Krankheit
Wenn Deine Frau Kopfschmerzen oder ihre Tage hat, dann darfst Du als Mann wirklich nicht zimperlich sein – Deine Aufgabe ist es in diesem Fall, einfach auch die andere Wange hinzuhalten, wenn Du aufgrund mangelnder Laune oder chronischer Schmerzen sowieso schon das Daueropfer spielst. Wenn es Dir selber mal nicht so gut geht, dann mußt Du das natürlich mit Dir selbst ausmachen, denn so ein kleiner Schnupfen oder eine unbedeutende Erkältung können Dich und Dein Testosteron natürlich nicht aus der Bahn werfen. Kommt es dann aber DOCH mal so richtig böse, dann bist Du schlichtweg geliefert.
Aufgrund der – warum auch immer – existierenden These, wir Männer würden ja im Krankheitsfall so unglaublich leiden, hat sich bei der Frau ganz pauschal eine notorische Abwehrhaltung gegen jegliche Form von Mitleid oder Verständnis entwickelt. Während Dir jedes verfluchte Gelenk schmerzt als würde eine Arthrose Deine 80jährigen Knochen zerlegen und Dein Kopf durch den Totalverschluß sämtlicher Nebenhöhlen zu zerbersten droht, während Deine Temperatur unaufhörlich höher steigt und sich Schweißausbrüche mit Schüttelfrost abwechseln, währenddessen sitzt Deine Frau neben Dir und tröstet Dich lediglich mit einem ironisch gemeinten “Du armer, armer, armer Mann!!”.
Da liegst Du also, um Dich dreht sich alles, Du kannst nicht schlafen und nicht wach sein, Du kannst nichts essen oder trinken, jeder Schritt auf den Beinen wird zum Kraftakt – und nicht einmal das nahende Weihnachtsfest vermittelt der Liebsten das nötige Mitleid mir Dir und Deinem Dasein als sterbendes Etwas. Während ich also schmerzerfüllt und leidend daliege und die Krankenschwester an meiner Seite darum anflehe, mir wenigstens mein kleines Näschen ein wenig von seiner Last zu befreien, erfahre ich wiedereinmal, dass die weibliche Kälte und fehlendes Mitleidsgefühl selbst für den eigenen Lebenspartner nicht aus dem Weg geräumt werden…
Ich: “Meine Nase läuft pausenlos, ich kriege keine Luft mehr!
Sie: “Nase putzen vielleicht? Soll ich dir Nasenspray besorgen?”
Ich: “Gibst du mir bitte ein Taschentuch?”
Sie: “Hier ist eins..”
Ich: “Ich kann mich nicht bewegen, es tut alles weh!!! Hilf mir! Hilf mir!!!”
Sie: “Ich soll dein Taschentuch festhalten, während du reinrotzt?!?”
Ich: “Reicht Deine Liebe nichtmal SO weit, als dass Du das tun könntest?”
Natürlich hat die Liebe nicht so weit gereicht – und die Tatsache, dass ich in der Stunde meines Ablebens nahezu alleine war, hat mir am Ende wahrscheinlich sogar wieder mehr gebracht, als ich es eingestehen würde: sei Dir selbst am nächsten!!
Er: “*schnief* Wenn ich heute Nacht sterben sollte, wäre es ja doof, wenn ich nicht wüsste, was ich zu Weihnachten bekommen hätte, oder?”
Ich: “Im Prinzip schon, aber du musst ja gar nicht sterben heute Nacht, oder?”
Er: “Doch, ich glaube schon. Ich hab *räusper* Halsschmerzen und fühle mich gar nicht gut, ich werde richtig krank. *hüstel*”
Ich: “Gut, dann heute Nacht Bescheid wenn du stirbst, dann verrate ich es dir.”
Er: “Bescheeeeeid! *röchel*”
Ich: “So nicht!”
Er: “*schluck* Du bist soooo herzlos! *schluchz*”
Natürlich. Ich habe ihn vorher mit Transpulmin einbalsamiert, ihm Halsschmerztabletten in den Mund gesteckt und Tee gekocht. Natürlich wollte er das alles nicht, leiden ist ja viel besser. Lieb gehabt, umsorgt, mit ihm gesprochen, als wäre er 6 Jahre alt – aber so ist das halt: wenn Männer krank werden. Ihr kennt das. Da muss man als Frau auch schon mal Aufgaben annehmen, die einen über sich selbst hinaus wachsen lassen:
Er: *schnief* “Meine Nase läuft! *schniefschnief*”
Ich: “Nase putzen vielleicht? Soll ich dir Nasenspray besorgen?”
Er: “Ein Taschentuuuuuch! *schniefschniefschnief*”
Ich: “Hier ist eins..”
Er: “Halt das fääähääääst!! *kreisch*”
Ich: “Ich soll dein Taschentuch festhalten, während du reinrotzt?!?”
Er: “Ja, das wirst du bei unseren Kindern auch tun müssen!!”
Jup. Muss ich wohl, aber die werden zu diesem Zeitpunkt schlichtweg nicht in der Lage sein, es selbst zu tun. Aber das unterscheidet sie ja auch eigentlich nicht besonders von einem kranken Mann…





