Shoppen

11th Mar 2010, von Vizekönigin zum Thema Shoppen, Zoff
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Irgendein Tag in der Woche, vorzugsweise Samstag, hiesige Fußgänger Zone, Laufrichtung Süd nach Nord.

“Übrigens Schatz, deine Mutter hat mich angerufen und möchte wissen, wann wir denn mal wieder hoch kommen.”
“Okay?”
“Ich hab gesagt, ich klär das mit dir und meld mich dann.”
“Hmm..”
“Wie, “hmm..”?
“Was denn?”
“Deine Mom hat mich vorhin angerufen und gefragt, wann wir hoch fahren. Ich sagte, ich kläre das mit dir und melde mich dann.”
“Aso, jaja.”
“Ähm.. Mit “Aso, jaja” kann ich nicht allzu viel anfangen..”
“Wieso nicht?”
“Weil das keine Info ist, mit der man in Bezug auf die Aufgabenstellung arbeiten kann.”
“Wie bitte?”

So. Spätestens dann muss man anfangen, den Gatten für vollkommen verrückt zu erklären. Man sammelt gedanklich schon Argumente für einen privaten Pflegedienst, der den demenzkranken Ehemann ein, zwei Mal am Tag besucht und ihn an seinen eigenen Namen erinnert, während man selbst von 9 bis 19 Uhr das Geld heranschafft, welches dann zu einem nicht unbeträchtlichen Teil eben diesem Pflegedienst zugeführt wird.

Natürlich spinnt man solche Gedanken aber nicht sofort durch, man schaut seinen Mann mindestens einmal höchst erschrocken an, nur um zu gucken, ob das auch wirklich ER ist. Ist er und während der Blick wieder zurück und verständnislos auf den Boden wandert, huscht plötzlich eine Szenerie in den Augenwinkel, die unter Umständen den Totalausfall der besseren Hälfte erklären könnte: 176 cm lang, geschätzte 50 Kilo, dabei selbstredend Körbchengröße DOPPEL-D, den Jlo-Hintern verpackt in etwas, für das selbst der Begriff Rock schon zu lang ist, die 117 cm-Beine in das immer gern gesehene Modell Fickstiefel gesteckt und dank des 12 cm-Stiletto-Absatzes optisch noch mal auf die Gesamtlänge des Körpers gestreckt. Oben, auf dem bauchfreien Top (trägt man ja auch im Winter) und dem selbstredend offenen und weit schwingenden, schwarzen Plastikledermantel ein langer Hals, auf diesem ein erstaunlich hübscher Kopf mit offenen, gewellten, roten und natürlich sensationell langen Haaren und mangaartigen grünen Katzenaugen.

Gut, wäre ich ein Mann, und die Frau besser angezogen – vielleicht hätte mich das auch kurz stocken lassen. Ich bin aber kein Mann, die Frau war nicht gut angezogen und mein Mann hört mir nicht zu, weil er sie angucken muss. Natürlich gibt es wichtigeres, als über einen in ein paar Wochen anstehenden Besuch bei den Schwiegereltern zu reden. Aber in diesem Moment gibt es eigentlich nichts wichtigeres, als über einen in ein paar Wochen anstehenden Besuch bei den Schwiegereltern zu reden.

Ein durchaus probates Mittel, die Aufmerksamkeit wieder auf mich unser Gespräch uns zu lenken, ist die Andeutung eines Handgelenkbruchs, oder aber, wenn man dafür einfach nicht genug Kraft hat, ein Ellbogencheck nach links, trifft garantiert immer eine seiner Rippen. Die Ausflüchte kommen natürlich sofort, als wären sie schon bei der ersten Sichtung dieser menschaufzweibeinengewordenen Meerjungfrau griffbereit zur Seite gelegt worden:

“Die sieht doch total scheiße aus..” – Nein, tut sie definitiv nicht, sie ist nur scheiße angezogen.
“Ich find ihre Stiefel echt scharf, wären die nichts für dich?” – Nein, ganz sicher wären sie das nicht.
“Ich hab gar nicht die Frau angeguckt, sondern den Hund da hinten! Ist der nicht niedlich?? - Das ist ein Afghane, die sind generell nicht niedlich.
“AUA, WAS DENN???” – …

