Federtheater

13th Apr 2010, von Blabbermouth zum Thema Federtheater
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Mich persönlich beschleicht ja in den meisten Fällen eine eher unschöne innere Grund-Unruhe, wenn ich bei dem Blick aufs Telefon FÜNF Anrufe in Abwesenheit von der Liebsten zu sehen bekomme – zum einen, weil es morgens 8:00 Uhr ist, zum anderen, weil die Kommunikationsanfragen direkt von der knappen, aber deutlich unfreundlichen Kurznachricht “Warum gehst Du nicht ans Telefon???” untermauert werden. Das Zurückrufen in einer solchen Situation ähnelt ein bisschen dem Öffnen eines Briefes mit der Aufschrift “Finanzamt” oder “GEZ” – man weiß nicht, was einen erwartet, aber es kann auch eigentlich nur was Schlimmes sein…

Ich wähle. Es klingelt. Es klingelt noch mal. Am anderen Ende der Verbindung höre ich plötzlich, wie ein nervlich völlig überlastetes, am Boden zerstörtes Häufchen Elend mit zitternder Stimme in den Hörer schluchzt…

Sie: “WO BIST DU?! Du bist so ein gemeines Arsch, wie konntest Du mir das nur antun?! Dass Du SO unverschämt und böse sein kannst, das hätte ich nie nie nie (!) von Dir gedacht!!! Wie konntest Du mir so weh tun und so wenig Rücksicht auf meine Krankheit und meine Gefühle nehmen? Wie konntest Du SO herzlos sein und mit dieser Frau rummachen?? Mir ging es so schlecht und Du lässt mich einfach da stehen und läufst auch noch weg und weißt genau dass ich alleine nicht hinter her komme und dass ich viel VIEL zu schwach bin und dann lachst Du mich auch noch aus und schubst mich einfach zur Seite…”

Für einen kurzen Moment bin ich nicht sicher, ob ich die richtige Nummer gewählt habe, traue mich dann aber doch, ein “Ääääääh – WAS?” in den Hörer zu flüstern.

Sie: “Ich habe so schlimme Sachen von Dir GETRÄUMT!!!”

Halleluja. Nicht, dass Du als Mann ja nicht eh schon relativ regelmäßig in der Position bist, Dich als unsensibler Grobian darstellen zu lassen, der ja kaum Verständnis für die zarten Seelchen einer Frau hat und sowieso gar nicht nachvollziehen kann, wie diese engelsgleichen Geschöpfe der Natur denn nun wirklich ticken – JETZT muss Du Dich auch noch für Sachen rechtfertigen, die Du nicht nur NICHT, sondern wenn überhaupt dann auch noch in einem Traum (!) getan haben sollst, was Dich eine an sich recht logische Argumentationskette für Dein Verhalten (welches ja real gar nicht existiert) allgemein nicht ganz soooo einfach aufbauen lässt. Um es auf den Punkt zu bringen: IST DAS WEIB JETZT TOTAL DURCHGEKNALLT??

Gottseidank bin ich ja doch ein wenig erfahren im Umgang mit der weiblichen Chaos-Denke und kriege mich – wenn auch eher langsam – irgendwie doch noch in den Griff: ich spule die Headlines sämtlicher Beziehungs-Notfallpläne und Beruhigungsmaßnahmen in Extrem-Situationen ab und versuche durch sonores Einreden auf das schluchzende Elend mit ruhiger und sanfter Stimme erst einmal das Wimmern abzustellen, damit Puls und Atmung der Frau wieder ein akzeptables Mittelmaß erreichen. Ich finde heraus, was ich im Traum alles verbrochen haben soll (bin dabei ETWAS verletzt, weil man mir unterstellt, ich habe sie trotz ihres angeblichen Luftröhrenschnittes meine Koffer schleppen lassen, während ich mit einer meiner Affären (Mehrzahl!) nach Hause geturtelt bin) und konzentriere mich intensiv darauf, keine falschen Aussagen oder sogar Lacher raus zu lassen, da die Situation jederzeit wieder zu kippen droht, was wahrscheinlich in einem hysterischen Schrei-Anfall gipfeln könnte.

