“Oh, das ist ja eine Überraschung.”
“Ja, ich dachte, ich hole dich vom Bahnhof ab, nachdem wir uns schon so lange nicht mehr gesehen haben.”
“Toll.”
“Okay, ich dachte, du freust dich ein bisschen mehr..”
“Jaja, nimm meinen Koffer.”
“Aber ich.. Ich…”
“Ey, ICH… ICH… ÖÖÖ… ÄRGS… ÖÖÖCH! Du Krüppel! Mir egal, ich hab zu tun jetzt. Nimm meinen Koffer und sieh zu, ich muss noch jemanden abholen.”
“Ich kann nicht doch schwere Sachen allein tragen!” *röchel* “Wen denn?”
“Das weißt du ganz genau. Und wenn du beim Auto bist, warte da, wir müssen noch was erledigen.”
“Ähm – kommst du nicht mit? Hallo? Renn doch nicht so, du weißt doch, dass ich keine Luft kriege!”
“Hahahahahaaaar, ist mir doch egal! Los, schneller! LOS, SCHNELLER!
Cut. Ich werde wach, röchelnd, schweißgebadet, weinend und STINKSAUER. Nicht nur, dass mein Mann mich gerade einen ganzen Traum lang betrogen und das auch noch jedem in unserem Bekanntenkreis mitgeteilt hat, er war auch noch un-fass-bar gemein und bösartig zu mir – und das, obwohl ich doch schon seit Jahren und für immer mit einem rieeeesengroßen Luftröhrenschnitt leben muss!
Zugegebenermaßen sollte das durch die halbgeöffneten Augen einfallende Tageslicht ausreichen, um wieder klar zu kommen, etwaige Rachephantasien und den starken Groll gegen den Liebsen abzuschalten. Leider funktioniert das aber nicht immer, aber zum Glück passiert mir sowas generell nicht allzu häufig. Natürlich weiß ich, dass es nichts bringt, ihm dann bei noch nicht ganz, aber schon fast vollem Bewusstsein noch im Bett vors Schienbein zu treten, bis er wach wird, aber es ist auch irgendwie putzig. Nein, ich mache es echt nicht aus Absicht, aber ein, zwei Sachen hindern mein schwer beleidigtes Unterbewusstsein, mein Gehin ad hoc auf Normalniveau nach dem Wachwerden zu pushen. Dieses verwirrte Gesicht, vollkommen ahnungslos aber gleichzeitig extrem bemüht, alles richtig zu machen, weil ja offensichtlich IRGENDWAS vorher falsch gelaufen sein muss. Der weit aufgerissene und dennoch sprachlose Mund, in einem sich schüttelnden und verquollenen Gesicht und ein gleichermaßen ratloser wie entsetzter Blick, der versucht, zu verstehen, was gerade in mich gefahren ist.
Nicht ganz so lustig ist dann aber seine doch höchst unsensible Reaktion auf meinen gerade erlebten Albtraum, nachdem er sich wieder gefangen hat. Ein Tritt zurück. Eine kurze, aber sehr unangenehme Kitzelattacke. Schallendes Gelächter. Ob ich denn jetzt vollkommen übergeschnappt sei, ob eine kalte Dusche jetzt vielleicht ein probates Mittel wäre oder – sofern ich hysterisch anrufe – ob ich ihn deswegen unbedingt 2 Minuten vor seinem Meeting anrufen müsste. Gut, letzteres hatte ich wirklich nur reflexartig und während eines Anfalls wirklich tiefer Trauer (und kaum zu bändigender Wut – der Luftröhrenschnitt, ihr wisst schon) ein einziges Mal getan und dabei in der Tat nicht bedacht, was genau er gerade tun könnte. Ging ja auch nicht, ich war in dem Moment viel zu sehr mit Hass beschäftigt.
Irgendwann fangen wir uns dann beide wieder, ich komme wieder runter und manchmal liegt das sogar daran, dass er mich beruhigt hat. Und das könnte daran liegen, dass ihm vielleicht eingefallen ist, dass ich ein paar Nächte zuvor von ihm durch eine satte Ohrfeige wach geworden bin. Versehentlich. Ich hätte ne Affäre mit seinem Arbeitskollegen gehabt – ich kenne btw keinen einzigen seiner Arbeitskollegen.




Und ich dachte immer, ich sei die Einzige, die mit dieser kaum beherrschbaren Wut nach solchen Träumen wach wird und es nur mit grosster Mühe schafft, ihn so wie immer zu behandeln, weil ja schliesslich alles nur ein Traum war…
…endlich mal normaaaale menschen :) letzte woche mittwoch…sie hat mich mit einem dicken hässlichen ex-freund betrogen und mich jahrelang an der nosn herumgführt…sowas macht den tag unnötig kompliziert :) ich fühle mit dir, achie :)
Ich glaube das ist jedem schon mal passiert. Die Fragen ist warum träumt man sowas. Man erwacht wie aus dem Koma und hat echt Probleme wieder ins Leben zurück zu finden. Blos gut das es nicht nur mir so geht.