Nun gilt es, sich genau zu überlegen, wie man danach weiter vor geht. Rumzicken ist uncool und kein Mensch möchte sich gerne in der nächstbesten Situation als stutenbissig beschrieben wissen. Vor allem, wenn man nicht stutenbissig ist. Also wird nicht weiter darüber gesprochen und abgewartet. Irgendwann an diesem Tag, in dieser Fußgängerzone kommt garantiert auch noch das neue H&M-Model oder zumindest sowas ähnliches um die Ecke gelaufen. Und ich bleibe dann mit offenem Mund stehen, egal womit Monsieur beschäftigt ist. Einfach so.

11th Mar 2010, von Blabbermouth zum Thema Shoppen, Zoff
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Ich nenne es ganz unspektakulär “neuzeitliche Evolution”: die Entwicklung fast übermenschlich ausgereifter Sinne und neuraler Extremreaktionen im Epizentrum männlicher Instinktbiologie. Kurze Erklärung? Kein Problem.

Während Du liebestrunken mit Deiner weiblichen Begleitung harmonisch-händchenhaltend an einem Samstag durch das Stadtzentrum schlenderst und Deine unschuldigen, fast geträumten Gedanken durch die Schönheit mittelalterlicher Architektur gleiten lässt oder Dich an den Blüten der frühlingshaft dargebotenen Randbegrünung ergötzt, kommt Dir, dem durch die Macht der Natur darauf programmierten Großwild-Jäger wie aus dem Nichts und ohne jegliche Vorwarnung genau DAS entgegen, was Du in dieser Situation am wenigsten erwartet hast: ein Minirock.

*BAMM*.

Zwar haben Frauen – und das ist biologisch bewiesen – ein weitaus größeres Sicht-Spektrum der Augen zu den Seiten hin, als es uns Männern in die Wiege gelegt wurde (schließlich müssen wir das Mammut in der FERNE erspähen, während sie die Beeren um sie HERUM erkennen muss), aber eben die oben genannte “neuzeitliche Evolution” ist es, die uns an genau diesem Punkt zur Hilfe eilt. An dieser Stelle musst Du als Mann nämlich im Bruchteil einer Hundertstelsekunde OHNE irgendeine Form von Bewegung, Reaktion, Mimik oder sogar Sprechpause (!) aus dem durchaus gerne auch mal hintersten Seitenblickwinkel entscheiden: riskiere ich mein Leben und schaue noch mal, oder genieße es lieber, auch zukünftig ohne künstliche Beatmung die Sonnenstrahlen zu genießen?!

Gut, die neuzeitliche Evolution ist noch nicht so ganz ausgereift, denn in etwa 8 von 10 Fällen spürst Du den soliden Druck einer Schraubzwinge, die genau jetzt Deine Fingerknochen in ein hübsches Mosaik zerlegt, während Dir gleichzeitig ein Klitschko-gleicher Hammerschlag von schräg rechts das Schultergelenk bis kurz vor die Halsschlagader versetzt.

Rettungsphase 1: Leugnen
Er: “AUA!! Warum schlägst Du mich denn???”
Sie: “DAS weißt Du ganz genau!”
Er: “Weiß ich NICHT, ich habe überhaupt GAR NIX gemacht!”
Sie: “Wie kannst Du jetzt auch noch lügen! Ich habe Dich beim GLOTZEN erwischt!!!”
Er: “Waaaaaaaas? ICH? Wo denn? Wen denn?”
Sie: “Du weißt ganz genahau!!”

Rettungsphase 2: Lügen
Er: “Du meinst doch nicht etwa die hässliche Tussi da drüben? Die mit dem Rock und den Stiefeln?”
Sie: “Oh doch, genau DIE!”
Er: “Schahaaatz – guck die doch mal an, wie BILLIG die aussieht! Da MUSS man doch hingucken! Total lächerlich!”
Sie: “Ich glaube Dir nicht.”
Er: “Is aber so. Viel zu dick für so einen Rock, fast schon schäbbig! Pfui, das war doch peinlich…”
Sie: “Das denkst Du Dir doch jetzt aus…!”