Ich versichere eindringlich und wiederholt, dass die Liebste nicht nur KEINEN Luftröhrenschnitt hat (was ein kurzer Blick in den Spiegel ja doch irgendwie überzeugend belegen würde), sondern auch, dass ich genau wie sie die letzten 7 Stunden geschlafen habe und mich nach dem Aufstehen tatsächlich direkt auf den Weg ins Büro gemacht habe – ohne Koffer und ohne anderweitige weibliche Begleitung. Gebetsmühlenartig wiederhole ich meine Beschwörungen, komme mir ein wenig vor wie ein murmelnder Voodoo-Priester – schließlich müssen mich die Kollegen ja nicht unbedingt hören, wenn ich gerade sage: “Schatz, ich würde Dich trotz Deiner körperlichen Behinderung doch nicht meine Koffer schleppen lassen!” oder “Mausi, ich mache doch nicht mitten auf der Straße mit der anderen rum, wenn DU heulend daneben stehst!”.

Wichtig an dieser Stelle: die gute Mischung aus beruhigen, aufbauen, knuddeln und reanimieren. Nicht ganz leicht, wenn man 400 Kilometer entfernt von zuhause am Telefon sitzt, während ein Haufen Kollegen um Dich herum wuselt und Dir damit nicht die beste Ausgangsituation für sowas schafft. Aber ich wäre ja nicht ICH, wenn ich nicht auch das bewältigen würde – und so schaffe ich es nach etwa 30 Minuten der Beschwörung und Liebesbekundung tatsächlich doch, die Dame am anderen Ende der Leitung davon zu überzeugen, dass sie wirklich ganz problemlos joggen gehen kann, weil ihr KEIN Schlauch aus dem Kehlkopf hängt und dass ich auch wirklich keine Überwachungskamera über meinem Bett brauche, wenn ich nicht zuhause bin.

Als wir auflegen und ich mein Büro verlasse, schaut mich ein Kollege verständnisvoll an, Klopft mir wortlos auf die Schulter und verschwindet seufzend an seinem Platz. Wir verstehen uns, wir Männer.

13th Apr 2010, von Vizekönigin zum Thema Federtheater
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“Oh, das ist ja eine Überraschung.”
“Ja, ich dachte, ich hole dich vom Bahnhof ab, nachdem wir uns schon so lange nicht mehr gesehen haben.”
“Toll.”
“Okay, ich dachte, du freust dich ein bisschen mehr..”
“Jaja, nimm meinen Koffer.”
“Aber ich.. Ich…”
“Ey, ICH… ICH… ÖÖÖ… ÄRGS… ÖÖÖCH! Du Krüppel! Mir egal, ich hab zu tun jetzt. Nimm meinen Koffer und sieh zu, ich muss noch jemanden abholen.”
“Ich kann nicht doch schwere Sachen allein tragen!” *röchel* “Wen denn?”
“Das weißt du ganz genau. Und wenn du beim Auto bist, warte da, wir müssen noch was erledigen.”
“Ähm – kommst du nicht mit? Hallo? Renn doch nicht so, du weißt doch, dass ich keine Luft kriege!”
“Hahahahahaaaar, ist mir doch egal! Los, schneller! LOS, SCHNELLER!

Cut. Ich werde wach, röchelnd, schweißgebadet, weinend und STINKSAUER. Nicht nur, dass mein Mann mich gerade einen ganzen Traum lang betrogen und das auch noch jedem in unserem Bekanntenkreis mitgeteilt hat, er war auch noch un-fass-bar gemein und bösartig zu mir – und das, obwohl ich doch schon seit Jahren und für immer mit einem rieeeesengroßen Luftröhrenschnitt leben muss!

Zugegebenermaßen sollte das durch die halbgeöffneten Augen einfallende Tageslicht ausreichen, um wieder klar zu kommen, etwaige Rachephantasien und den starken Groll gegen den Liebsen abzuschalten. Leider funktioniert das aber nicht immer, aber zum Glück passiert mir sowas generell nicht allzu häufig. Natürlich weiß ich, dass es nichts bringt, ihm dann bei noch nicht ganz, aber schon fast vollem Bewusstsein noch im Bett vors Schienbein zu treten, bis er wach wird, aber es ist auch irgendwie putzig. Nein, ich mache es echt nicht aus Absicht, aber ein, zwei Sachen hindern mein schwer beleidigtes Unterbewusstsein, mein Gehin ad hoc auf Normalniveau nach dem Wachwerden zu pushen. Dieses verwirrte Gesicht, vollkommen ahnungslos aber gleichzeitig extrem bemüht, alles richtig zu machen, weil ja offensichtlich IRGENDWAS vorher falsch gelaufen sein muss. Der weit aufgerissene und dennoch sprachlose Mund, in einem sich schüttelnden und verquollenen Gesicht und ein gleichermaßen ratloser wie entsetzter Blick, der versucht, zu verstehen, was gerade in mich gefahren ist.

