Wenn frau irgendwann mal an sich runtersieht, oder den Blick in einen Spiegel wirft, fällt ihr auf, was sich in einem Beziehungsleben alles so verändert hat: in erster Linie der eigene Körper. Im Singlemodus noch rank und schlank und vollkommen problemlos immer wieder die ein, zwei Kilo zum Traumgewicht heruntergehungert, weggesportelt und/oder -gefeiert, ist ein Beziehungs- oder Ehekörper irgendwann träge und aus der Form geraten. Es wäre dann auch sehr einfach, sich einzugestehen, dass man sich eventuell etwas hat gehen lassen, sowas will man sich aber auch nicht eingestehen, selbst wenn man weiß, dass es so ist. Klingt ja auch irgendwie unschön. Es ist auch nicht dieses Gehenlassen, welches man in irgendwelchen Boulevard-TV-Formaten bestaunen kann, sondern einfach die Bequemlichkeit, die ein solches Leben mitbringt.
Für Sport ist keine Zeit, gefeiert wird aufgrund fehlender Jagdinstinkte nicht mehr, abendliches Dinner-Cancelling wird gecancelt, weil man ja jemanden zu versorgen hat. Die Durchschnitts-Singlefrau kommt auf 2 Mahlzeiten am Tag (also die, die Frühstück braucht), ab und zu (sprich ca. 2, 3x die Woche, je nach Date-Terminplanung) auch auf 3. Die Ehefrau kommt bei anständiger Maßregelung auf mindestens 3 Mahlzeiten am Tag, die letzte besonders üppig und garniert mit einem süffig-süßen Dessert, das ganze ungefähr 5x die Woche, am Wochenende können es durch diverse Zwischenmahlzeiten auch schon mal grob 8 Mahlzeiten sein. Es wird nichts weggeschmissen, irgendwer isst den Rest immer und ungefähr 10 Monate später wiegt man zwischen 5 und 15 Kilo mehr. Egal ob Mann oder Frau.
Dem Mann fällt sowas meistens erst dann auf, wenn er aus der Versenkung auftaucht und seine Jungs trifft, die ihn dann fragen, ob die Frau gut kochen kann. Der Frau fällt es oft schon viel früher auf, sie ist aber aufgrund der neu auferlegten Essgewohnheiten viel zu sehr damit beschäftigt, ihn dafür verantwortlich zu machen, als selber was zu tun. Den Zeitpunkt haben wir nun überschritten.
Wenn Kosenamen wie “Fetty”, “Moppel”, “Mopsi” oder “Seekuh” irgendwann ganz selbstverständlich über die Lippen gehen und nicht nur äußerst selten mal spaßeshalber in eine Diskussion eingeworfen werden, die Augen verdreht werden, weil wieder ein Pudding geopfert wird und eben dieser Pudding mit bösartigsten Sprüchen wie “naja, wenn du meinst, du könntest dir das noch leisten” für sich gewonnen werden soll, ist die Zeit für ein vollkommen übertrieben groß angelegtes Sportprogramm, diverse Diätversuche und regelmäßige Aufsuche der im Badezimmer angesiedelten Waage gekommen.
Da wird sich hochmotiviert neues Equipment gekauft, bei Kursen angemeldet, schon mal vorsichtshalber der Startplatz beim Marathon gesichert (“Das ist für die Motivation!”) und Sportarten an die Oberfläche gezogen, die man eigentlich nur aus dem Sportfernsehen kennt. Gilt in unserem Fall teilweise für beides, aber wenn Monsieur plötzlich anuft und mitteilt, in der benachbarten Kampfkunstschule könne man HEUTE! DIREKT! in den KARATE-ANFÄNGERKURS! einsteigen, wird man schon etwas misstrauisch. Natürlich könnte sein Ehrgeiz durch meine diversen VHS-Kurse, zu denen ich mich neuerdings morgens vor der Arbeit prügle, geweckt worden sein. Die Tatsache allerdings, dass bis auf das eine Probetraining in der Karateschule bisher außer großen Worten noch nichts passiert ist, zeigt mir, dass der Geist da doch ein wenig stärker war, als der Körper. Das wäre ja eigentlich auch nicht das, was er eigentlich wolle, er wolle lieber wieder laufen gehen, schließlich wohne er ja jetzt quasi wieder neben seiner alten Laufstrecke und das Karate-Training helfe bei den Marathon-Vorbereitungen ja auch nicht. Gut, seine spontane Abneigung, die genauso schnell kam, wie die sponate Begeisterung eine Woche vorher, könnte auch damit zu tun haben, dass er schon beim megaheftigen Hardcore-Aufwärmtraining fast kollabiert ist und noch an diesem Abend seine Ernährung umstellen, mit dem Rauchen aufhören und zusätzlich noch jeden Tag mindestens 5 Stunden Ausdauertraining jedweder Couleur machen wollte.
Fairerweise muss ich dazu sagen, dass es mir bei meinem ersten Bodypower-Kurs ähnlich ging und ich 36 Stunden nach meiner ersten Stunde auf einem Pferd nach 8 Jahren “Pause”, trotz eines ausgedehnten Rheumabades nicht in der Lage war, mich ohne jammern und stöhnen zu bewegen. Aber immerhin hab ich schon drei Sportarten hinter mich gebracht, die vierte und fünfte kommen in den nächsten 7 Tagen dazu und die sechste in ca. 2-3 Wochen. Außerdem will ich jetzt ein Pony.




Oh ja!!! Das stimmt!!! Leider :(
Nun habe ich/wir was dagegen unternommen: zusammen ins Gym gehen! Man motiviert sich gegenseitig und hat keine Ausrede mehr.
Das haben wir auch ausprobiert, allerdings hat es bei uns dazu geführt, dass wir uns gegenseitig höchst erfolgreich vom Training abgehalten haben. Irgendeiner hat immer keine Lust.. ;-)
Ich sehe die Schuld ja eher bei dem Sekten-gleichen Generve der uniformierten Fitness-Studio-Angehörigen, die einem beim Betreten des Ladens ein unüberhörbares “Heeeeeey, IHR ward ja seit WOCHEN nicht mehr hier!!” entgegen schmetterten, was die Aufmerksamkeit sämtlicher Gäste auf sich zog. Dazu nervige “Wollt Ihr nicht mal wieder Trainieren-Emails” – und Öffnungszeiten, die nur Menschen ohne geregelte Arbeitszeiten ansprach – SO nicht, liebe Sportler! ;-)
Ich denke wenn beide Partner etwas für sich tun, sich pflegen, schick anziehen, egal wie lange sie zusammen sind wird der eine den anderen aufrütteln auch was zu tun und es nicht so weit kommen zu lassen. Wenn man sich Partner anschaut die lange verheiratet sind, dann sehen die doch immer gleich aus. Entweder beide sportlich oder etwas schlumprich oder eben schick.