Rettungsphase 3: Ablenken
Er: “Nee. Voll die Schabracke. Dabei waren die Stiefel total cool, fast schade drum. Die würden DIR gut stehen.”
Sie: “Jaaaa? Fandest Du?”
Er: “Aber ja! Sollen wir mal schauen, ob wir sowas für Dich finden, wenn wir schon hier sind?”
Sie: “Ich darf mir Stiefel kaufen? Boah – ICH LIEBE DICH SO!!!”

Die Frage nach dem Wert eines Lebens muss ein jeder Mann wohl für sich beantworten, doch wir lernen für’s Leben: der Preis der Freiheit muss trotz Evolution manchmal teuer erkauft werden…

5th Dec 2009, von Vizekönigin zum Thema Diskussionen, Shoppen
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Es hat sicherlich einen Grund, weswegen um die Weihnachtszeit herum die meisten Selbstmorde passieren, Ehen geschieden werden und Familienmitglieder beschließen, nie wieder miteinander zu sprechen. Für die einen ist Weihnachten der Inbegriff der wohligen Stimmung, für die anderen ist es einfach nur nervig.

Ein grundsätzliches Frauen-”Problem” ist das mit der Deko. Das können wir im übrigen Jahr schon besser als Männer, Weihnachten laufen wir aber zu Höchstform auf. Auch wenn in unserem Haushalt aus glaubenstechnischen Gründen eigentlich gar kein Weihnachten stattfinden muss, gehöre auch ich zu den Menschen, die um den 1. Advent herum gerne zumindest ein bisschen kitschige Stimmung in die Wohnung dekorieren. Das Männchen möchte gerne Plätzchen bekommen – kriegt es. Aber dafür muss der Rest ja auch stimmen.

Danach zu fragen kann jedoch in unserem Fall schon mal mit einer akuten Panikattacke des Liebsten quittiert werden, nach der Ansage: “Lass uns doch gleich mal gucken, ob wir uns ein komplett neues Set kaufen” brauchte er erstmal 90 Minuten Zigaretten-, Kaffee-, und Mafiawars-Pause, um das gerade gehörte zu verarbeiten und sich mental darauf vorzubereiten. Auf die Fahrt in die böse, böse Innenstadt. IKEA habe ich uns beiden erspart, nachdem er fast weinend auf dem Boden sitzend und an meinem linken Bein hängend versucht hat, mich davon zu überzeugen, dass bei IKEA am Samstag vor dem 1. Advent nur Grinches rumlaufen, die uns sowieso alles vermiesen wollen.

Interessanterweise vollzieht mein Exemplar dann im ersten Laden aber eine ganz merkwürdige Wandlung. Plötzlich werden Kugeln in die Hand genommen, Eiszapfen für cool befunden, ein weißer Tannenbaum bestaunt. Zumindest eine Zeit lang, anschließend kann der erste ernstzunehmende Versuch, meiner vorweihnachtlichen Gelüste Herr zu werden, durchaus in einem viertel vor hysterischen Streit ausarten, weil a) zu viele Menschen gleichzeitig den gleichen Gedanken haben, b) “das ganze Zeug überhaupt nicht in unsere Wohnung passt”, c) “hier nichts unserem geplanten Farbkonzept entspricht”, d) unser Hund gemeinschaftlich mit einem anderen einen volldekorierten Plastiktannenbaum umreißt.

Im nächsten Laden angekommen dreht mein Gatte plötzlich zu Hochform auf: nach dem ersten “Guck mal, da….” ist er verschwunden. Da kann man als Frau schon mal ein bisschen Angst kriegen, weiß man doch, dass zu viel Glitzerzeug, buntes Lametta und nach Lebkuchen riechende Teelichter in zu hoher Konzentration dafür sorgen können, dass irgendwann die Durchsage kommt, ich möge bitte meinen weinenden Mann an der Information abholen. Und plötzlich steht er da, bis zum Hals mit bunten Glaskugeln und Lametta dekoriert, sich wie ein 6jähriger über die Ausbeute freuend:

“Guck mal, wie findest du denn diese Farbkombi?!”
“Ja, schön – aber wir haben keinen Tannenbaum..”
“Oh, stimmt ja..”
“Aber wir könnten dieses Jahr ja endlich mal einen kaufen, ich hatte ja noch nie einen..”
“Wir sind doch nicht da!”
“Doch, vorher den ganzen Monat schon.”
“Ok.”