Nicht ganz so lustig ist dann aber seine doch höchst unsensible Reaktion auf meinen gerade erlebten Albtraum, nachdem er sich wieder gefangen hat. Ein Tritt zurück. Eine kurze, aber sehr unangenehme Kitzelattacke. Schallendes Gelächter. Ob ich denn jetzt vollkommen übergeschnappt sei, ob eine kalte Dusche jetzt vielleicht ein probates Mittel wäre oder – sofern ich hysterisch anrufe – ob ich ihn deswegen unbedingt 2 Minuten vor seinem Meeting anrufen müsste. Gut, letzteres hatte ich wirklich nur reflexartig und während eines Anfalls wirklich tiefer Trauer (und kaum zu bändigender Wut – der Luftröhrenschnitt, ihr wisst schon) ein einziges Mal getan und dabei in der Tat nicht bedacht, was genau er gerade tun könnte. Ging ja auch nicht, ich war in dem Moment viel zu sehr mit Hass beschäftigt.

Irgendwann fangen wir uns dann beide wieder, ich komme wieder runter und manchmal liegt das sogar daran, dass er mich beruhigt hat. Und das könnte daran liegen, dass ihm vielleicht eingefallen ist, dass ich ein paar Nächte zuvor von ihm durch eine satte Ohrfeige wach geworden bin. Versehentlich. Ich hätte ne Affäre mit seinem Arbeitskollegen gehabt – ich kenne btw keinen einzigen seiner Arbeitskollegen.

10th Jan 2010, von Blabbermouth zum Thema Diskussionen, Federtheater
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Mir persönlich liegt ja das doch eher schwofige “Krrrrrreuzberger Nächte sind lang – trallallallalaaa….” in den Ohren, wenn ich mich abends bettfertig mache und mich mental darauf einnorde, mal wieder eine Nacht schlafzimmerliches Beziehungsdrama vor mir zu haben. Während bereits einige Männer der deutschen Comedy-Szene ausführlich darüber aufklären, dass das nächtliche Zubettgeh- und Schlafverhalten geschlechtsreifer Paare durchaus auch seine Schattenseiten haben mag, erlebt meine Wenigkeit eben jenes in aller Härte, in aller Abgeklärtheit und voller Brutalität am eigenen Leibe.

Phase I: Das Zubettgehen
Der freie Feld- und Wiesenmann stellt es sich eigentlich recht simpel vor: eben noch ins Bad huschen, flink das Schlafshirt übergeworfen, die Socken gekonnt im 180-Grad-Bogen von der Matraze aus im Lampenschirm drapiert, das Kissen zurechtgeknüllt und – Augen zu. Denkt er. Währenddessen scheint nämlich der weibliche Gegenpart genau diese Phase des Tages doch eher dazu zu nutzen, sämtliche Synapsen noch einmal auf genetisch einprogrammierte Hochtouren zu bringen: urplötzlich verlangt es nämlich genau JETZT nach genau jenem der 23 hauseigenen Labellos, der höchstwahrscheinlich und dummerweise noch im Auto liegt, das Glas Wasser auf dem Nachttisch muss UNBEDINGT das mit dem Kirscharoma aus der Abstellkammer nebenan sein, das Ladekabel vom Telefon hat man aus Versehen noch im Wohnzimmer liegen und die Handcrème aus dem Bad bräuchte man nur eben schnell auch noch mal. Ich liege da, totmüde, der Körper einem Wachkoma gleich, während es um mich herum hektisch wird. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp. Licht aus, Licht an. Tapptapptapp, Tapptapptapp. Dann endlich die Bettdecke, Madame wickelt sich (!) in ihre 2,40 m (!) breite Bettdecke ein, umzingelt von 4 (!) Kopfkissen (“Die brauch’ ich alle zum schlafen!“) und benötigt nur noch 62 verschiedene Probeschlafstellungen, bis endlich Ruhe einkehrt. Ich seufze.

Phase II: Das Einschlafen
Sie: “Schaaaaaaatz“?
Ich: “Hm?”
Sie: “Ich kann nicht schlafen.
Ich: “Hm.”
Sie: “Ich habe so viele Gedanken im Kopf
Ich: “Ach?”
Sie: “Ja.”

Pause.

Sie: “Schatz?”
Ich: “Hmmm?”
Sie: “Bringst Du mir was mit?
Ich: “Ich… ich bin doch gar nicht weg???”
Sie: “Ich meine aus der Küche.
Ich: “Aber ich LIEGE doch hier?”
Sie: “Ich will einen Löffel Honig.”
Ich: “JETZT?”
Sie: “Hmm. Ja. Das beruhigt mich.

