Schatz, magst Du nicht bitte draußen warten?”
Na super. Weil die Oma es vor knappen 30 Jahren nicht lassen konnte, den kleinen Schreihälsen den alten Schmink- und Frisurkopf vom Dachboden zum Spielen auszupacken müssen WIR also nun mit kleinen Shopping-Tütchen in irgendeiner Fußgängerzone doof in die Gegend gucken und kleine Pröbchen für den Mann einpacken, mit denen wir von so ziemlich keinem unserer besten Freunde irgendwo gesehen werden wollen.
Sie: “Schatz guck mal hier.”
Ich: “Wo? Was?”
Sie: “Hier, mein Gesicht!”
Ich: “Ja, das ist Dein Gesicht.”
Sie: “Siehst Du das denn nicht?”
Ich: “Was? Das ist Dein Gesicht!”
Sie: “Ja aber das sieht total unrein aus! TOTAL unrein!”
Ich: “Hmm. Also…ich… neee?”
Sie: “Doch. Tut es. Du siehst das nicht. Ich vertrage meine Crème nicht.”
Ich: “Du siehst nicht anders aus als sonst.”
Sie: “Du bist blind. Ich brauche wirklich eine andere Crème. Ich vertrage die nicht. Du verstehst es nicht.”
Amos Bronson Alcott (1799 – 1888) sagte einst: “Es ist besser, für etwas zu kämpfen, als gegen etwas.” Nun, im Grunde ist es mir eher relativ egal, wen oder was dieser Mensch damit denn nun meinte, weil ich dieses Zitat grad eben erst gegoogelt habe… aber als Mann hast Du nur eine Wahl: Segregation oder Assimilation, den ewigen, nie enden wollenden Kampf der Überzeugung gegen die Übermacht weiblicher Sturheit, oder die Anpassung, den Wandel, den Wechsel der Fronten: seit letzter Woche habe ich eine Tagescrème von Balea. Aber die gefällt mir nicht, ich habe das Gefühl sie spannt. Ich merke das. Nun habe ich eine zweite Crème, extra für Männer, mit doppeltem Effekt, da kommen eine blaue und eine weiße Crème gleichzeitig raus, wofür weiß ich nicht. Und ein Gel, für die Augenringe. Und ne Handcrème.