Das neue Farbkonzept stand also und plötzlich lief er mit dem Einkaufswagen weg und fing an, alles reinzuwerfen, was auch nur ansatzweise diesem Konzept entsprach. Gut, hier und da muss man dann auch hart durchgreifen, ich fand diese Lichter-Holz-Brücken schon als Kind mehr als hässlich. Am Ende war es natürlich die weibliche Hand, die überflüssiges Zeug aussortiert hat und ziemlich gestresst schnell in Richtung Kasse drängelte, weil wir ansonsten ab sofort in einem Lebkuchenhaus wohnen würden.

Zuhause angekommen musste Monsieur sich erstmal wieder bei einer 90minütigen Zigaretten-, Kaffe- und Mafiawarspause von den Strapazen erholen, die ICH IHM angetan habe. 90 Minuten, in denen ich dann bei Weihnachtsmusik nicht nur alleine Plätzchen backen, sondern auch die Wohnung dekorieren durfte. Natürlich nicht ohne Anweisungen, welches Element in welcher Ecke unserer Wohnung besser aussehen würde. Und ohne vorherige Klarstellung:

“Das ist doch Mädchenkram, ich muss hier was machen – du kannst das ja auch viel besser.”

Ja. Und heute gehts mädchenmäßig zu IKEA, den Rest kaufen.

5th Dec 2009, von Blabbermouth zum Thema Diskussionen, Shoppen
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Sie so: “Schatz?”
Ich: “Hm?”
Sie: “Ist Sonntag nicht der 1. Advent?”
Ich: “Hmmm.”
Sie: “Heißt das, wir können das ganze Wochenende DEKORIEREN???!!!!”

Autsch. An dieser Stelle spüre ich zunächst ein leichtes Ziehen und Kribbeln im Nacken, während sich in der Ummantelung eines kühlen Nebels ein grausiges, fast heiseres Kichern in meine Ohren drängt – mit gierigen Augen voller bunter Kugeln und einem glitzernden und blinkenden Schlund starrt er mich hypnotisierend an: der Geist der Weihnacht des Jahres 2009. Ich reibe mir kurz die Augen und rülpse laut verneinend, als sich die schemenhafte Gestalt wieder in mein Liebchen zurückverwandelt und mich 2 aufgerissene, strahlende Kinderaugen anblinzeln…

Sie: “Kaufen wir uns dieses Jahr auch einen Weihnachstbaaaaaaaum? Bittebittebittebitte???”
Ich: “Schatz – wir sind aber doch Weihnachten gar nicht hier?”
Sie: “Aber VORHER doch immer! Und das ist hübsch! Das ist soooo hübsch!”
Ich: “Wir haben doch nicht mal Kinder, die sowas toll finden?”
Sie: “Aber MICH! Ich finde das hübsch! Das ist soooo hübsch!”
Ich: “Schatz?”
Sie: “Hm?”
Ich: “Drehst Du durch?”
Sie: “Hmm… wenn ich keinen Baum bekomme – vielleicht…”

Ok. Das ist eindeutig. Aufgabe des Samstagvormittages: gefühlte 8 Stunden lang durch verschiedene Supermärkte hetzen und die wunderbarsten Glitzer-Blitzer-Kugel-Aufhänger-Figürchen-Dings in sämtlichen Farben, Formen und Zusammenstellungen aussuchen, zwölf verschiedene Silbertöne für’s Lametta über die Arme hängen (“Stell Dich mal mehr hin wie ein Baum!!“) und zwischendurch an diversen, sicherlich giftigen Kerzenstumpen mit tollen Weihnachstdüften schnüffeln, damit das Hexenzuckerhaus auch wirklich weihnachtlich duftet. Vorgabe des Tages: dringend neue und todschicke Deko ersteigern, die uns die nächsten Jahre durch stilvolle Weihnachtstage begleiten soll. Die Klaue des Geists der Weihnacht schiebt sich kalt und langsam um meinen Hals…

Zuhause angekommen stellt der Weihnachtszwerg an meiner Seite zunächst einmal fest, dass wir ja – oha! – erst letztes Jahr schon so ziemlich alles neu erworben hatten, weil – oha! #2 – wir da ja AUCH Weihnachten hatten! Ich für meinen Teil sehe mich da ja jetzt nicht sooo verantwortlich, denn schon damals habe ich selbstverständlich sämtliche Verantwortung in Fragen der dekorativen Heimgestaltung an Knecht Ruprecht mit den Knopfaugen abgegeben, so dass ich mir dafür jetzt natürlich nicht den Hut – pardon, die Zipfelmütze aufsetze.

