Hochzeit
Ausnahmsweise mal eine gemeinsame Meldung: Noch 68 Tage bis zur Hochzeit, bei beiden gute 10 Kilo zu viel auf der Waage. Nur schmerzhafte Einbußen können uns jetzt dazu bringen, unsere Körper auf damaliges Single-Niveau zu stutzen, nur eine harte, grausame Wette zwischen uns beiden kann uns dazu nötigen, uns dieses Mal wirklich daran zu halten und es durchzuziehen.
Was tut ihr weh, was ihm? Es ist ganz einfach, liegt so nahe: Er, Ex-Kölner voller Sehnsucht nach seiner Stadt am Rhein, sie Elektro-Mädchen mit Hang zu Musik, die er eher als einen Defekt der CD deuten würde, denn als “Musik”.
Absprache: ER verliert bis zur Hochzeit ZEHN Kilo. Wenn nicht, muss er mit ihr eine Veranstaltung mit elektronischer Tanzmusik besuchen. SIE verliert bis zur Hochzeit ACHT Kilo. Wenn nicht – festhalten! – muss sie mit ihm in Köln Karneval feiern…
Dass das Ganze sicher nicht gesund sein wird, wissen wir. Ist ja nicht unsere erste Diät. Dass das Ganze ein brutaler Zweikampf wird, wissen wir auch – Mann gegen Frau, quasi im Schützengraben voreinander, mit bösen, fiesen und hinterhältigen Mitteln. Aber am Ende zählt die Waage – und die lügt nicht.
Eine Hochzeit ist mit Planung verbunden. Und mit Entscheidungen, Emotionen, Diskussionen und noch mehr Entscheidungen. Selbst ein Projektmanagerpärchen wird hierbei an seine Grenzen gebracht, da eine Hochzeit nicht einfach nur ein Projekt, sondern DAS Projekt schlechthin ist. Für die Braut ist es sicherlich noch viel anstrengender, da sie (wie der Bräutigam grundsätzlich natürlich auch) ganz sicher davon ausgeht, dass das nur einmal im Leben passieren wird und (und da hätten wir den Unterschied) ganz sicher sein will, dass dieses einmalige Event bis ans Lebensende unvergessen bleibt.
Gut, man muss nicht hysterisch werden, vor allem nicht 6 Monate vorher. Dennoch erschien mir die Idee, den schönsten Tag unseres Lebens ausschließlich auf QUICKSNAPS (analog und ohne Hinterher-aufs-Display-guck-lösch-und-nochmal-auslös-Möglichkeit), die AM TISCH (also ausschließlich während der Party verfügbar) für ALLE GÄSTE (egal wie lustlos, betrunken und damit unfähig, ein Knöpfchen auf einer mit Pappe ummantelten Plastikdose zu finden) rumliegen, als doch sehr pragmatisch und weniger dazu geeignet, anschließend die Best Shots in DIN A0-Größe an die elterliche Wohnzimmerwand zu tapezieren. Ich finde auch nicht, dass unsere Gäste, die den Tag mit uns genießen sollen, einen Jobauftrag für eben diesen Tag bekommen müssen. Hinzu kommt auch noch der kleine Einwand, dass wir uns diese Fotos im besten Fall die nächsten 50 Jahre ansehen und dabei nach Möglichkeit nicht immer denken sollten: Ach mann, hätten wir damals mal die paar Kröten mehr ausgegeben, glaubt uns doch kein Mensch, was damals abgegangen ist. Oder sie eben gar nicht ansehen.
Aber das hätten wir jetzt erledigt. Der Mann ist der Kopf im Haus, die Frau der Hals, der den Kopf dreht. Nach einigen Diskussionen habe ich ihn davon überzeugt, dass es sinnvollere Sachen gibt, als Liveshow-Einlagen mit einer Gedächtnishaltbarkeit von maximal 6 Monaten – insbesondere, wenn man für das Geld das fehlende Budget für den Fotografen aufbringt. Und das habe ich so subtil hingekriegt, dass er den Vorschlag von ganz alleine gebracht hat. Ich hätte jetzt übrigens gerne eine andere Location. Mal sehen, wie ich das hinkriege.
Apropos Hochzeit. Wo wir schonmal beim Thema sind, meine ich. So eine Planung dieses besonderen und ja auch irgendwie recht einmaligen Tages ist ja nun auch nicht von schlechten Eltern. Ich meine – nicht, dass ich nicht einen zumindest sooo überflüssigen Teil bei dieser ganzen Sache beitrage – aber im Zuge dessen finde ich es ja auch schon super, wenn die klitzekleinen Details dann hier und da auch mal von MIR als Mann entschieden werden. Falsch: ich FÄNDE es super. Denkst Du allerdings, Du könntest hier in irgendeiner Form das beeinflussen, was die kleine Prinzessin bereits seit ihrem Fötal-Zustand unabänderlich in ihren Genen mit sich trägt – nämlich den exakten Ablauf dieses einen, IHREN Tages – dann hast Du Dich geschnitten.
Letztendlich läuft das so: sie hat es so unglaublich gut drauf, Dir ihre eigenen Wünsche so in Dein Unterbewusstsein einzupflanzen, dass Du sie am Ende sowieso für Deine eigenen hältst. Stolz und frohen Mutes erzählst Du Deinen besten Freunden und Verwandten, dass Ihr Euch für diesen und jenen Programmpunkt in dieser und jener Form entschieden habt, ohne dass Dir an irgendeiner Stelle auffällt, dass das eigentlich genau das ist, was SIE sich am Anfang bereits zurechtgelegt hat, während Deine Ur-Planung von dem Ganzen doch recht schnell irgendwo im Nirvana verschwindet. Selbstverständlich erscheint es so, als wären Zeremonie, Party, Umgebung und Wahl der Musik auf Deinen Mist gewachsen – allerdings handelt es sich dabei lediglich noch um die Überschrift auf Deinem Word-Dokument mit dem Titel „Projekt: Hochzeit“.
Kleines Beispiel? Gut. Als Mann bist Du natürlich der Meinung, dass es völlig ausreichend ist, alle Tische mit Einweg-Kameras zu versorgen und das Ganze dann am Ende zu einem lustigen Fotoalbum zusammenzukleben, während Dir die Liebste offenbart, dass der Typ mit der ultramodernen Hochleistungskamera (der ja eine ganze Reportage davon machen muss, wie sie in ihr Kleid hüpft) einen halben Monatslohn kosten wird. Du schluckst 3 Mal, versucht halbherzig Gegenargumente zu liefern, kannst aber im entschiedenen Gesicht Deines weiblichen Gegenübers neben dem gedanklichen Aufstampfen des Fußes deutlich lesen: „ICH WILL ABER!!!“ Okay. Machen wir. Kein Ding.
Ganz wichtig: SIE ist die Prinzessin und DU der charmante Gentleman – und das heißt frei übersetzt: „Tu gefälligst, was ich Dir sage!“ Schreibt Euch das hinter die Ohren.