Phase III: Das Durchschlafen
Unser Bett bietet uns eine Liegefläche in einer Breite von EINMETERACHTZIG. von diesen EINMETERACHTZIG stehen uns zum Zeitpunkt des Einschlafens jedem tatsächlich genau die Hälfte zu – fair wie wir ja als gleichberechtigtes Paar sind. Leider kann ich nicht genau einschätzen ab wann und zu welcher Schlafphase sich dieses Verhältnis zugunsten des Weibchens verschiebt, aber ab so ungefähr 02:00 Uhr nachts werde ich zum ersten Mal wach, weil ich auf einer Breite von – sind wir mal großzügig – 23 ZENTIMETERN am Bettrand liege und mich mit einer Hand auf dem Fußboden abstütze, um nicht komplett aufs schicke Laminat zu knallen. Frau hingegen liegt quer über das Bett verteilt da und schlummert – wahrscheinlich mit vielen kleinen Gedanken im Kopf – lustig vor sich hin.

Phase IV: Das Aufwachen
Frauen haben – rein biologisch betrachtet – eine Blase von der Größe einer Erdnuss. Zumindest gefühlt. Es ist ungefähr 04:12 Uhr, als ich das erste Mal davon geweckt werde, dass *tapptapptapp, klick, pssssssssssss, shwoooooosh*! die LETZTE Phase der Nachtruhe ohne weitere Komplikationen sein Ende nimmt. Von jetzt an heißt es: alle 45 Minuten ein Besuch bei Villeroy & Boch, und zwar durchgehend bis 08:15. Nur zur Klarstellung: das sind SECHS Mal. In genau dieser Zeit, also etwa 4 Stunden, hat die Frau – statt zu schlafen – die Einkäufe für die nächsten 4 Samstage durchgeplant, 2 Urlaube im Kopf komplett durchgebucht, die ToDo-Listen der nächsten 3 Meetings im Büro durchsortiert und 67 Kleiderkombinationen für den aktuell anstehenden Tag durchgeprüft – nicht zu vergessen die verschiedenen Möglichkeiten, diese durch passendes Schuhwerk zu ergänzen, während das Männchen in den gleichen 4 Stunden die Brüste von Angelina Jolie mit einem Kugelschreiber signiert.

Phase V: Die Nach-Schlaf-Phase
Sie: “Hast Du schlechte Laune?
Ich: “Hmmm.”
Sie: “Warum sprichst Du denn so wenig?
Ich: “Kaffee.”
Sie: “Boah, ich hab wieder sooooooo schlecht geschlafen, ich versteh’ das gar nicht.”
Ich: “Ach.”
Sie: “Ja. Ich muss mal mit meinem Arzt drüber sprechen, das geht so nicht weiter.
Ich: “Hm.”
Sie: “Boah, Du bist morgens UN-AUS-STEH-LICH. Ich fahr jetzt zur Arbeit.

Und ich fahr jetzt mal zur Apotheke, Hallo-Wach-Tabletten kaufen.

10th Jan 2010, von Vizekönigin zum Thema Diskussionen, Federtheater
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Der allabendliche Zubettgang sieht in der Regel so aus: Man zieht sich um, wahlweise werde ich vom Liebsten ins Bett getragen oder zumindest dorthin begleitet, indem er meine Hand in seiner einen Hand hält und mich mit der anderen Hand sanft vor sich herschiebt, er schlägt mir die Decke zurück, legt meine Kissen so zurecht, dass ich mich einfach hineinsinken lassen kann, gibt mir noch einen Kuss auf die Stirn, wünscht mir süße Träume und ich falle in den wohlverdienten Tiefschlaf. Fast.

Tatsächlich muss Monsieur ziemlich regelmäßig von mir von der Couch geprügelt werden, nachdem ich vorher im 10-Minuten-Takt mehr als unglaubwürdig versichert bekomme, er sei noch nicht eingeschlafen, er würde nachdenken, nur kurz die Augen zu machen, nein, noch nicht rüber, man dürfe ja wohl mal 2 Minuten dösen. Die ersten zwei, drei Male finde ich es noch lustig, ihn mit der “Schläfst du schon?!”-Frage aus dem Delirium zu reißen, irgendwann wird es aber auch langweilig und anstrengend, da mein Körper beim ständigen Anblick dieser kurzzeitigen und harmlosen Leblosigkeit ebenfalls das Recht auf eine Pause einfordert.