Nichtdestotrotz steht der Plan: die heimische Keksbäckerei (und nebenbei der ganze Ort) wird lautstark mit Bing Crosby’s “Let It Snow” beschallt, der Vierbeiner bekommt kurzerhand ein Rentier-Geweih über das Köpfchen gestülpt und zu einem leckerem Weihnachtsfläschchen Baileys stürzt sich die Dame des Hauses auf so ziemlich alles, was in irgendeiner Form mit irgendwas behangen, begrünt, beschmückt oder dekoriert werden kann. Father Christmas (also ich jetzt) fläze meinen Allerwertesten genüsslich auf die Couch und gebe gezielt, fast professionell, Anweisungen und hilfreiche Tipps aus, die der Liebsten ihre Arbeit durchaus erleichtern – irgendwer muss ja auch das übernehmen.

Fazit des Tages: 2 Bleche Vanille-Kipferln gebacken und umgehend verspeist, 12 neue Kerzenlichter in der Wohnung drappiert, einen einwöchigen Ohrwurm festgezurrt (Danke, Herr Crosby!), 437 kleine Weihnachtsmann-Figuren in den vier Wänden verteilt und eine glückliche Frau.

Nur noch kein Baum – den kaufen wir heute.

21st Jul 2009, von Blabbermouth zum Thema Kosmetik, Shoppen
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“So, jetzt muss ich nur noch zum dm !”

Samstägliche Einkäufe mit der Frau sind ja grundsätzlich schonmal nicht unbedingt die stressfreisten – wie ein Wahnsinniger chauffiert man das kleine Nervenbündel zu seiner Seite durch die Hektik der gesamten autofahrenden Weltbevölkerung von einem Ende der Stadt zum anderen, befüllt nach und nach den ursprünglich recht großen Kofferraum mit zahllosen Einkaufstüten und Kartons und wundert sich gleichzeitig, wohin all diese soeben erworbenen Dinge bis zum nächsten Wochenende eigentlich verschwinden.

Irgendwann erreichst Du als Mann dann diesen Punkt, an dem Du einfach stur Deinen Kopf ausschaltest und wie ein Roboter funktionierst – Parken, Einkaufswagen holen, hinterherschieben, bezahlen, Auto befüllen, weiterfahren, wieder von vorne. Stundenlang. Dieser Spannungsbogen setzt sich solange kontinuierlich fort, bis er seinen eigenen, dramatischen Climax erreicht: den

Besuch im örtlichen Drogeriemarkt

Es ist grundsätzlich schon mal absolut egal, wie groß oder klein dieser Drogeriemarkt ist: ein Weibchen kann sich in dieser Legebatterie der Kosmetikhersteller STUN-DEN-LANG aufhalten und schafft es spätestens hier, Dich an die völligen Grenzen Deiner männlichen Widerstandskräfte zu bringen.

Phase 1. Im Augenblick des Betretens der Geschäftsräume vergißt das Weibchen SOFORT die ursprüngliche Einkaufsliste, den eigenen Begleiter und sogar ihren Namen, reißt hektisch ein bis zwei Einkaufskörbe aus dem Stapel und stolpert zielgerichtet in Richtung der bunt befüllten Regale, aus denen ihr viele kleine Stimmen zubrüllen: “Kauf mich! Schnüffel an mir! Probier mich aus! Hab mich lieb!!!” – das Männchen trottet derweil lediglich brav hinterher, wundert sich über eklige bunte Fruchtriegel aus Pappe in den Regalen, muss dabei ad hoc ein bisschen würgen und verliert Madame so auch umgehend aus den Augen.

Phase 2. Es ist fast ein bisschen verwunderlich, aber eine Frau kann sich doch offensichtlich relativ lange daran aufhalten, an dutzenden verschiedener Waschmittel und Weichspüler zu schnüffeln. “Vanille”-, “Erdbeer”- und “Sommerfrische”-Duft werden Dir abwechselnd mit “Ruhezauber”, “Weiche Sinne” und “Rosentraum” unter die Nase gedrückt, so dass es die nun entstehenden Schwindelgefühle in Deinem Hirn viel erträglicher machen, gute 15 Minuten darüber zu diskutieren, ob 3-lagiges, gelbes Toilettenpapier von Charming denn nicht besser sei, als das 4-lagige in weiß, welches farblich doch VIEL besser zu den Gästehandtüchern und dem Badvorleger passt. Solche Fragen wolltest Du schon immer mal beantwortet wissen, das ist klar.

Phase 3. Während Du gerade soweit bist, langsam wieder klare Gedanken fassen zu können, weil die letzten Reste der Buntwaschmitteldämpfe Dein Kleinhirn verlassen, werden Deine olfaktorischen Fähigkeiten allerdings DIREKT wieder brutal vergewaltigt: nacheinander werden Dir zunächst 25 Flaschen Dusch- und Haarshampoo unter die Nase gehalten, wobei Dir ein zartes Drücken auf dieselben eine nicht unwesentliche Menge Parfümstoffe so extrem in den Kopf schießen lässt, dass Du sowieso nichts anderes sagen kannst als “Joooooah – riecht gut!”, während das Weibchen in ihrem Eifer schon längst dazu übergegangen ist, sämtliche nebenan stehende Deo-Sprays zunächst in die jeweiligen Verschlusskappen zu testen und Dir diese WIEDER sofort ins mittlerweile recht blasse Gesicht zu halten.

An dieser Stelle ist Dir bereits zum zweiten Mal übel – die Mischung schier endloser Duftstoffe hat Deinen Körper inzwischen zu 100% durchflutet, endlich auch Deinen Magen erreicht und sorgt nun dafür, dass die einsetzenden Schwindelgefühle auch Deinen Brechreiz an seine Grenzen bringen.

Phase 4. Deine Frage, ob es denn nun wirklich nötig sei, sich wirklich ALLES in diesem Markt detailliert ansehen zu müssen wird lediglich mit einem “JA – ALLES!” kommentiert. Zwar nutzt Du die Chance, um bei einem “WIRKLICH alles??” kurz auch den Blick auf den Po der 20jährigen Aushilfskraft schweifen zu lassen, doch selbiges wird Dir mit einem satten Ellenbogen-Hieb zwischen die Rippen quittiert, nicht ohne Dich zeitgleich in Richtung des universellen Grauens zu ziehen: die KOSMETIK-REGALE.

Phase 5. Die Kosmetik-Regale sind quasi die CIA-Wasserfolter der Drogeriemärkte. Völlig geschockt registrierst Du nur, wie auf einer Breite von gut 10 Metern vor den Regalen Hüfte an Hüfte Frauen SÄMTLICHER Altersklassen in winzig-winzig kleine Spiegelchen gaffen, während sie hunderte und aberhunderte kleiner Stifte und Eye-Liner in Millionen von Farbnuancen nahezu meditierend zunächst 2 cm aus dem Regal ziehen, um sie dann wieder zurückschieben. Man(n) ist fassungslos. Grob geschätzt jeder zehnte dieser Stiftchen wird aus dem Fach gezogen und darf auf den Handrücken der Damen ausprobiert werden, bis sich nach gut 30 Minuten Kunstwerke auf ihren Händen gebildet haben, die in dieser Form wahrscheinlich unerreicht bleiben dürften.

Phase 6. Während der kleine Tobias eine Pyramide aus 263 “Always Ultra” Binden zum Einsturz bringt und die geschätzt 12 Jahre alte Maria ihren Papa fragt, ob ihr das Make-Up von Nivea denn wohl besser stehe als jenes von Maybelline, schaffst Du es tatsächlich, die EINZIGE vorhandene Sitzgelegenheit des Drogeriemarktes zu besetzen, so dass zumindest der jetzt folgende Entscheidungsmarathon ein wenig leichter ausfällt. Während Dir 5 Lippenstifte unter die Nase gehalten werden, die für Dich ausnahmslos alle SO gleich aussehen, dass Du einfach auf einen tippst und “Der!” sagst, registriest Du bloß, dass sich der Warenkob Deiner Liebsten nach und nach immer weiter füllt – ein hilfesuchender Blick in die Richtung anderer gepeinigter Männer wird nur mit einem genauso hilfesuchenden Achselzucken quittiert.