Interessanterweise kann ich bis zum Zeitpunkt des Umzugs ins Schlafzimmer unser 5.1-Heimkinosystem mit “Saving Private Ryan” beglücken und den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufdrehen, eine 60-minütige Telko mit meiner besten Freundin, die ich zu dem Zeitpunkt schon mindestens 6 Monate nicht mehr gesehen habe, führen, der Hund kann imaginäre Einbrecher anbellen, die Nachbarn klingeln, weil sie ein Paket für uns abgeben wollen: er hört nichts. Vielleicht tut er auch nur so, man weiß es nicht. Aber abgesehen von “Sollen wir nicht rüber gehen?” reagiert er auf nichts. Vielleicht noch auf das Rascheln einer Toffifee-Verpackung, aber ansonsten auf nichts.

Einmal im Schlafgemach angekommen, werden die übrig gebliebenen Klamotten, die auf dem Weg dorthin nicht schon einfach dort, wo sie sich zum Zeitpunkt des Ablegens befanden, auf den Boden geknallt, die Jeans immer zuerst mit der Gürtelschnalle auf das Laminat. Immer. Von dort aus fällt Monsieur nur noch der Länge nach ins Bett, dreht sich ohne ein Wort weg und fängt sofort an zu schnarchen. Ein Schelm, wer da vermutet, dass sofort die REM-Phase einsetzt, denn wenn mir dann einfällt, dass ich noch etwas brauche, was sich aber nicht in greifbarer Nähe befindet, sprich mich dazu zwingt, aufzustehen, wird das selbstverständlich mit einem lauten, vorwurfsvollen Ausatmen quittiert. Zugegebenermaßen denke ich zu einer Uhrzeit, kurz bevor die Nacht am kältesten ist, nicht immer an alles, es kann also durchaus schon mal sein, dass ich das Ganze noch einmal wiederhole und dann versuche, mich abzulegen. Zu diesem Zeitpunkt hat Monsieur aber schon einen Arm auf mein Kissen geworfen und um ihn nicht zu wecken, versuche ich mich irgendwie drumherum zu drapieren, was auch schon mal etwas länger dauern kann. Unnötig zu erwähnen, dass nach spätestens 20 Sekunden Bettdecken- und Kissenanordnung der Gatte aus dem Schlaf schreckt, mich mit großen Augen anschreit und genervt “BOAH BABY, WIE LANGE DAUERT DAS DENN NOCH?!?” schnauft.

Irgendwann, wenn wir noch kurz darüber diskutiert haben, ob ich, die noch nicht einschlafen kann, den Fernseher anmachen, eine Einschlaf-App starten oder lesen darf, kann oder soll, ist Ruhe. Nicht ohne mich mit schlechtem Gewissen zurück zu lassen, weil der Herr ja eh immer so schlecht einschläft, weil ich so einen Stress mache, egal ob direkt (Wasserflasche holen) oder indirekt (externe Einschlafhilfen). Klar. Ich bin zu diesem Zeitpunkt zwar die, die mit tellergroß aufgerissenen Augen an die Decke starrt und versucht, nach Möglichkeit mit extremst flacher (will sagen kaum vorhandener) Atmung und minimalsten Bewegungen einzuschlafen, aber gut. Er hat Einschlafprobleme. MEIN Vonzehnbisfünfzehnuhr-Tiefschlaf ist nicht mehr existent, ich schlafe oft schlecht ein und fast nie durch. Die Gründe fürs Wachwerden zu der Uhrzeit, in der die Nacht am kältesten und dunkelsten ist, sind mannigfaltig, ein nicht seltener Grund ist jedoch die Schnarcherei des Herren an meiner rechten Seite. Oder der Kampf um die gemeinsame Riesen-Bettdecke, die ich mittlerweile für mich alleine beanspruche, er hat nun eine eigene. Bettdecke ist geregelt, Schnarchen wird einfach weggelogen, dafür wird wieder besonders vorwurfvoll geatmet, wenn ich wieder ins Bett komme. WENN ich wieder ins Bett komme, ich hab mir in der letzten Zeit angewöhnt, beim ersten Wachwerden mit Sack und Pack ins Wohnzimmer zu ziehen, damit mein verzweifelter Lidschlag beim Versuch, wieder einzuschlafen, Monsieur nicht um seinen Schlaf bringt.

Am Morgen muss ich dann zusehen, wie ich klar komme, wenn ich nach dieser besonders schönen Form der Erholung topfit im Büro Gewehr bei Fuß stehen muss. Nachdem ich mir sagen lassen darf, dass ich als Bettgefährtin ziemlich anstrengend bin. Aber für den Liebsten kein Problem, ich fahre dann nämlich ins Büro und er kann sich nochmal ein Stündchen hinlegen.