Phase 7. Das Böse erreicht Dich zum Schluss. Irgendein findiger Kosmetik-Vertriebler hat sich nämlich ausgedacht, sämtliche Produkte seiner kleinen, grässlichen Welt für die Damen zusätzlich noch in Miniatur-Größe auf den Markt zu werfen, so dass auf dem Weg zur erlösenden Kasse direkt noch ein Zwischenstopp eingelegt werden darf. Was im Supermarkt die Süßwaren am Ausgang, ist das Miniaturausgaben-Regal für die Frau im dm-Markt – schließlich müssen Handtaschen in der Größe einer IKEA-Tüte ja auch mit irgendwas befüllt werden, das leuchtet mir ein. Während ich mit allen Kräften nach Argumenten suche, warum ich KEIN Haarschampoo “in klein” für meinen Kultur-Beutel zuhause brauche und auch die Mini-Handcrème für das Handschuhfach dankend ablehne,  sehe ich zum ersten Mal nach gefühlten Wochen wieder ein Licht am Ende des Tunnels: die Kasse.

Phase 8. Jaja, die Kasse. Drogeriemarkt-Kassen sind ja grundsätzlich mit jenen Menschen besetzt, die aufgrund ihres Arbeitstempos eher Ausnahmen darstellen – eine ALDI-Kassiererin würde für ein solches Tempo wahrscheinlich bereits nach 2 Stunden entlassen werden. Während Du als Mann damit beschäftigt bist, grob 14 winzige Umsonst-dm-Tütchen mit maximal 3 Teilen zu bepacken und Dir langsam klar wird, dass Du dieses Unternehmen mal wieder mit einem halben Monatsgehalt für verarbeitete Tierprodukte subventioniert hast, steht das Weibchen glücklich und mit der Kreditkarte winkend vor dem Bezahlgerät und wirkt fast, als habe sie mal wieder einen ihrer größten Träume verwirklicht.

Phase 9. Zuhause angekommen fällst Du geradeaus auf das Sofa und schläfst ein.

21st Jul 2009, von Vizekönigin zum Thema Kosmetik, Shoppen
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Es gibt Konsum-Institutionen, zu denen frau das gemeine Männchen einfach nicht mitnehmen sollte. Dazu gehören neben Schuhläden mit mehr als 30 m2 Verkaufsfläche in erster Linie Parfümerien und Drogeriemärkte. Bei Parfümerien ist es allerdings oberstes Gebot, den Mann nicht mit rein zu nehmen, weil man hier für gewöhnlich laaaange und ausführlich beraten wird. Außerdem ist es nicht besonders clever, ihn beim Bezahlen eines 100 €-Bons, auf dem nur eine Augencreme und ein Lippenstift drauf stehen, zuschauen zu lassen. Deswegen gehen wir in der Regel alleine zu Douglas.

Ein dm ist allerdings etwas anders und geradezu prädistiniert, im Doppel aufgesucht zu werden. Natürlich ist es auch hier besser, das zu vermeiden, da die Aufenthaltsdauer in einem dm auch ohne Kaufabsicht locker bei 30 Minuten liegen kann – deswegen rennen wir ja so gerne in der Mittagspause hin. Meistens fällt einem aber beim samstäglichen Einkauf ein, dass man dies und das noch braucht und das Einkaufsfeeling im dm ist selbst in Bezug auf Waschmittel einfach ein anderes als im Supermarkt. Die Sache ist nur die: während das Weibchen ziemlich schnell nach dem Betreten des Ladens den klassisch-femininen Stereotypen an den Tag legt, ist das Männchen eigentlich schon vor dem Durchschreiten der Tür zu Tode genervt. Das hemmt ein wenig, ich würde sogar sagen, es verdirbt mir den Spaß an der Shopping-Tour.

Vollkommen egal, ob ich Klopapier kaufe, Zahnpasta, Haarshampoo oder SEIN Haarzeugs, seine Aufgabe besteht ausschließlich darin, so schnell wie möglich aus der drogistischen Hölle herauszukommen. Nach Möglichkeit lebend und ohne nennenswerte Schäden an der Nasenschleimhaut, die ihm das angebotene Männerduschgel zu bereiten scheint. Monsieur rollt mit den Augen, wenn ich ihm ein buntes Obst-Spülmittel unter die Nase halte, kommt dann aber mit der Nase trotzdem nah genug ran, dass ein minimales “Squeeze” ausreicht, um ihm zumindest einen halben Zentimeter Inhalt in eben diese hineinzudrücken. Zur Strafe, weil er gerade, während ich überlegte, mit welchem Raumduft ich ihn für die nächsten 5 Wochen betöre, der 20jährigen Azubine auf den Hintern geguckt hat.

Wenn dieser Punkt erreicht ist, haben wir schon eine beachtliche Odyssee hinter uns: “Was, DA willst du dich gleich anstellen?” “Moah Baby, ist doch egal wieviele Lagen das Klopapier hat!!” “Gibts hier auch ne Spielkonsole, damit Männer und Kinder beschäftigt sind?” “Hau rein, dann schaffen wir es noch vor dem Franzosen mit den zwei Einkaufswagen!” “Dauert das noch lange??”. Bis dahin hat er aber die Wand schräg gegenüber von den Kassen noch nicht gesehen. Die, an der in 2-Meter-Abschnitten für jeden Hersteller Make up präsentiert wird. Normalerweise würde ich mir den Lippenstift ja alleine in der Mittagspause in der Parfümerie kaufen, aber das kann er jetzt vergessen: langsam ziehe ich Farbe für Farbe raus, teste rum, gucke ob es zu meinem Hauttyp passt und beziehe ihn natürlich bei jeder Farbe mit ein: “Wie findest du die Farbe? Und die?”

Die hilflosen, fast ängstlichen Blicke in Richtung anderer geschundener Männer, die ein ebenso trauriges Bild neben ihren triumphierenden Frauen abgeben (sie verhalten sich ja alle gleich, werden also auch alle bestraft – was sie nicht wissen, sie glauben ja immernoch, das dm-Verhalten wäre bei uns genetisch vorprogrammiert), nehme ich natürlich genauso wahr, wie das mitleidige Nicken eines Leidensgenossen, der mit seinem Kinn in eine mir nicht nachvollziehbare Richtung deutet. Aus den Augenwinkeln fällt mir auf, dass er Monsieur einen Stuhl gezeigt hat, auf dem er sich nun kapitulierend nieder lässt. Klare Ansage für mich, genau so weiter zu machen, vor allem, wenn er anfängt, lautstark Kommentare darüber abzuliefern, dass es ja echt lustig sei, dass ich “in einer Reihe von 6 Frauen stehe, die alle total bedächtig einen Kajalstift aus dem Regal ziehen, drehen, bestaunen und wieder reinstecken.”

Irgendwann erlöse ich ihn dann, so nach ca. 20 Minuten. Zumindest von der Farb-Folter, danach kommt ja noch die Riesen-Wand mit Produkt-Miniaturen direkt vor der Kasse. Die Frauen-Quengelware. Interessanterweise funktioniert das Prinzip bei mir mehr als gut, aber bevor ich mich richtig davon einlullen lasse, zeige ich ihm einfach alles, was ich gut finde und beschreibe mögliche Einsatzmöglichkeiten wie Urlaub, Party, einfach so für die Handtasche. Das ist dann kurz vor Exitus und der Franzose mit den zwei Einkaufswagen (in Frankreich sind Drogerieartikel unglaublich teuer, deswegen kommen sie immer zu uns) gibt ihm dann den Rest. Weil seine Kreditkarte nicht funktioniert und das Sprachproblem zwischen ihm und der Kassiererin dem Raum-Zeit-Kontinuum eine neue Dimension verleiht.

Der Alptraum ist dann vorbei, wenn wir alles ins Auto gepackt haben und er sich eine Zigarette anzünden kann. Und ich nehme mir bei allem Amusement zum hundersten Mal vor, sowas in Zukunft wieder in die Mittagspause zu verlegen.